Weniger Steuerschuldner in Basel dank neuem Lohnabzug?

In rund 13'500 Haushalten wurden Personen in Basel letztes Jahr wegen Steuerschulden betrieben. Die hohe Steuerverschuldung will die Basler Schuldenberatungsstelle «Plusminus» bis 2020 massiv reduzieren - mit einem neuen Steuerverrechnungssystem: Steuern sollen direkt vom Lohn abgezogen werden.

Türschild in einem Betreibungsamt Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Alleine wegen Steuerschulden erhielten in Basel-Stadt im Jahr 2012 rund 13'500 Haushalte vom Betreibungsamt. Keystone

Die aktuellen Steuerschulden in Basel seien im schweizweiten Vergleich zu hoch, findet Agnes Würsch von «Plusminus». Wer diese Steuerschuldner sind, soll demnächst eine Analyse der steuerbedingten Betreibungen zeigen.

Sicher ist für Agnes Würsch aber jetzt schon: «Ein wichtiger Grund für die Verschuldung liegt im europaweit ungewöhnlichen schweizerischen Steuersystem. Wir kennen nur für manche Ausländer die Quellensteuer. Alle anderen füllen eine Steuererklärung aus und zahlen im Nachhinein.»

Steuerschulden in Basel «vorprogrammiert»

Steuerschulden seien in diesem System vorprogrammiert, vor allem in Basel-Stadt, dem bald einzigen Schweizer Kanton, der noch die Vergangenheitsbesteuerung kenne: «In Basel-Stadt versteuert man mit Fristverlängerung ganz regulär ein Einkommen, das zwei Jahre zurück liegt.»

Das sei heute ein Problem, weil Karrieren nicht mehr geradlinig verlaufen, sondern oft einer Berg- und Talfahrt gleichen: «Wer vor zwei Jahren ein gutes Einkommen hatte, ist heute vielleicht arbeitslos oder in einem Job mit tieferem Lohn beschäftigt. Das Geld zur Versteuerung des einst hohen Einkommens fehlt dann plötzlich.»

Quellensteuer statt Vergangenheitsbesteuerung?

Mit einer Änderung des Steuersystems liesse sich die hohe Verschuldung vieler Basler Steuerzahler und -zahlerinnen massiv verringern, sind die Fachleute von «Plusminus» überzeugt. «Wir könnten die heutigen Steuerschulden halbieren, wenn wir zum Beispiel – wie im europäischen Umfeld üblich – die Quellensteuer als Normalfall einführen würden», so Würsch.

Diese Umstellung brauche nicht radikal zu sein: Denkbar wäre zum Beispiel, dass man sich auf Antrag nach wie vor nach dem heutigen System besteuern lassen kann. Bei allen, die keinen solchen Antrag stellen, würde der Steuerbetrag hingegen direkt vom Lohn abgezogen.

Wie dieser Vorschlag in der Öffentlichkeit ankommt und auf welche andere Weise die hohen Steuerschulden in Basel gesenkt werden könnten, will die Fachstelle «Plusminus» nun in einem breiten Dialogprozess herausfinden. Das Ziel ist ehrgeizig: Bis ins Jahr 2020 sollen die Steuerschulden in Basel halbiert werden.