Brückenangebote sind in Basel beliebter, als erwünscht

Um Jugendliche ohne Anschluss nach der obligatorischen Schule nicht auf die Strasse zu stellen, gibt es Brückenangebote. Das 10. Schuljahr soll helfen, den Anschluss an die Berufswelt zu finden. Auf diesen Notnagel greifen nun aber nicht einige Wenige zurück, sondern ein Drittel der Jugendlichen.

Schüler von hinten, sitzt am Tisch, vor ihm liegt ein Ordner. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Büffeln im 10. Schuljahr, was in den 9 obligatorischen Schuljahren nicht genügend hängen blieb. Keystone

Wer nach den obligatorischen neun Schuljahren weder den Anschluss an eine weiterführende Schule schafft, noch eine Lehrstelle findet, geht in ein Brückenangebot, absolviert also ein zusätzliches Schuljahr. Im vergangenen Schuljahr 2015/2016 besuchten in Basel-Stadt 177 Jugendliche das Brückenangebot Basis und 142 das Basis plus. Damit sind fast ein Drittel der Jugendlichen nach der obligatorischen Schulzeit auf die Notlösung Brückenangebot ausgewichen - ähnlich viele wie in den Jahren zuvor. Sie waren nach der Schulzeit weder parat für eine weitergehende Schule, noch fit für die Anforderungen des Arbeitsmarkts, also für eine Lehre.

Damit wird, könnte man sagen, die Notlösung Brückenangebot zur Lösung für viele. Ein Umstand, den Reto Baumgartner vom Basler Gewerbeverband kritisiert. Es sei halt einfacher, sich für ein weiteres Schuljahr einzuschreiben, als sich bei Betrieben zu bewerben und auch mit Absagen umgehen zu müssen, sagt er. Das sei bei einigen Jugendlichen mit ein Grund, weshalb sie ein Brückenangebot wählen. Es gebe allerdings auch solche, für die ein Brückenjahr sehr gut sei, so Baumgartner.

Ueli Maier, Bereichsleiter Mittelschulen am Basler Erziehungsdepartement und zuständig für Brückenangebote, wehrt sich gegen den Vorwurf, das Schulsystem könnte versagt haben, wenn viele nach der Volksschule auf ein Zwischenjahr - eben ein Brückenangebot - ausweichen, anstatt eine höhere Schule zu besuchen oder eine Lehre zu beginnen. Es gebe in Basel eben auch viele «Spätmigrierte, die nur einen Teil ihrer Ausbildung in Basel machten», sagt er mit Blick auf die Migrantinnen und Migranten, die erst während ihrer Schulzeit nach Basel kamen und deshalb oft nur einen Teil ihrer Schulzeit im deutschsprachigem Raum verbrachten. Auch diese Jugendliche müssen den Schritt in die Berufswelt schaffen, nicht zuletzt auch im Interesse der ganzen Bevölkerung. Denn wer keine Ausbildung hat, wird später nicht selten abhängig von der Sozialhilfe.

Maier will sich deshalb nicht darauf festlegen, ob lediglich viele Jugendliche ein Brückenangebot besuchen, oder ob es gar zu viele sind. «Die Anforderungen der Lehrbetriebe haben zudem stark zugenommen», sagt Maier. Auch deshalb müsse man im Brückenjahr Lücken stopfen, oft sprachliche, vielmals auch schulstoffliche.

Gewerbeverband sieht Jugendliche und Lehrbetriebe in der Pflicht

Anderer Meinung ist der Gewerbeverband, der die hohe Anzahl Jugendlicher in den Brückenangeboten kritisch betrachtet. Dies ist allerdings nicht nur eine Kritik an den Jugendlichen und der Schule, sondern auch an den Lehrbetrieben selbst. «In den vergangenen Jahren verliessen sich viele Lehrbetriebe auf standartisierte Tests», sagt Baumgartner. «Dabei wäre es manchmal besser, sie würden die Jugendlichen zu einer Schnupperlehre einladen und den Mensch und seine Kompetenzen kennen lernen.»

Die standardisierten Tests, die Baumgartner anspricht, haben für Jugendliche aus der Stadt allerdings auch eine angenehme Komponente. Während Lehrmeister noch vor wenigen Jahren öffentlich sagten, sie würden Lehrlinge aus dem Landkanton bevorzugen, weils diese schulisch besser seien, ist dies nun deutlich seltener der Fall. Baugartner sagt jedenfalls, mit den standardisierten Tests würden die Lehrmeister die Resultate gewichten, nicht die Herkunft der Lehrstellenbewerberinnen und -bewerber.

(Regionaljournal Basel, 17.30 Uhr)