Das waren die besten Comics 2014

Der Comic-Kenner Christian Gasser hat seine Comic-Highlights des Jahres 2014 auserkoren. Sie handeln von einem gigantischen Bart, der für Unruhe sorgt, Kindern, die sich durch den DDR-Alltag wursteln und der Geschichte der Menschheit – erzählt anhand einer Fledermaus.

Ein Comic. Ein schwarzer Junge streckt die Hand aus. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: «Billy Bat»: Man nehme eine Fledermaus. Und erzähle anhand von ihr die ganze Menschheitsgeschichte. Urasawa Billy Bat 08

    • Ein Comic. Grimmige Menschen sind abgebildet. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: «Mawil». Reprodukt Verlag

      Mawil: «Kinderland»

      «Kinderland» spielt sich in den Monaten vor dem 9. November 1989 ab. Der 1976 in Ost-Berlin geborene Mawil (eigentlich Markus Witzel) erzählt eine autobiographisch grundierte Coming-of-Age-Geschichte um den schüchternen Siebtklässler Mirco Watzke und seine Freunde, die sich durch den DDR-Alltag wursteln und sich nicht vorstellen können, dass sich je etwas ändert – und vom Mauerfall kalt erwischt werden. Stimmige Charaktere und Dialoge, lebendige Zeichnungen, dynamische Bildfolgen – «Kinderland» ist der witzigste, aber auch hintergründigste Comic über die DDR. (erschienen im Reprodukt Verlag, Berlin)

      Endlich ein Comic über die DDR-Zeit

    • Ein Comic. Man sieht eine Bartstoppel, die rausgerissen und abgeschnitten wird. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Alles muss seine Ordnung haben. Ein Bart hat hier nichts zu suchen. (Ausschnitt aus «Der gigantische Bart, der böse w... Atrium Verlag

      Stephen Collins: «Der gigantische Bart, der böse war»

      In einer krankhaft ordentlichen Stadt («Hier») wächst einem biederen Beamten ein nicht zu bändigender Bart, der die ganze Ordnung in «Hier» durcheinander bringt – und dazu führt, dass der Beamte per Luftballone ins gefürchtete «Dort» jenseits des Meeres verfrachtet wird. In seinem Debüt «Der gigantische Bart, der böse war» erzählt der junge Brite Stephen Collins in geradezu sinnverwirrend komponierten Bildern eine abstruse, hochkomische und hintergründige Parabel über die Kraft der Unordnung und den vergeblichen Versuch, ein überholtes Weltbild durch Aus- und Abgrenzung zu bewahren. (erschienen beim Atrium Verlag, Zürich)

    • Ein Ausschnitt aus «Irmina». Ein Mann mit Hut hält eine Frau in den Armen. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: «Irmina». Reprodukt Verlag

      Barbara Yelin: «Irmina»

      Mitschuld durch Wegsehen: In den letzten Jahren wurde viel über die Rolle der passiven Deutschen während des Dritten Reichs diskutiert. In «Irmina», der frei rekonstruierten Lebensgeschichte von Barbara Yelins Grossmutter, einer lebenslustigen und weltoffenen jungen Frau, die sich in eine verbitterte Mitläuferin verwandelte, umkreist die Comiczeichnerin diese Schuldfrage auf differenzierte Weise. Auch zeichnerisch: Yelins skizzenhafter Strich und die zu grauen und bräunlichen Tönen neigenden Buntstiftfarben geben nicht nur die Stimmung der Zeit, sondern auch die Gefühlswelten und Veränderungen Irminas wieder. (erschienen im Reprodukt Verlag)

    • Ein schwarzer Junge streckt seine Hand aus. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: «Billy Bat». x

      Naoki Urasawa, Takashi Nagasaki (Ko-Szenarist): «Billy Bat»

      Neun Bände sind von «Billy Bat» bislang erschienen – und man hofft, diese Geschichte gehe noch endlos weiter! Rasant, komplex, grafisch vielfältig – in «Billy Bat» erzählt der Mangameister Naoki Urasawa nichts weniger als die Geschichte der Menschheit anhand einer mysteriösen Fledermaus-Figur. In «Billy Bat» hat alles Platz, von Jesus über Samurais bis zu JFK, Fakten, Fantasien und Verschwörungen. Urasawa rast durch Zeit und Raum, verknüpft parallele Erzählstränge, überrascht mit unerwarteten Wendungen – kurz: «Billy Bat» ist ein gnadenlos mitreissendes Vergnügen. (erschienen bei Carlsen Mang)

    • Ein Affe fährt Auto. Hinten ist ein Hase. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: «Die Geschichte des Bären». Avant Verlag

      Stefano Ricci: «Die Geschichte des Bären»

      Das Drama um den 2006 aus Italien nach Bayern ausgewanderten «Problembären» Bruno inspirierte den zeitgleich nach Deutschland gezogenen Stefano Ricci zur «Geschichte des Bären». In atmosphärischen Pastellkreide- und Tuschezeichnungen verknüpft Ricci Brunos Schicksal mit seinem Versuch, in Deutschland Fuss zu fassen, und verwebt das Private mit Historischem wie dem Untergang des Faschismus und den Nachwehen der DDR. So verschränkt Ricci Reales, Fiktionales und Surreales zu einem mächtigen Bilderreigen, dem man sich kaum entziehen kann. (erschienen beim Avant Verlag)

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Welche Comic aus dem Jahr 2014 wird Ihnen in Erinnerung bleiben? Schreiben Sie im Kommentarfeld, welcher Comic für Sie ein Highlight war.