Regionalspitäler fürchten Zentralisierung der Medizin

Die Regionalspitäler in Zug, Schwyz und Uri befürchten, dass ihnen künftig immer mehr komplexe Operationen entzogen und an grosse Zentrumsspitäler wie Luzern oder Zürich vergeben werden. Ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts bestärkt diese Sorge.

Standardoperationen wie die Entfernung des Blinddarms werden in praktisch allen Spitälern durchgeführt. Schwierigere Eingriffe hingegen nur an ausgewählten Kliniken, in denen Infrastruktur und nötige Erfahrung vorhanden sind.

Welche Voraussetzungen für welche Operationen gelten, wird gesamtschweizerisch im Beschlussorgan der Interkantonalen Vereinbarung über die hochspezialiserte Medizin IVHSM entschieden.

Komplexe Bauchchirurgie soll zentralisiert werden

Dieses hat beschlossen, dass künftig komplexe Operationen im Bauchraum nur noch an ausgewählten Kliniken durchgeführt werden sollen. Die Regionalspitäler Uri, Schwyz und Zug wollen sich diese Eingriffe wie Operationen bei Darm-, oder Bauchspeicheldrüsenkrebs aber nicht nehmen lassen. Ihre Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht wurde jedoch kürzlich abgelehnt.

«  Nimmt man uns die interessanten, komplexen Eingriffe, besteht die Gefahr, dass künftig auch gut ausgebildetes Personal fehlen wird. »

Fortunant von Planta
Spitaldirektor Uri

Fortunant von Planta, Spitaldirektor in Uri, befürchtet Folgen: «Nimmt man uns diese interessanten, komplexen Eingriffe, besteht die Gefahr, dass uns künftig auch gut ausgebildetes Personal fehlen wird.»

Das Entscheidungsorgan der IVHSM wird durch die Gesundheitsdirektorenkonferenz GDK gewählt. Ihr Zentralsekretär, Michael Jordi, kann die Bedenken um das qualifizierte Personal nicht nachvollziehen. Zudem sei das Bündeln von Eingriffen sinnvoll: «Konzentration ist aus Patientensicht nützlich: Je häufiger an einem Ort operiert wird, desto besser ist das Resultat.»

«  Konzentration ist aus Patientensicht nützlich: Je häufiger an einem Ort operiert wird, desto besser ist das Resultat. »

Michael Jordi
Zentralsekretär GDK

Dies zweifeln die kleineren Spitäler an: In Regionalspitälern würden weniger Operateure arbeiten. Auf den einzelnen Arzt umgerechnet hätten diese also genügend Praxiserfahrung.

«  Wir möchten nicht, dass uns künftig 20-25 Prozent der heutigen Operationen fehlen. »

Matthias Winistörfer
Spitaldirektor Zug

Die Spitäler in Zug, Schwyz und Uri beobachten die Tendenz zur Zentralsierung der Medizin grundsätzlich mit Sorge. Matthias Winisdörfer, Leiter des Kantonsspitals Zug: «Wir möchten nicht, dass uns künftig 20 bis 25 Prozent der heutigen Operationen fehlen.»

Deswegen wollen die Regionalspitäler weiter für die komplexen Eingriffe der Bauchchirurgie kämpfen. Sollte das IVHSM in einem nächsten Schritt entscheiden, dass sie nicht zum Zug kommen sollten, wollen sie eine weitere Beschwerde prüfen.

Regionaljournal Zentralschweiz, 17.30 Uhr.