Tiere mit Taktgefühl Ein tanzender Vogel beflügelt die Wissenschaft

Tanzende Tiere begeistern das Netz. Dank einem Kakadu sind Youtube-Videos mit Tieren jetzt für die Forschung relevant.

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Tanzende Tiere

1:22 min, vom 18.5.2017
  • Das YouTube-Video eines tanzenden Kakadus bestätigt die Theorie eines Neurowissenschaftlers über das Taktgefühl.
  • Die Vermutung: Taktgefühl ist ein Nebenprodukt der engen Kopplung von Zuhören und Wiedergeben im Gehirn.
  • Tiere, die nachahmen können, können auch Bewegungen zu Musik synchronisieren – also tanzen.

Ein Kakadu namens Snowball erschütterte die Annahme, dass nur Menschen ein Rhythmusgefühl haben. Snowball wurde in einem Vogelheim abgegeben, zusammen mit einer CD und dem Hinweis, der Vogel tanze gerne. Auf der CD seien seine Lieblingssongs.

Ein Kakadu reisst Schnabel und Augen auf. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Damit hat niemand gerechnet: Niedliche Tiervideos ermöglichen neue Erkenntnisse über das tierische Taktgefühl. Colourbox

Und tatsächlich: Snowball bewies grosse Tänzerqualitäten. Im Takt bewegte er seinen Kopf auf und ab. Dabei hob er abwechslungsweise seine Füsse. Offensichtlich tanzte er.

Erst Internetstar…

Begeistert stellten die Betreiber des Tierheims ein Video ins Netz und landeten damit einen YouTube-Hit. Millionenfach wurde das Video des tanzenden Kakadus angeklickt. Die Medien stürmten das Tierheim und Werbeagenturen wollten den Vogel als tierische Werbe-Ikone.

… dann Forschungsobjekt

Der Hype entging auch Aniruddh Patel nicht. Er forscht am Neurowissenschaftlichen Institut von San Diego. Das Tier wurde zum Präzedenzfall für die Musikforschung.

Snowball konnte nicht nur zu einem Musikstück tanzen. Er veränderte auch seine Bewegungen sofort, wenn man das Lied langsamer oder schneller abspielte. Patel sah damit seine Theorie bestätigt, dass das Taktgefühl ein Nebenprodukt der engen Kopplung von Zuhören und Wiedergeben im Gehirn ist.

Internet-Videos als Forschungsobjekte

In der Folge wurden die oft belächelten Tiervideos auf YouTube zu Forschungsobjekten. An der Harvard Universität durchforstete die Psychologin Adena Schachner das Portal auf der Suche nach tanzenden Tieren.

Schachner fand 15 Spezies, die Rhythmus im Blut haben: 14 Papageienarten – und einen Elefanten. Ihnen gemein ist eine im Tierreich seltene Gabe: Sie können Stimmen imitieren.

Der Elefant Koshik kann beispielsweise Worte nachahmen, die seine Pfleger benutzen. Die Laute erzeugt er, in dem er den Rüssel ins Maul steckt.

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Tanzen bis die Wände wackeln

Snowballs Michael-Jackson-Tribut.

Elefanten tanzen Gangnam Style.

Ronan, der tanzende Seelöwe.

Nachahmer tanzen im Takt

Die Internetfunde bestätigten Patels These: Nur Tiere, die Laute imitieren, können die eigenen Bewegungen einem Rhythmus anpassen. Dazu braucht es die enge Kopplung zwischen auditorischen und motorischen Hirnstrukturen. Nach Patels Theorie ist die Fähigkeit des Nachahmens also notwendig, um Bewegungen zu synchronisieren. Sprich: um zu tanzen.

Seelöwe verblüfft Forscher

Das jüngste tanzende Tier ist ein Seelöwe, der mit dem Kopf im Takt der Musik nickt. Damit verzückte er Millionen Internetnutzer und verblüffte die Forscher. Seelöwen galten bisher nicht als Geräuschimitatoren.

Trotzdem ist Patels Vermutung über den Zusammenhang von Zuhören und Wiedergeben die wahrscheinlichste. Von Robben und Walrossen ist bekannt, dass sie Paarungslieder haben, welche erlernt werden.

Sicher ist aber schon Mal: Tiere haben mehr Rhythmus im Blut, als wir dachten.

Sendung: SRF 1, Einstein, 18.5.2017, 22.25 Uhr.

Sendung zu diesem Artikel

  • SRF 1 18.05.2017 22:25

    Einstein
    Die Kraft der Musik

    18.05.2017 22:25

    Sie berührt uns emotional, kann uns zu Höchstleistungen antreiben oder die Vergangenheit wieder aufleben lassen. Musik dringt direkt in unser Gehirn und löst dort ein wahres Feuerwerk an Reaktionen aus.