Unesco Welterbe Grünes Licht für Rettungsaktion im Hallwilersee

Die Kantonsarchäologie hat die Baubewilligung erhalten, um die bedrohten Pfahlbauten bei Beinwil am See zu schützen.

Pfähle unter Wasser. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Vom Ufer aus deuten nur Hinweistafeln auf die wichtigen Zeitzeugen hin. Tauchen dürfen hier nur Forscher. ZVG / Kanton Aargau, Péla Polyvàs

Die Pfahlbauten: 2011 wurden die prähistorischen Pfahlbauten um die Alpen als Unesco-Welterbe aufgenommen. Dazu gehört auch die Fundstelle am Hallwilersee bei Beinwil am See. Die Funde befinden sich komplett im Wasser, rund 60 Meter vom Ufer entfernt. Die jüngsten sind 3000 Jahre alt (Spätbronze), die ältesten sind 6000 Jahre alt (Frühbronze).

Das Problem: Grosse Teile der Siedlungsschichten liegen ungeschützt auf dem Seegrund. Sie sind Strömungen, Wellenschlag und dem Schiffsverkehr ausgesetzt und deshalb von der Zerstörung bedroht. Die Erosion hat denn auch innerhalb weniger Jahre bereits wesentliche Teile der Siedlungsreste zerstört.

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Bildlegende: Die prähistorischen Funde am Hallwilersee sind bedroht. ZVG / Kanton Aargau

Die Lösung: Die Kantonsarchäologie kann nun die Pfahlbauten schützen. Die Gemeinde Beinwil am See hat die Bewilligung hierzu erteilt. Dies schreibt der Gemeinderat im aktuellen Mitteilungsblatt. Geplant ist, die Pfahlbauten mit Vlies und Kies abzudecken. Damit soll das Weltkulturerbe für maximal 50 Jahre weitere geschützt werden.

Die Herausforderungen: Die Pfahlbauten befinden sich 60 Meter vom Seeufer entfernt. Entsprechend anspruchsvoll sind die Bauarbeiten. Taucher kommen zum Einsatz, das Kies kann nicht einfach mit Lastwagen ausgekippt werden und dann ist auch noch der Naturschutzzone Rechnung zu tragen. Dies hat Auswirkungen auf die Kosten.

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Der Kanton Aargau liess Taucher die Anlage in Beinwil filmen. Hier gehts zum Video.

Die Kosten: Die Massnahme kostet 645'000 Franken, der Bund übernimmt 114'000 Franken, der Kanton den Rest. Wie Kantonsarchäologe Georg Matter gegenüber SRF ausführt, sei der Kanton verpflichtet, die Pfahlbauten zu schützen. «Das steht im Gesetz. Ausserdem würden wir sonst nicht mehr Unesco-Welterbe sein.»

Deshalb wird nicht ausgegraben: Eine Ausgrabung würde laut Matter weit höhere Kosten verursachen als die geplanten Schutzmassnahmen. Ausserdem wäre dies für die Pfahlbauten selber die schlechtere Lösung. «Die Fundstellen müssen für künftige Generationen erhalten bleiben. Diese werden viel bessere Methoden haben, sie zu untersuchen, als wir.»

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Aufwändige Erforschung

4:03 min, aus Schweiz aktuell vom 4.3.2016