Hausärztemangel: Aargauer Gemeinden sollen mithelfen

In den nächsten Jahren wird sich der Hausärztemangel in der Schweiz deutlich verschärfen. Massnahmen haben bisher primär Bund und Kantone getroffen. Nun sollen im Aargau auch die Gemeinden aktiv werden. Ein Leitfaden soll sie dazu animieren. Was er bringt, erklärt der Kantonsarzt im Interview.

Arzt und Patientin. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Nicht überall gibt es genügend Hausärzte. Nun sollen die Gemeinden aktiv werden. Keystone

Kantonsarzt Martin Roth hat den Leitfaden zusammen mit dem Aargauischen Ärzteverband, der Argomed Ärzte AG und der Vereinigung Aargauischer Spitäler, Kliniken und Pflegeinstituten ausgearbeitet. Am 11. November wurde der Leitfaden an einer Informationsveranstaltung rund 80 interessierten Gemeindevertretern vorgestellt.

SRF: Martin Roth, was können die Gemeinden tun gegen den zunehmenden Hausärztemangel?

Martin Roth: Die Gemeinden können günstige Rahmenbedingungen schaffen für Hausärzte. Es ist wichtig, dass sie den Kontakt pflegen mit den vorhandenen Leistungserbringern im Gesundheitsbereich in ihrer Gemeinde, also beispielsweise Ärzten oder Spitex. Die Gemeinden können sich auch überlegen, ob sie Räumlichkeiten haben, die geeignet wären für Arztpraxen. Weiter ist ganz wichtig, dass es gute Möglichkeiten gibt, die Kinder fremdbetreuen zu lassen. So dass Ärztinnen und Ärzte Teilzeit arbeiten können.

In der Medienmitteilung schreiben Sie, dass der Leitfaden eine Orientierungshilfe darstelle für die Gemeinden. Inwiefern?

Er gibt eine Grundlage, um das Problem anzupacken. Jede Gemeinde ist anders, die Gemeinden müssen den Hausärztemangel deshalb individuell anpacken. Der Leitfaden zeigt einige Möglichkeiten auf. Er beinhalten beispielsweise eine Checkliste, die aufzeigt, wie die Gemeinden idealerweise an das Problem herangehen. Er beinhaltet aber auch eine Kontaktliste mit möglichen Partnern im Gesundheitsbereich.

Wie konkret ist der Leitfaden?

Er ist kein Kochbuch, welches exakt beschreibt, was zu tun ist. Der Leitfaden gibt Hinweise und Tipps, wie die Gemeinden an das Problem herangehen können, und wo sie Hilfe finden. Der Leitfaden ist bewusst knapp gehalten. Es ist klar, dass damit alleine der Hausärztemangel nicht behoben werden kann. Es braucht grosse Anstrengungen auf verschiedenen Ebenen.

Die Gemeinden sind gesetzlich nicht verpflichtet, die medizinische Grundversorgung zu fördern. Was haben die Gemeinden davon, wenn sie dennoch den Leitfaden einsetzen und sich engagieren?

Die medizinische Grundversorgung ist ein Standortvorteil wie beispielsweise ein tiefer Steuerfuss oder gute Schulmöglichkeiten. Der Kantonsärztliche Dienst hat zunehmend Anfragen aus der Bevölkerung, weshalb es in der Gemeinde X keinen Hausarzt habe, und in welchen Gemeinden denn genügend Hausärzte vorhanden seien. Von daher können die Gemeinden ein entsprechendes Angebot als Standortfaktor etablieren.

(Das Gespräch führte Wilma Hahn)