«Doctor Who» Jetzt schlägt's 13: Der Doktor ist neu eine Frau

Aus Mann mach Frau: Die BBC hat am Sonntagabend angekündigt, dass Hauptfigur der Kult-Serie «Doctor Who» neu von einer Frau verkörpert wird. Die Fans hielten den Atem an.

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Bildlegende: Ihre Wahl zum 13. Doktor ist ein Skandal – ein kleiner: Jodie Whittaker. BBC

  • Jodie Whittaker wird ab nächster Staffel den 13. Doktor in «Doctor Who» spielen.
  • Bisher spielten nur Männer das zeitreisende Alien.
  • Einige Fans haben die Entscheidung scharf kritisiert.

Ist Ihnen am Sonntagabend irgendetwas Ungewöhnliches aufgefallen? Dann haben Sie womöglich die Erschütterung des Raum-Zeit-Kontinuums gespürt. Denn: Endlich enthüllte die BBC ihr gut gehütetes Geheimnis um die neue Besetzung von «Doctor Who».

Damit gelang der BBC eine kleine Sensation: Die britische Schauspielerin Jodie Whittaker wird künftig den 13. Doktor spielen. Eine Frau! Whittakers Vorgänger waren seit 1963 ausschliesslich Männer.

In den letzten Jahren wurde der Ruf nach einem weiblichen Doktor immer lauter. Entsprechend reagierten die Fans in den Kommentarspalten und auf Twitter: «Endlich!», riefen die einen. «Skandal!», riefen die anderen.

William Hartnell Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der erste Mann: William Hartnell gab dem ersten Doktor sein Gesicht. Er konnte mürrisch und abweisend sein. BBC

«Alles ruiniert!»

Undenkbar scheint für manche eine Geschichte mit weiblicher Hauptrolle – von romantischen Komödien abgesehen. Weibliche Hauptfiguren, sagen enttäuschte Fans, hätten schon Klassiker wie «Star Wars» und «Ghostbusters» ruiniert. Nun auch noch «Doctor Who».

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Bildlegende: Die unbeirrbare Nummer Sechs war Colin Baker: Die BBC kompensierte das kleine Budget mit schrägen Klamotten. BBC

Das Rad der Zeit dreht sich weiter

Aber: Veränderung war schon immer ein Teil der Figur. Der Doktor ist ein zeitreisendes Alien, das nur zufällig wie ein Mensch aussieht. Je nach Zeitachse ist er über tausend Erdenjahre alt.

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Die Frau

Jodie Whittaker

Imago/Images

Jodie Whittaker ist eine britische Schauspielerin, die bereits in zahlreichen BBC-Dramen und in «Black Mirror» gespielt hat. In «Broadchurch» arbeitete sie mit dem Autor Chris Chinall zusammen, der bei der nächsten Doctor-Who-Staffel als Hauptautor das Zepter von Steven Moffat übernimmt.

Zeit und Alter sind für ihn relativ: «Manche Leute leben in 20 Jahren mehr als andere in 80. Zeit ist nicht wichtig. Die Person zählt.»

Rätsel, Herz und Monster

Im Gegensatz zu uns Erdenbewohnern besitzt der Doktor zwei Herzen und die Fähigkeit, sich bei Verletzungen oder Krankheit zu regenerieren. Regeneration bedeutet: neuer Körper, neue Persönlichkeit – neuer Schauspieler.

Mit menschlichen Begleiter erlebt der Doktor in jeder Folge neue Abenteuer. Oft begegnen sie dabei furchterregenden Monstern, lösen unlösbare Rätsel und öfters müssen sie dabei die ganze Welt, das Universum und das Raum-Zeit-Kontinuum retten.

Die Welt steht Kopf

Für die BBC war es also ein Leichtes, über Jahrzehnte neue Geschichten mit dem Doktor zu erzählen. Die Geschichten können einerseits auf einem fernen Planeten oder auch in Shakespeares London spielen.

Andererseits garantiert die Regeneration des Doktors immer wieder Abwechslung: Mal ist er eher tragisch nachdenklich, mal komplett überdreht und dann wieder schusselig verrückt.

David Tennant Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Nummer zehn (David Tennant) war mal verrückt, mal verliebt. Die blaue Box ist übrigens sein Raumschiff in Tarnmodus. BBC

«Doctor Who» stellt unser Weltbild immer wieder auf den Kopf, spiegelt oder dekonstruiert es komplett: die Queen ist eine Werwölfin und der Mond ein Ei voller ausserirdischer Spinnen. Die Zeit verläuft nicht linear. Der Doktor beschreibt sie als «grossen Ball aus schnibbedischnick, wibbeligwabbeligem Zeugs».

Dass aus dem Doktor nun eine Doktorin wird, ist für das «Who-niversum» eigentlich eine Kleinigkeit. Der Doktor ist auch nicht der erste seiner Alien-Art, der mit der Regeneration sein biologisches Geschlecht ändert.

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Die Fans und die Show

Seit «Doctor Who» 1963 zum ersten Mal ausgestrahlt wurden, wuchsen mehrere Generationen mit den Geschichten des Doktors heran. In den 1990er-Jahren gab es eine längere Sendepause. 2005 nahm die BBC die Sendung wieder erfolgreich ins Programm auf.

Rund um die Sendung entstand eine grosse Fan-Kultur mit Orchester, Conventions, Fan-Fiction und Fan-Art.

Da war eine kleine Welt verrückt

Für manche Menschen in unserer Realität ist gestern dennoch eine Welt zusammen gebrochen. Zum Glück ist da aber noch das Mysterium der Zeit.

Nach ersten heftigen Kommentaren wurden immer mehr glückliche und amüsierte Stimmen laut: «Ein weiblicher Doctor? Was kommt als nächstes? Aufrechter Gang?», twitterte @LeKWiNK.

Sehr logisch fasste @FreiesRadikales die Situation zusammen: «Für ein Alien, das sein menschliches Äusseres quasi zufällig generiert, ist das Geschlecht völlig irrelevant».

«Wir sind alle eine Geschichte»

Relevant für den Doktor ist hingegen sein menschlicher Begleiter. Seine Figur lebt von guten Freunden, die ihn stützen, seine Hilfe brauchen und sich auf seine Abenteuer einlassen.

Und: Es braucht ein gutes Drehbuch. Wie der Doktor selbst einst sagte: «Letztlich sind wir alle nur eine Geschichte. Lass es einfach eine gute sein.»

Im Weihnachts-Special wird der zwölfte Doktor seinen letzten Auftritt haben. Danach bricht die Zeit der Doktorin an.