Geiseldrama: Militäroperation in Algerien vorerst beendet

Die Lage auf dem Gasfeld in Algerien ist unübersichtlich. Unterschiedlichen Angaben zufolge sind bis zu 34 Geiseln getötet worden. Andere Quellen sprechen auch von 26 Verschleppten, die befreit wurden.

Bei einem Angriff der algerischen Luftwaffe auf islamistische Geiselnehmer hat es verschiedenen Medienberichten zufolge viele Tote gegeben.

Über die Zahl der Opfer gibt es widersprüchliche Berichte. Die Nachrichtenagentur Reuters erfuhr von einem lokalen Informanten, sechs ausländische Geiseln und acht Islamisten seien getötet worden. 180 algerische Geiseln sollen demnach entkommen sein.

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Ölkonzerne evakuieren Personal

Das von Terroristen besetzte Gasfeld im algerischen Aménas.

Das von Terroristen eroberte Gasfeld in Aménas. Keystone

Nach dem Geiseldrama in Algerien will der britische BP-Konzern einen Teil seines Personals aus dem Land abziehen. Es handle sich dabei um eine Vorsichtsmassnahme, erklärte BP. Auch Cepsa brachte einen Teil seiner Mitarbeitenden im Osten Algeriens in Sicherheit. Der spanische Konzern betonte, es handle sich um eine rein prophylaktische Massnahme.

Von 34 getöteten Geiseln und 15 getöteten Islamisten berichtete die mauretanische Nachrichtenagentur ANI, die enge Kontakte zu den Geiselnehmern hat. Später meldete die Agentur unter Berufung auf einen der Kidnapper, sieben ausländische Geiseln seien noch am Leben.

Beschuss mit Kampfhelikoptern

Die algerische Nachrichtenagentur APS meldete, vier Ausländer seien bei der Militäraktion befreit worden. In algerischen Sicherheitskreisen hiess es zuvor, 25 ausländische Geiseln seien den Islamisten entkommen.

ANI zufolge beschossen algerische Kampfhelikopter die Erdgasanlage, in der islamistische Kämpfer Dutzende algerische und ausländische Arbeiter als Geiseln festhalten.

Derweil ist der Militäreinsatz Algeriens zur Befreiung der Geiseln nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur des nordafrikanischen Landes beendet. Die Agentur berief sich in ihrem Bericht auf eine offizielle Quelle, ohne Details zu nennen.

Geiseln mit Sprengstoffgürteln

Bevor das Militär eingriff, hatten drei Geiseln einen Rückzug der Armee gefordert. Ein Brite, ein Ire und ein Japaner sprachen per Telefon mit dem Fernsehsender Al-Dschasira. Die rund um das Gasfeld stationierten algerischen Soldaten müssten abziehen und die Schüsse gegen die Anlage einstellen, um das Leben der Geiseln nicht zu gefährden und eine Verhandlungslösung zu ermöglichen, sagten sie.

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Einschätzungen von Jörg Brase, ZDF-Afrika-Korrespondent

2:03 min, aus 10vor10 vom 17.1.2013

Die Geiseln wiederholten damit eine Forderung von einem der Entführer, der sich mit dem Pseudonym Abu al-Baraa präsentierte und sich zuvor auf Al-Dschasira zu Wort gemeldet hatte. «Wir fordern den Rückzug der algerischen Armee, um Verhandlungen ermöglichen zu können», sagte Baraa dem Sender.

Einige der entführten Ausländer müssen einem Fernsehbericht zufolge Sprengstoffgürtel tragen. Die Entführer selbst seien schwer bewaffnet und drohten damit, die Einrichtungen an dem Gasfeld in die Luft zu sprengen, berichtet ein TV-Sender.

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Bildlegende: Das Gasfeld ist im äussersten Osten des Landes. sf

Die Islamisten hatten am Mittwoch eine Erdgasförderanlage in In Aménas im Osten des Landes überfallen. Die Geiselnehmer sprechen von 41 Ausländern, die sie festhalten. Darunter seien sieben US-Bürger, zwei Franzosen und zwei Briten. Nach algerischen Quellen sind es dagegen nur rund 20 Geiseln.

