Migrations-Drama «Facing Mecca»: Schweizer Kurzfilm erhält Studenten-Oscar

Ein syrischer Flüchtling will seine verstorbene Frau beerdigen und kämpft dabei gegen Bürokratie und Borniertheit: Der Schweizer Kurzfilm «Facing Mecca» gewinnt einen Studenten-Oscar.

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Trailer: «Facing Mecca»

1:13 min, vom 26.6.2017

Der Anruf kam am Dienstagabend. Ob Jan-Eric Mack im Oktober nach Los Angeles kommen könnte, fragte der Mann am Telefon. Er habe mit seinem Kurzfilm «Facing Mecca» den Studenten-Oscar gewonnen.

«Ich musste zuerst einmal vom Balkon runter brüllen», erzählt Regisseur Jan-Eric Mack. Denn der Studenten-Oscar ist nicht irgendein Preis: Er ist die wohl bedeutendste Auszeichnung für Werke von Filmschulen. Und er qualifiziert den Film, für einen «richtigen» Oscar nominiert zu werden.

Syrer möchte seine Frau beerdigen

Mit «Facing Mecca» hat der Regisseur dieses Jahr sein Masterstudium an der Zürcher Hochschule der Künste abgeschlossen. Im Film möchte ein syrischer Flüchtling in einer Schweizer Gemeinde seine an Krebs gestorbene Frau beerdigen – ausgerichtet nach Mekka. Das gestaltet sich schwierig.

Im Kampf gegen Bürokratie und Borniertheit steht ihm ein Schweizer Pensionär bei, der für die Anliegen des Syrers viel Verständnis aufbringt. Solches Verständnis vermisst Jan-Eric Mack in vielen politischen Diskussionen über den Umgang mit Menschen aus anderen Kulturen.

Drei Männer stehen im Wald Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ein syrischer Flüchtling (Jay Abdo, links) erhält Unterstützung von einem Schweizer Rentner (Peter Freiburghaus, r.). Jan-Eric Mack / Dschoint Ventschr

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Jan-Eric Mack

Jan-Eric Mack

Andreas Rentz/Getty Images Europe

Jan-Eric Mack (*1983) ist Regisseur und Grafiker und lebt in Zürich. 2017 hat er mit «Facing Mecca» seinen Master in Regie an der Zürcher Hochschule der Künste abgeschlossen. Er hat mehrere Kurzfilme gedreht, darunter «King» (2015), «Wandelzeit» (2014), «Alfonso» (2013) und «Ronaldo» (2010).

Mehr Verständnis für kulturelle Unterschiede

«Es braucht mehr Empathie», sagt der Regisseur. «Man muss einander zuhören, um Probleme zu lösen.» Er und seine Co-Autorin Anna Schinz haben zugehört. Denn die Geschichte aus «Facing Mecca» hat sich so ähnlich tatsächlich zugetragen. Aus Gesprächen mit Beteiligten von allen Seiten sind 13 Stunden Interviewmaterial zusammengekommen, die als Grundlage für den Film dienten.

Jan-Eric Mack hofft nun, mit «Facing Mecca» zum Verständnis auf beiden Seiten solcher Konflikte beizutragen. «Film ist ein Medium, das eine unglaubliche Kraft hat», sagt er. «Wenn nur schon bei jemandem ein Schalter kippt, haben wir etwas erreicht.»

Chancen auf Oscar?

Erreicht hat er jedenfalls die Aufmerksamkeit der Akademie der Studenten-Oscars. Sie hat seinen Film aus fast 1600 Einreichungen ausgewählt und in der Kategorie «Narrative (International Film Schools)» ausgezeichnet. Ob er die Auszeichnung in Gold, Silber oder Bronze erhält, wird er an der Preisverleihung am 12. Oktober im Samuel Goldwyn Theater in Beverly Hills erfahren.

Leichenwagen und zwei Männer am Rand eines Flughafens, ein Flugzeug hebt ab Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Mit «Facing Mecca» hat Regisseur Jan-Eric Mack Chancen auf eine Oscar-Nominierung. Jan-Eric Mack / Dschoint Ventschr

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SRF-Koproduktion

Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) hat diesen Film koproduziert.

Mit dem Thema Migration hat schon vor drei Jahren ein Schweizer Kurzfilm den Studenten-Oscar abgeholt: «Parvaneh» von Talkhon Hamzavi.

Dieser Film schaffte es bis an die Oscar-Verleihung. Auch wenn es schliesslich nicht für ein Goldmännchen gereicht hat – für «Facing Mecca» sind die Chancen intakt.

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DOK online: «Muslim-Bestatter»

Als vor Jahren Enver Fazlijis Grossmutter starb, suchte die Familie vergeblich nach einem muslimischen Bestatter. Nach zähen Anfangsjahren kümmern er und sein Vater sich heute selbst um islamische Beerdigungen.

Zudem hat der Film bereits im Juni am Kurzfilmfestival in Palm Springs zwei Preise abgeräumt, die ihn für eine Oscar-Nominierung qualifizieren. Zusammen mit dem Studenten-Oscar bedeutet das für Jan-Eric Mack nun eine doppelte Startrampe für einen Ausflug an die Academy Awards im nächsten Frühjahr.

Der Weg bis dahin ist zwar noch weit. Aber, so hofft der Regisseur: Die Aufmerksamkeit, die sein Film jetzt erhält, könnte im Rennen um einen Oscar für Rückenwind sorgen.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kulturnachrichten, 14.9.2017, 6.01 Uhr