Das Meer ertrinkt im Plastik

Tonnenweise dümpelt der Plastikmüll in den Ozeanen vor sich hin. Auf und unter der Meeresoberfläche – und er hält nahezu ewig. Ein Forscherteam aus den USA hat nun ermittelt, welche Länder hauptverantwortlich für diese Verschmutzung sind.

Riesige Mengen Plastikmüll gelangen Jahr für Jahr vom Land ins Meer: Im Jahr 2010 waren es zwischen 4,8 und 12,7 Millionen Tonnen. Zu diesem Resultat kommen Forscher nach einer Untersuchung der Abfallströme von Ländern, die am Meer liegen.

Küstenbewohner sind schuld

Um wie viel Plastik es dabei geht, versuchte nun das Forscherteam um Jenna Jambeck von der University of Georgia im US-amerikanischen Athens genauer zu beziffern. Sie ermittelten, wie viel Müll in Küstenländern produziert wird, wie hoch der Anteil an Plastikmüll ist und wie viel davon unsachgemäss oder gar nicht entsorgt wird. Heisst: Wie viel Plastikmüll in offenen Deponien gesammelt oder schlichtweg in die Umwelt geworfen wird. Anhand dieser Daten errechneten die Wissenschaftler, wie viel Plastikmüll von Land her in die Meere gelangt.

  • Untersuchte Länder produzierten im Jahr 2010 275 Millionen Tonnen Plastikmüll.
  • Fast 100 Millionen Tonnen davon entfielen auf den Bevölkerungsanteil, der maximal 50 Kilometer Entfernung von der Küste lebt.
  • Rund 32 Millionen Tonnen davon sind unsachgemäss entsorgt worden.
  • Davon landeten 4,8 bis 12,7 Millionen Tonnen im Meer.

«Unsere Schätzung von durchschnittlich acht Millionen Tonnen Plastikabfällen im Meer für das Jahr 2010 entspricht fünf Supermarkt-Tüten voller Plastik auf je 30 Zentimeter Küstenlinie weltweit», erläutert Jambeck. Der Eintrag steige jedes Jahr, so dass die Schätzungen für das Jahr 2015 bereits bei ungefähr 9,1 Millionen Tonnen Plastikabfall im Schnitt liegen.

Grösste Sünder liegen in Asien

Die 20 Länder mit der höchsten Verschmutzungsquote seien für 83 Prozent aller unsachgemäss behandelten Plastikabfälle im Jahr 2010 verantwortlich, berichten die Wissenschaftler weiter. Die Liste wird angeführt von China, Indonesien und den Philippinen, die USA belegten den 20. Platz. Fasst man alle Küstenländer der Europäischen Union zusammen, belegen diese den 18. Platz.

Zusatzinhalt überspringen

Ewiges Plastik

Plastik kann Jahrzehnte, teils Jahrhunderte in der Umwelt verbleiben. Im Laufe der Zeit werden grössere Plastikteile stark zerkleinert, sie sinken von der Oberfläche in die Tiefe der Meere ab. Nach Angaben des WWF finden sie sich in vielen marinen Organismen, in Muscheln, Fischen oder auch Fischlarven.

Ihre Schätzungen liegen deutlich über den bisher gemachten Angaben, etwa zu der Menge von Plastik in den Strömungswirbeln. «Die Arbeit gibt uns eine Idee davon, wie viel wir nicht sehen, wie viel wir noch in den Ozeanen aufspüren müssen, um auf die ermittelte Summe zu kommen», erläutert Studienleiterin Kara Lavender Law von der Sea Education Association. «Bisher erfassen wir hauptsächlich die Menge des umher treibenden Plastikmülls. Aber eine Menge Plastik findet sich auch auf dem Meeresboden und an den Stränden weltweit.»

Tatsächlich hatten Forscher um Lucy Woodall vom The National History Museum in London im vergangenen Jahr gezeigt, dass sich ein Grossteil des Plastikmülls in den Sedimenten ansammelt. Dies würde möglicherweise die Diskrepanz zwischen der vermutlich eingetragenen Menge an Plastik und den tatsächlich gefundenen Rückständen erklären.

Nach Ansicht der Wissenschaftler gibt es zwei Möglichkeiten, die Plastik-Verschmutzung der Meere aufzuhalten: Die Entsorgung verbessern und den Plastik-Verbrauch einschränken.

Die Tabelle zeigt, in welchen Ländern pro Person der meiste Plastikabfall unsachgemäss entsorgt wurde.

Wo die grössten Umweltsünder leben

Unsachgemäss entsorgter Plastikmüll in Kilogramm pro Person, Quelle: University of Georgia
Landkg/Person
1. Sri Lanka
109.2
2. Guyana
81.8
3. Südafrika
48.9
4. Ägypten
44.6
5. Syrien
43.5
6. Malaysia
40.9
7. Thailand39.4
8. Guatemala38.4
9. Namibia35.4
10. China33.6

Quelle: University of Georgia

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Kampf dem Plastikgüsel im Meer

    Aus Einstein vom 23.10.2014

    Jährlich verdrecken 150 Millionen Tonnen Plastik unsere Weltmeere. Ein 19-jähriger Holländer will mit riesigen, schwimmenden Barrieren die Ozeane nun kontinuierlich vom Plastikmüll befreien und dabei sollen ihm die Meeresströmungen helfen. Mit viel Kreativität setzt er in die Tat um, was bisher noch keinem gelang. Wir zeigen, wie der junge Hobbytaucher, Studienabbrecher und Unternehmer dieses ehrgeizige Grossprojekt mit unkonventionellen Mitteln vorantreibt.