«Ich sehe Fortschritte»

Wie geht die Katholische Kirche mit Geschiedenen um, die wieder heiraten? In einem Schreiben hat Papst Franziskus zu dieser Frage Stellung genommen. Die Antworten findet Joseph Annen, Zürcher Generalvikar, ermutigend. Gegenüber Wiederverheirateten habe der Papst die Türe einen Spalt weit aufgemacht.

Kommunion in einer katholischen Kirche Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Wiederverheiratete sind von der Kommunion ausgeschlossen. In der Praxis ist die Haltung weniger hart. Keystone

Für die Katholische Kirche ist die Ehe nicht auflösbar. Wer als geschiedener Katholik wieder heiratet, bleibt deshalb von Sakramenten wie der Beichte oder der Kommunion ausgeschlossen. Um trotzdem an den Sakramenten teilnehmen zu können, standen Wiederverheirateten nach der Katholischen Lehre bisher nur zwei Möglichkeiten offen: Entweder sie lösten die zweite Beziehung wieder auf oder sie lebten eine sogenannte «Josefsehe» - verzichteten also auf Sex mit ihrem zweiten Partner.

Geistige Nahrung nicht nur für Menschen

Der Papst finde in seinem Schreiben, beides sei keine Lösung, sagt Generalvikar Annen gegenüber dem «Regionaljournal». Der Papst fordere nun eine Begutachtung des Einzelfalls. «Diese Möglichkeit hat schon bis jetzt bestanden», sagt Annen. Die katholischen Seelsorger hätten schon jetzt mit ihren Mitgliedern gesprochen und ihnen die Sakramente je nach Fall gespendet. Nun betrachte offiziell auch der Papst die Sakramente nicht als Belohnung für die Vollkommenen, sondern als «Nahrung für Menschen in schweren Lebenssituationen.» Insofern kläre dies zwar noch nicht die Fragen um die Wiederverheiratung an sich, sagt Annen. Immerhin signalisiere der Papst aber eine offenere Haltung.