Musikalisch geht Island seit langem eigene Wege – mit Erfolg

In Island leben gerade mal 320'000 Menschen. Trotzdem kann das Land eine pulsierende Musikszene vorweisen. Und obwohl die Insel 2008 ungemein hart von der Weltwirtschaftskrise getroffen wurde, hat die Musikszene keinen Schaden genommen – im Gegenteil: Isländische Musik gibt weltweit zu reden.

Die Sängerin Björk auf der Bühne mit roten Haaren und blauem Kleid. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Sie drückt der isländischen Musik ihren Stempel auf: Superstar Björk. Getty Images

Egal welches Musikgenre: Man hört bei isländischen Bands, Musikern und Komponisten oft eine Gemeinsamkeit heraus: Sie lassen sich Zeit. Popsong-Schemen, in denen möglichst schnell eine «Hook» (eingängiger Refrain) kommt, oder pompöse Ouvertüren bei klassischen Werken sind untypisch. Isländische Musik baut sich langsam auf, hat Pausen, dynamische Einbrüche und ist meist von einer mystischen Stimmung geprägt.

Es ist völlig klar, dass dabei die Natur eine wichtige Rolle spielt. Island hat viel mehr Natur als Mensch und abgesehen vom Wetter verändert sich nur wenig. Das prägt künstlerisch. Aber auch Bräuche und Geschichten von Feen und Trollen sind wichtig. Auch damit lässt sich die mystische Stimmung erklären.

Chöre haben Tradition

Gesang hat in Island eine viel längere Tradition als instrumentale Musik. Aus der altnordischen Literatur sind die sogenannten Rímur entstanden. Das sind epische Gedichte, die alleine oder in Chören gesungen werden. Die Tradition ist bis heute wichtig, auch dank bekannten Bands wie Sigur Rós.

Chöre sind sehr beliebt in Island. Viele Städte und Gemeinden haben gut besetzte Chöre, die auch gerne gegeneinander antreten. Ständig finden irgendwo auf der Insel populäre Chorwettbewerbe statt.

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Festival Culturescapes

Die 13. Ausgabe des Festivals Culturescapes widmet sich dem Thema Island. Es dauert bis am 28. November mit Filmen, Musik, Vorlesungen, Theater oder Ausstellungen in verschiedenen Schweizer Städten.

Keinem Trend verpflichtet

Die klassische Musikgeschichte Islands fängt erst in den 1920er-Jahren an, mit dem Komponisten Jón Leifs. Dank ihm kommt überhaupt das erste Mal ein Symphonieorchester nach Island.

Eine Musiktradition wie sonst in Europa gibt es in Island also gar nicht. Das bedeutete aber wiederum mehr Freiheit für die isländischen Musiker und Komponisten. Ohne Verpflichtung können die Isländer musikalisch da ansetzen, wo sie wollen. Und dieser Geist macht sich nicht nur in der klassischen Musik bemerkbar. Als in den 1960er-Jahren die populäre Musik Einzug hält, ist es ähnlich: Man fühlt sich keinem Trend verpflichtet.

Erfolgslabel «Island»

Island weist heute eine sehr blühende Musikszene auf. Das zeigt sich vor allem in der Dichte der Musikschulen, an der Menge von Bands, der stilistischen Breite und an der Anzahl Musikfestivals. Vor allem in der Hauptstadt Reykjavík, die auch für ihr lebhaftes Nachtleben berühmt ist.

Island kann aber auch internationale Stars vorweisen, allen voran die Sängerin Björk. Sie und einige andere Bands drücken der isländischen Musik einen Stempel auf und etablieren in der ganzen Welt das Label «Island».

Musik als Stütze in der Krise

2008 wurde Island ungemein hart von der Weltwirtschaftskrise getroffen, die Insel stand kurz vor dem Staatsbankrott. Doch die Musikindustrie war schon so etabliert, dass sie nie richtig in Gefahr war. Eher im Gegenteil: Sie wurde zu einer Stütze für den Staat.

Weil das Land in den Fokus der Welt geriet, wurde man auch auf die Musikszene aufmerksam. Und Island, das wegen seiner atemberaubenden Natur heute eine Million Besucher pro Jahr verzeichnet, hat einen geschickten Weg gefunden, sich musikalisch zu vermarkten.

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