Wie die Schweiz über die Abstimmungen diskutiert

Über drei Vorlagen wird heute abgestimmt. Während des Abstimmungskampfes dominierte eine Vorlage die öffentliche Debatte. Die Auswertung der Reaktionen in Social Media und in den Kommentarspalten zeigt ausserdem, dass vor allem eine Frau die Abstimmungen prägte.

Eine Vorlage dominiert die öffentliche Debatte vor allem zum Schluss des Abstimmungskampfes. Analysiert man die Anzahl der Reaktionen in Social Media, kommt man zum Schluss, dass vor allem die Abstimmung über eine Preiserhöhung der Autobahnvignette die Gemüter erhitzt hat. Dies zeigte sich bereits im Anschluss an die zweiten SRG-Umfrage Mitte November. Und die Aufmerksamkeit für das Thema nahm nicht etwa ab, sondern wurde mit einzelnen Artikeln – vor allem in Boulevardzeitungen – sogar noch erhöht.

Dies zeigt eine Auswertung der Onlineplattform Themenpuls, bei welcher die Reaktionen auf die Berichterstattung in den vergangenen zwei Wochen ausgewertet wurden.

Politikwissenschafter und Leiter des Forschungsinstituts gfs.bern, Claude Longchamp, sieht in der Reaktionszunahme bei der Abstimmung über die Autobahnvignette vor allem zwei Gründe: Einerseits habe der Abstimmungskampf bei dieser Vorlage ohne sicheren Ausgang bis zur letzten Minute gedauert.

«Normalerweise bricht das Medieninteresse bei klaren Verhältnissen ziemlich schnell ab», so Longchamp. Andererseits sei die Abstimmung über die Autobahnvignette in den klassischen Medien lange unbeachtet geblieben, was schliesslich zu kompensatorischem Verhalten geführt habe.

Polarisierende Zahlen

Dabei haben vor allem neue Zahlen von Bundesrätin Doris Leuthard wenige Tage vor dem Urnengang polarisiert. Die Verkehrsministerin rechnete vor, dass bei einem Nein zur Preiserhöhung der Autobahnvignette das Benzin bis zu 9 Rappen pro Liter teurer werden könnte. Viele Online-Kommentatoren fühlten sich übergangen und schrieben in der Folge denn auch von «Erpressung und Lüge».

Eine grosse Autobahnvignette klebt am Heck eines Lastwagens mit der Aufschrift «Liebe Doris nur für dich». Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Lastwagen-Vignette nur für Doris Leuthard: Im Abstimmungskampf sorgte die Bundesrätin für hitzige Diskussionen. Facebook/Autobahnvignette Fr. 40 sind genug

Es ist nicht das erste Mal, dass eine Aussage der Bundesrätin in diesem Abstimmungskampf für viel Furore in sozialen Medien sorgte. In der Abstimmungsarena zur Preiserhöhung der Autobahnvignette sagte die Bundesrätin, auch Lastwagen bräuchten eine Vignette. Doch diese müssen bereits seit 2001 die leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe (LSVA) zahlen.

Schnell reagierten Lastwagenchauffeure aus Luzern und bastelten Vignetten für ihre Fahrzeuge nach. Nur 30 Minuten nachdem die Scherz-Vignette auf Facebook gestellt wurde, seien bei den Bastlern bereits 250 Bestellungen eingegangen, wie sie «20 Minuten» erzählten.

Unterschiedliche Vorstellungen bei der Familienplanung

Im Gegensatz zur Debatte um die Preiserhöhung der Autobahnvignette sticht bei den übrigen Vorlagen kein klares Ereignis hervor. Anders allerdings, wenn man die Deutschschweiz mit der Romandie vergleicht. Hier fällt auf, dass die Reaktionen auf die Berichterstattung zur Familieninitiative in der Romandie tendenziell zunahmen, während sie in der Deutschschweiz eher abnahmen.

«In der Romandie wurde die öffentliche Debatte über die Begünstigung des Familienmodells, wie es die Initianten vorschlagen, viel hitziger geführt», erklärt Claude Longchamp. Dies habe sich auch auf die Reaktionen zur medialen Berichterstattung ausgewirkt.

Nicht anders sieht die Auswertung aus, wenn die Suchresultate bei Google analysiert werden. Auch hier – allerdings nur bei einer kleinen Stichprobe von Ergebnissen – schwimmt die Abstimmung über eine Preiserhöhung der Autobahnvignette oben auf.

Die Diskussionen sind noch längst nicht beendet. Über den Hashtag #abst13 auf Twitter und über die Facebook-Seite von SRF News können Sie sich am Wahltag und auch im Nachgang an der Debatte zu den Ergebnissen beteiligen. Ihre Meinung interessiert uns. Einen Teil Ihrer Reaktionen nehmen wir im «Abstimmungsstudio» auf SRF 1 ab 12.30 Uhr auf.