Aargauer Reformierte Kirche Kirchgemeinden müssen Finanzen in Ordnung bringen

Immer mehr reformierte Kirchgemeinden schreiben Defizite. Deshalb muss der Finanzausgleich zwischen den Kirchgemeinden neu geregelt werden. Einzelnen Gemeinden droht ein Sparprogramm.

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Bildlegende: Die Kirchgemeinde Baden hat kein Geld aus dem Finanzausgleich erhalten. Sie ist eine der grösseren im Kanton Aargau. Stefan Ulrich/SRF

So wie es einen Finanzausgleich zwischen den ärmeren und reicheren politischen Gemeinden gibt, gibt es auch einen Finanzausgleich zwischen den Kirchgemeinden. Dieser ist bei der Reformierten Landeskirche Aargau nun aber ziemlich in Schieflage geraten. Jetzt will der Kirchenrat Gegensteuer geben und schlägt eine Reform vor.

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Defizitäre Kirchgemeinden

Zwölf Aargauer Kirchgemeinden haben im Jahr 2016 einen Betrag aus dem Finanzausgleich bezogen:

Aarburg, Birrwil, Bözen, Densbüren, Gontenschwil, Murgenthal, Othmarsingen, Reitnau, Rued, Thalheim, Uerkheim und Zurzach.

Nötig ist diese, weil immer mehr Kirchgemeinden finanzielle Probleme haben. Wenn eine Kirchgemeinde ein Defizit schreibt, dann konnte sie bisher das Defizit aus dem Finanzausgleichsfonds decken. Waren es 2010 bloss fünf Kirchgemeinden, die davon profitierten, waren es 2016 bereits zwölf. Insgesamt schüttete der Finanzausgleichsfonds im letzten Jahr 800'000 Franken aus.

Das Problem: bisher fehlten Anreize, dass die Kirchgemeinden etwas zur Behebung des Defizits unternehmen. Im neu vorgeschlagenen Finanzausgleich würde das Defizit nicht mehr automatisch gedeckt, erklärt Christoph Weber-Berg, der Präsident des Kirchenrats der Reformierten Landeskirche Aargau.

Es könnte nötig werden, dass die defizitären Kirchgemeinden sparen müssten. «Möglich wären Sparmassnahmen, Kooperationen zwischen Kirchgemeinden oder gar Gemeindefusionen. Die Gemeinden sind aber autonom, wir schreiben ihnen hier nichts vor», betont Christoph Weber-Berg.

Hintergrund ist die immer schwieriger werdende finanzielle Lage in vielen Kirchgemeinden. Aus wirtschaftlichen Gründen fallen die Erträge aus den Unternehmenssteuern tiefer aus, dazu kommen Mitgliederschwund und demografische Probleme, zeigt Christoph Weber-Berg das Dilemma auf: «Wir profitieren kaum von der Zuwanderung, haben viele ältere Menschen und wenig Nachwuchs».

Auch Katholischer Finanzausgleich auf dem Prüfstand

Mit diesem Problem steht die Reformierte Landeskirche im Kanton Aargau nicht alleine da. Auch die Römisch-Katholische Landeskirche muss ihren Finanzausgleich bald überarbeiten.

Ob die Reformierte Kirche im Aargau einen neuen Finanzausgleich erhält, entscheidet sich am 7. Juni. Dann tritt das Kirchenparlament, die Synode, zusammen und entscheidet über diese Vorlage.