Brautvater-Komödie Bryan Cranston aus «Breaking Bad» sieht rot

Von «Breaking Bad» zu «Freaking Dad»: Bryan Cranston mimt in «Why Him?» einen Vater, der seine Tochter auf keinen Fall einem verrückten Game-Entwickler überlassen will. Brautvater-Klamauk à la «Meet the Parents».

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Filmstart diese Woche: «Why Him?»

4:26 min, vom 11.1.2017

Schon in der allerersten Szene spricht der Game-Entwickler und Internet-Multimillionär Laird (James Franco) davon, dass seine Hoden blau seien, weil er drei Tage lang keinen Sex mit Stephanie (Zoey Deutch) hatte. Das Publikum wird also gleich von Beginn weg auf ein Niveau unter der Gürtellinie eingestimmt.

Stephanies Eltern, Ned (Bryan Cranston) und Barb (Megan Mullally) Fleming, und ihr kleiner Bruder Scotty (Griffin Gluck) reisen nach San José ins Silicon Valley, wo Laird in einer Supervilla residiert. Protzig, wie es sich für einen Neureichen gehört, mit schrillen Kunstwerken ausgestattet, die lauter Tiere beim Kopulieren zeigen.

Ein Mann mit einem Tatoo am Rücken. Vier Leute schauen schockiert. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Laird (James Franco) tut alles, um der Familie zu imponieren. Fox-Warner

Nicht sehr realistisch

Verständlich, dass Ned sich fragt: «Why Him? – warum er?» Ned will seine studierende Tochter nicht diesem durchgeknallten Typen überlassen. Doch Laird bemüht sich mit allen Mitteln, die Zuneigung und den Respekt seines zukünftigen Schwiegervaters zu gewinnen.

Mit der Realität hat das allerdings wenig zu tun. Nur ein Beispiel: Laird lässt sich Stephanies ganze Familie auf den Rücken stechen. Zur Vorlage gibt er dem Tätowierer die Weihnachtskarte der Flemings. Nun steht auf Lairds Rücken «Happy Holidays». Unwahrscheinlich, aber halt ein ganz netter Gag.

Nicht gerade neu

Auch sind die schablonenhaften Figuren mehr Karikaturen als Menschen aus Fleisch und Blut. Alle haben sie irgendeine Schraube locker, einzig Stephanie wirkt halbwegs normal. Was natürlich sofort die Frage aufwirft: Was findet sie an dem vulgären Laird? Mit anderen Worten: Die Gags sind arg herbei geschrieben.

Neu ist diese Art Komödie auch nicht gerade: Von «Father of the Bride» (1950) bis «Monsieur Claude und seine Töchter» (2014) kommen regelmässig Filme über Väter, die ihre erwachsenen Töchter nicht loslassen können, in die Kinos.

Zwei Männer schauen sich an. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: «Breaking Bad»-Kultstar Bryan Cranston trifft auf James Franco. Fox-Warner

Die Sau rauslassen

«Why Him?» stammt nun sogar von einem Autor, der mit «Meet the Parents» (2000) schon einmal eine ähnliche Brautvater-Story mitverantwortete. Diesmal ist John Hamburg nicht nur Co-Autor, sondern auch noch Regisseur des Klamauks.

Was man dem Film jedoch zugestehen muss: Die Hauptdarsteller Bryan Cranston und James Franco lassen genüsslich die Sau raus. Und so tief das Niveau auch sinkt, so nimmt John Hamburg doch auch gekonnt das Silicon Valley aufs Korn, indem er witzige Hightech-Gadgets einbaut wie eine elektronische papierlose Toilette, die natürlich ihren Dienst versagt, und einen Hauscomputer, der eine schräge Mischung aus Siri und HAL aus Kubricks «2001» ist.

Wer auf überdrehten Klamauk mit guten Schauspielern steht, soll ins Kino. Alle andern können sich «Why Him?» schenken.

Kinostart: 12.01.2017