Rekord bei den reichsten Schweizern: Noch nie hatten die 300 reichsten Schweizerinnen und Schweizer so viel Geld wie 2025: 850'000'000'000 Franken, also 850 Milliarden lagen bei ihnen auf dem Bankkonto. Das zeigt das Magazin «Bilanz» in seinem Vermögensranking. Die Reichen wurden also noch reicher. Sind Menschen wie Gigi Oehri und Roger Federer aber deswegen auch glücklicher? Nicht unbedingt. Was Geld zum Glücksempfinden beiträgt, hängt von verschiedenen Faktoren ab.
Reicheres Land = glücklichere Leute? So einfach ist es nicht, zeigen verschiedene Studien – zuletzt beispielsweise ein Bericht der London School of Economics. Zwar schneiden reichere Länder tendenziell besser ab im World Happiness Report. Doch wird ein reiches Land noch reicher, führt die Bevölkerung nicht automatisch ein unbeschwerteres Leben. Das sieht auch Volkswirtschaftsprofessor Reto Föllmi von der Universität St. Gallen so: «Zum Beispiel gabs in der Schweiz in den letzten Jahrzehnten stets Wirtschaftswachstum – und trotzdem sind wir nicht unglaublich viel glücklicher als unsere Eltern.» In ärmeren Ländern spiele Geld allerdings eine wichtigere Rolle, da Reichtum dort oft verbunden ist mit besserer Gesundheit.
Der Sprung von arm zu wohlhabend: Geld allein mache nicht glücklich – es sei immer eine Frage des Verhältnisses, erklärt Föllmi. «Wenn man sich zum Beispiel vorstellt, man verdient pro Monat statt 4000 nun neu 5000 Franken, hat das einen grösseren Effekt als der Sprung von 10'000 auf 11'000 Franken.» Am Anfang der Karriere – beziehungsweise wenn man noch wenig Geld hat – sind die Glücksschritte grösser als später. Und wenn man aus ärmeren Verhältnissen wirtschaftlich aufsteigen könne, habe das natürlich etwas Befriedigendes.
Vom Dach über dem Kopf bis zur neuesten Mode: In der Ökonomie spreche man vom Gesetz des abnehmenden Grenznutzens, erklärt Föllmi: «Die ersten Bedürfnisse, die man hat, die sind die wichtigsten.» Zuerst müsse man schauen, dass man ein Dach über dem Kopf habe, Essen und Kleidung. Erst dann mache man sich Gedanken darüber, ob man jedes Jahr die neuste Mode trägt. Auch das könne die Lebensqualität erhöhen, aber nur bis zu einem Punkt, an dem zusätzliche Anschaffungen kaum mehr einen Unterschied machen.
Mehr ist nicht mehr: Dieser Mechanismus zeigt sich auch empirisch: In amerikanischen Studien wurde gezeigt, dass ab einem Jahreseinkommen von 75'000 Dollar das Wohlbefinden nicht mehr gleich stark steige wie zuvor. Die Studie ist von 2010, heute wäre der Betrag wohl eher bei 90'000 Dollar, sagt Föllmi. Entscheidend sei folgender Punkt: Das zusätzliches Einkommen bringt zwar weiterhin Vorteile, diese tragen aber immer weniger zum empfundenen Alltagsglück bei. Wenn man bei dieser Studie genauer hinschaue , so Föllmi, falle auf, dass es auch andere Faktoren gibt, die einen glücklich oder unglücklich machen – zum Beispiel ob man gesund ist oder nicht.
Gesundheit vor Geld: Wenn man Geld hat, müsse man dieses auch einsetzen können – oder anders gesagt: Es bringt einem nichts, wenn man schwere gesundheitliche Beschwerden hat und reich ist, so Föllmi. Darum sei das Sprichwort schon richtig: Geld allein macht nicht glücklich. Aber gleichzeitig brauche man natürlich auch Geld, um allfällige Behandlungen zu bezahlen. «Geld gibt Sicherheit und Handlungsspielraum» – und das wiederum trage massgeblich zum Glück der Menschen bei.