Der Mars bekommt einen neuen Gast

Das Kräftemessen im Weltraum ist in Gange: Die ESA und ihr russischer Partner Roskosmos hoffen, dass ihre Sonde heute heil landet. Neben der wissenschaftlichen Bedeutung sei auch die politische Tragweite dieser Mission nicht zu unterschätzen, wie SRF-Wissenschaftsredaktorin Katharina Bochsler sagt.

Die europäisch-russische Marsmission: Im Vordergrund der Orbiter, der den Mars umkreisen wird. Unten in der Mitte die Sonde Schiparelli. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Im Vordergrund der Orbiter, der den Mars umkreisen wird. Unten in der Mitte die Sonde Schiparelli. Im HIntergrund der... Keystone

Existiert oder existierte Leben auf dem Mars? Das interessiert nicht nur die Nasa, die Weltraumorganisation der USA, sondern auch die ESA und die Roskosmos, die Weltraumorganisationen Europas und Russlands. Deshalb haben sie vor sieben Monaten eine Sonde auf den Weg geschickt. Im Gegensatz zur Nasa ist es weder den Russen noch den Europäern bis anhin gelungen, erfolgreich auf dem Mars zu landen. Dies ist nun ihr erster gemeinsamer Versuch, auf dem Nachbarplaneten der Erde zu landen.

Heute um circa 18 Uhr wird sich herausstellen, ob die Europäer und die Russen das technische Know-how für eine Marslandung nun ebenfalls haben. «Mit dieser Sonde wollen die Europäer und Russen zeigen, dass die Amerikaner nicht die einzigen sind, die etwas auf dem Mars heil absetzen können», sagt Katharina Bochsler, SRF-Wissenschaftsredaktorin. Für die ESA und für Roskosmos ist das gemeinsame Projekt trotz politischer Krisen und Konflikte ein Beispiel für eine gelungene Zusammenarbeit. Sie versprechen sich davon auch weitere Impulse für Gemeinschaftsprojekte.

Im Moment sei quasi ein Run auf den Mars in Gange. «Bei fast allen Raumfahrtnationen steht der Mars hoch im Kurs. Und selbst private Unternehmer wie der PayPal-Gründer Elon Musk haben den roten Planeten im Visier und denken bereits an bemannte Marsflüge», sagt Bochsler. Der Unternehmer Musk gehe noch einen Schritt weiter und überlege sich gar die Gründung von Kolonien auf dem Mars.

Methangas kann ein Zeichen von Leben sein

Das Testmodul Schiaparelli, das auf dem Mars aufsetzen wird, ist im März 2016 mit dem Forschungssatelliten TGO (Trace Gas Orbiter) vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan gestartet. TGO wird voraussichtlich 2017 seine Zielumlaufbahn auf rund 400 Kilometern Höhe über dem Marsboden erreichen. Die Sonde Schiaparelli hat sich bereits von ihm getrennt.

Die Hauptaufgabe von TGO ist, besser zu verstehen, wieso bei früheren Untersuchungen Spuren von Methangas in der Mars-Atmosphäre festgestellt wurden. Methan ist ein kurzlebiges Gas, deshalb gehen die Forscher davon aus, dass Spuren des Gases Hinweise auf eine aktive, derzeitige Quelle sind. Ob diese Quelle jedoch biologischer oder chemischer Art ist, ist nicht klar und soll erforscht werden.

Kosmische Generalprobe

Die Sonde Schiaparelli hat eine Einsatzzeit von wenigen Tagen, bevor ihr die Energiereserven ausgehen. «Bei Schiparelli handelt es sich um eine komische Generalprobe für künftige Marsmissionen, vor allem für die geplante Hauptmission ExoMars», sagt Bochsler. Die Erkenntnisse von ihrer Landung auf der Oberfläche sollen der ESA und Roskosmos helfen, die Hauptmission vorzubereiten. Sie heisst ExoMars.

ExoMars wird, sofern sie zu Stande kommt, mit einem zwei Meter langen Bohrer in die Tiefen des Marsgesteins eindringen, um nach Hinweisen auf organisches Leben zu suchen. Allerdings hat Exomars noch ein Finanzierungsproblem von 100 Millionen Euro.

«Die Hauptmission wurde bereits verschoben», sagt die Wissenschaftsredaktorin. Sie sei ursprünglich im Jahr 2018 geplant gewesen, wurde aber nun auf das Jahr 2020 terminiert. «Es gibt viele Stimmen, die bereits das völlige Ende der Exomars-Hauptmission befürchten. Aber entschieden ist noch nichts.» Entschieden wird dies im Dezember, wenn sich die Raumfahrtminister Europas treffen.