70. Filmfestival Cannes Wie Schweizer Filme Cannes zu Ruhm verhalfen

In sieben Jahrzehnten wurde das Filmfestival von Cannes zum wichtigsten der Welt. Zu dieser Erfolgsgeschichte hat auch das kleine Filmland Schweiz beigetragen.

Eine Frau umringt von Reportern und Schaulustigen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ursula Andress wird in Cannes belagert. Getty Images

Das Filmfestival von Cannes hätte auch in der Schweiz sein können. Denn als Franzosen, Briten und Amerikaner in den 1930er-Jahren planten, ein internationales Festival ins Leben zu rufen, stand nicht fest, wo es stattfinden sollte. Einigkeit herrschte nur darüber, dass es ein Gegenpol zum Filmfest der italienischen Faschisten in Venedig sein musste.

Cannes: Wie SchweizerInnen das Festival prägten

4:11 min, aus 10vor10 vom 16.5.2017

Cannes statt Luzern

Glaubt man Wikipedia und dem renommierten Filmkritiker Michael Althen, so soll sich unter anderem Luzern als Austragungsort für das Festival beworben haben. Leider konnte die Stadt Luzern auf Nachfrage keinen Nachweis einer solchen Bewerbung in ihrem Archiv finden.

So oder so: Die Schweiz sollte in der Festivalgeschichte trotzdem grosse Auftritte bekommen.

Das Filmfest fand das erste Mal 1946 in Cannes statt. Im Wettbewerb: der Schweizer Film «Die letzte Chance» von Leopold Lindtberg. Das Flüchtlingsdrama traf den Nerv der Zeit und räumte gleich einen Hauptpreis ab. Die Goldene Palme gab es damals noch nicht.

Das Schweizer Enfant Terrible von Cannes

Ein Mann im Anzug mit Zigarette im Mund streckt den Arm nach vorne. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Jean-Luc Godard bei den Dreharbeiten zu «Sympathy for the Devil». Getty Images

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In den 1960er-Jahren kam der Schweizer Regisseur Jean-Luc Godard und mischte mit seiner Nouvelle Vague das Kino auf. Statt Glamour gab es Gesellschaftskritik.

Während des französischen Generalstreiks von 1968 stürmte er zusammen mit seinem Regiekollegen François Truffaut die Bühne und sorgte dafür, dass das Festival in diesem Jahr abgebrochen wurde. Aus Solidarität gegenüber den Protestierenden.

Das Festival war nicht nachtragend. Seit den 1980er-Jahren wurde Godard mit seinen Filmen stolze 13 Mal ins Festivalprogramm aufgenommen. Einen Preis hat er mitgenommen: 2014 für «Adieu au Langage».

Helvetische Hollywood-Exporte

Nicht nur Schweizer Regisseure wie Jean-Luc Godard oder Daniel Schmid prägten das Festival mit. Helvetische Hollywood-Exporte wie Ursula Andress, Marthe Keller und Lilo Pulver gehörten zu den gern gesehen Gäste.

Filmset: Viele Personen in einem Raum, eine wird geschinkt, zwei sitzen an einem Tisch. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Marthe Keller wird bei den Dreharbeiten zu «Bobby Deerfield» geschminkt, am Tisch Al Pacino und Sydney Pollack. Keystone

Dieses Jahr sind vier Schweizer Koproduktionen im Programm. Der Schweizer Produzent Michael Merkt sitzt in der Jury der Caméra d'or und hat einen Film in einer wichtigen Nebenreihe und einen Film im Wettbewerb. Manchmal ist die kleine Schweiz in Cannes ganz gross.

Sendung: 10vor10, SRF 1,16.5.2017, 21:50 Uhr.

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