Fall Boi Mutter verurteilt wegen Fluchthilfe

Kris V. tötete eine junge Frau. Mit dieser Tat bringt er nicht nur sich selber in die Mühlen der Justiz, sondern auch seine Mutter. Diese hatte ihm zur Flucht aus der psychiatrischen Klinik Königsfelden verholfen. Nun wurde sie für ihre Mutterliebe verurteilt. Sie hat den Strafbefehl akzeptiert.

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Schweizer Jugendstrafrecht soll verschärft werden

4:01 min, aus 10vor10 vom 2.6.2016

Kris V. wurde 2009 verurteilt wegen Mordes. Er hatte im Tessin eine junge Frau umgebracht. Als «Fall Boi» ging diese Tat durch die Medien. Der Täter sass danach in verschiedenen Institutionen ein, zuletzt in der psychiatrischen Klinik Königsfelden.

Von dort entwich der Mörder Ende Mai 2016. Wenige Tage später wurde er in Süddeutschland verhaftet und kurz darauf an die Schweiz ausgeliefert. Die Ermittlungen zu den Hintergründen der Flucht zeigten, dass die Mutter von Kris V. bei der Flucht eine wichtige Rolle gespielt hatte. Das teilt die Oberstaatsanwaltschaft Aargau am Donnerstag mit.

Werzeuge und Transport

Die Mutter hatte einen Seitenschneider gekauft, ein Werkzeug, um Drahtgeflecht zu durchschneiden. Weiter besorgte sie ein Nylonseil. Diese Utensilien deponierte sie auf dem Gelände der Klinik. Von dort gelangten sie ins Zimmer von Kris V. Wie das geschah, darauf habe man noch keine Antwort gefunden, schreibt die Oberstaatsanwaltschaft.

Signal für Fluchtweg. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Mutter ebnete ihrem Sohn den Fluchtweg. Colourbox

Kris V. konnte mit dem Seitenschneider das Drahtgeflecht durchschneiden, das den Balkon seiner Wohnung hätte sichern sollen. Dann seilte er sich auf den Boden ab. Seine Mutter fuhr ihn anschliessend mit dem Auto an die Grenze zu Deutschland.

Die Behörden kamen der Mutter schon bald auf die Spur. Die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach hat die Frau verurteilt wegen Befreiung von Gefangenen. Das Strafmass: Eine Geldstrafe von 70 Tagessätzen und eine Busse von 60 Franken. Der Strafbefehl sei rechtskräftig, teilt die Oberstaatsanwaltschaft mit. Das heisst, die Mutter hat ihn und damit ihre Schuld akzeptiert.