Basler Lateinklassen wachsen wieder - dank Zuwanderung

Nach jahrelanger Schrumpfung wachsen an Basler Gymnasien die Lateinklassen wieder. Am Gymnasium am Münsterplatz sieht Rektor Eugen Krieger einen Grund dafür in der Zuwanderung. Für die Kinder von Zuwanderern aus der halben Welt, vor allem aus Deutschland, sei Latein ein attraktives Schwerpunktfach.

Gymnasium am Münsterplatz in Basel von oben betrachtet Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Zwei Latein-Klassen statt nur eine pro Stufe: Am Gymnasium am Münsterplatz wählen wieder mehr Maturanden Latein Juri Weiss

Basler Gymnasien würden derzeit einen kleinen Latein-Boom erleben, sagt der Rektor des traditionsreichen Gymnasiums am Münsterplatz, Eugen Krieger: «Bis vor sieben Jahren beobachteten wir im Fach Latein einen drastischen Rückgang an Schülerzahlen in ganz Basel, auch hier am Gym am Münsterplatz, wo wir gerade noch eine Klasse pro Stufe hatten.»

In der Zwischenzeit habe der Wind gedreht: «Die Zahlen haben markant zugenommen. Wir haben heute wieder zwei Latein-Klassen pro Stufe. Verantwortlich dafür sind vor allem Zuwanderer, die frisch nach Basel gezogen sind.»

Latein-Schüler aus Indien und Südafrika

Für Latein entschieden sich Kinder von Eltern aus der halben Welt - aktuell in der Klasse 1A des Gymnasiums am Münsterplatz etwa aus Südafrika, Indien oder Kroatien. Hauptsächlich aber seien es Kinder mit deutschen Wurzeln, die sich bewusst für Latein entschieden: Nach dem PISA-Schock von 2001 in Deutschland mit verheerenden Ergebnissen nicht zuletzt bei Lesen und Schreiben sähen deutsche Schülerinnen, Schüler und Eltern den Ausweg in einem Elitefach - Latein.

«In Bayern etwa wählen bis zu 50 Prozent der Gymnasiasten Latein», erklärt Gym-Rektor Eugen Krieger. «Sie hoffen, sich so in der eigenen Muttersprache zu verbessern. Denn heute weiss man auch in der Schweiz: Latein-Maturanden haben auch im Deutsch die besten Maturnoten.»

Das Wachstum spielt sich auf tiefem Niveau ab: Noch vor 15 Jahren - vor der Maturitäts-Reform - wählten gemäss Basler Bildungsbericht knapp 20 Prozent der Gymnasiastinnen und Gymnasiasten einen Schwerpunkt in alten Sprachen. Vor zwei Jahren waren es gerade noch rund 5 Prozent.