Die Regierungen in den USA, Frankreich, Norwegen, Rumänien, Grossbritannien, Irland, Malaysien und Japan bestätigten, dass sich Bürger ihrer Länder unter den Geiseln befinden. Bei dem Angriff waren ein Brite und ein Algerier getötet worden.

Anschlag als Rache für Mali

Zur Geiselnahme auf dem Gasfeld des britischen Konzerns BP und der norwegischen Statoil bekannte sich eine Al-Kaida nahestehende islamistische Gruppe, die sich «Maskierte Brigade» nennt. Die Rebellen fordern ein Ende des französischen Einsatzes in Mali.

Nach Angaben aus Sicherheitskreisen hat die algerische Regierung Gespräche mit den USA und Frankreich über einen möglichen internationalen Einsatz aufgenommen. Überdies stehe die Regierung mit Stammesältesten der Tuareg in Kontakt, sagte ein Gewährsmann.

«Der Einäugige» - ein eingefleischter Islamist

5:13 min, aus Echo der Zeit vom 17.01.2013

Die Tuareg sollen enge Verbindungen zu den Al-Kaida nahestehenden islamistischen Extremisten haben. Algerien erhofft sich von ihnen Hilfe bei den Verhandlungen mit den Geiselnehmern.

«Kaltblütiger Mord»

Der britische Aussenminister William Hague kritisierte die Terroraktion in Algerien als «kaltblütigen Mord». Die britische Regierung arbeite «rund um die Uhr» an einer Lösung und stehe in engem Kontakt mit den Angehörigen der Opfer. Ein Notfall-Team sei nach Algerien geschickt worden, ergänzte er während eines Besuchs in Australien.

7 Kommentare

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    • , Liestal

      Donnerstag, 17.01.2013, 21:09

      Sobald die Terroristen die Grenze nach Syrien überschreiten, werden aus ihnen Freiheitskämpfer.

      • , Bern

        Donnerstag, 17.01.2013, 22:30

        Oh wie wahr! Gestern wurden sie im Zuge des arabischen Frühlings durch den Westen unterstützt und heute marschieren sie als radikale Islamisten durch Länder und machen was sie wollen, weiter für den Islam Land und Leute einnehmen. .... bis sie ihr Ziel, Europa und der Westen zu beherrschen erreicht haben....

      • , Zollikon

        Donnerstag, 17.01.2013, 23:30

        Die Aussicht auf Kapitalakkumulation trieb schon manche Machthaber in die Irre und trieb sie zu Expansionsgelüsten... Da wir aber auf der Seite der Nato sind, müssen wir uns bezüglich der radikalen Islamisten keine Sorgen machen, wohl aber für die dort lebende Bevölkerung, welche wie immer am meisten unter geopolitischen Auseinandersetzungen leiden muss. Und schade für die ca. 1,5 Milliarden Muslime weltweit, im Namen ihres Glaubens wird wiedereinmal Politik mit anderen Mitteln betrieben.....

      • , Winterthur

        Freitag, 18.01.2013, 09:02

        Ach wie wunderbar einfach die politische Welt doch wird, wenn man sich das mühselige Differenzieren erspart... dass längst nicht alle Aufständischen im arabischen Raum Islamisten sind kann man ja auch einfach ignorieren, nicht wahr?

    • , Cross'n'Star

      Donnerstag, 17.01.2013, 20:18

      Bald wird Mali auch in Europa sein! Mir graut's!

      • , Kirchlindach

        Freitag, 18.01.2013, 11:25

        Herr Würz, ich glaube niemand hat etwas anderes behauptet, sondern nur, dass dein paar Kriminelle sich die Religion zu nutzen machen um sich zu bereichern...

      • , SG Rheintal

        Freitag, 18.01.2013, 11:54

        Blödsinn! In 3. Weltländer geschehen diese als "Dschihad" getarnten Versuche Aufmerksamkeit und Macht zu gewinnen. Durch geschickte Manipulation von ungebildeten Kinder/Erwachsene werden diese dazu "aufgefordert" sich anzuschliessen. Jetzt müssen Sie mir erklären, wie Sie darauf kommen, dass so etwas in Europa geschehen könnte.