Alkoholkauf für Jugendliche wieder einfacher

Für Jugendliche ist es oft kein Problem, Alkohol zu beschaffen. Letztes Jahr wurden bei jedem dritten Testkauf Bier, Wein oder Spirituosen an Minderjährige verkauft. Das ist der höchste Wert seit 2008.

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Am Abend kommen Jugendliche einfacher am Alkohol

1:18 min, aus Tagesschau vom 10.7.2015
Hinweisschild an einem Regal mit Alkohol. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ein Hinweis ist gut und recht: Dennoch konnte 2014 jeder dritte Jugendliche problemlos Alkohol kaufen. Keystone

Bis 2013 war die Rate der erfolgreichen Testkäufe auf 25,8 Prozent gesunken, letztes Jahr waren es wieder 33,7 Prozent. Ein Grund dafür ist, dass viel mehr Testkäufe am Abend durchgeführt wurden: Später am Tag gelang es den Testkäufern doppelt so oft, Alkohol zu kaufen, wie es in einer Mitteilung der Eidgenössischen Alkoholverwaltung heisst.

Tagsüber wurden auch die Ausweise viel systematischer kontrolliert: Vier von fünf Jugendlichen mussten sich beim Kauf von Alkohol ausweisen, während es am Abend nicht einmal die Hälfte war. In fast 18 Prozent der Testkäufe wurde ihnen allerdings Alkohol verkauft, obwohl sie das Mindestalter von 16 Jahren für Wein und Bier oder von 18 Jahren für Spirituosen, Liköre oder Alcopops noch gar nicht erreicht hatten.

Einige Kantone unter 20-Prozent-Marke

Aber nicht überall ist es gleich einfach, Alkohol zu kaufen. In Tankstellenshops war nur jeder sechste Minderjährige erfolgreich, während es in Bars und Gertränkemärkten jeder zweite war. In Restaurants wurde immerhin noch 44 Prozent der Testkäufer Alkohol serviert. Generell ist es laut Alkoholverwaltung viel einfacher, an Orten Alkohol zu bekommen, wo er direkt konsumiert wird. Die Rate war 2014 gegenüber Take-Away-Betrieben mehr als doppelt so hoch.

Grosse Unterschiede gibt es auch unter den Kantonen. In einigen sei die Verkaufsrate unter 20 Prozent gesunken. In den Kantonen Waadt, Appenzell Ausserrhoden und in Nidwalden hingegen waren über 40 Prozent der Testkäufe erfolgreich. Einige Kantone, etwa Waadt, melden Testkäufe allerdings nicht an, was das Ergebnis beeinflussen kann.

Angesichts dieser Ergebnisse will die Alkoholverwaltung das Verkaufspersonal stärker sensibilisieren. Zudem soll das Alter der Käufer mit Hilfe von Altersrechnern rasch und effizient überprüft werden können. Insgesamt sind letztes Jahr über 5000 Testkäufe durchgeführt worden.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Kampagne gegen zu viel Alkohol

    Aus Tagesschau vom 23.4.2015

    Das Bundesamt für Gesundheit hat eine neue Alkoholpräventionskampagne lanciert. Die Kampagne soll zum Nachdenken anregen und die Frage nach dem gesunden Mass an Alkoholkonsum ins Zentrum rücken.

  • Minderjährige rauchen und trinken weniger

    Aus Tagesschau vom 23.3.2015

    Der Alkohol- und Tabakkonsum bei Jugendlichen ist so tief wie noch nie. Das zeigt eine Studie von Sucht Schweiz im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit. Gründe für den starken Rückgang seien etwa strengere Kontrollen, Rauchverbote und Präventionskampagnen.

  • Neue Wege gegen Alkohol und Abfall

    Aus Schweiz aktuell vom 25.8.2014

    Als einzige Stadt in der Schweiz hat Baselstadt eine Jugend- und Präventionspolizei. Sie sucht im Ausgang das Gespräch mit den Jugendlichen und will so Probleme mit Alkohol, Drogen und Lärm lösen, bevor sie eskalieren. Das Besondere an der Präventionspolizei: Es sind nicht nur Polizisten, sondern auch Sozialarbeiter und Psychologen mit dabei. Die Reportage und Oliver Bono im Gespräch mit Beat Burkhardt, Leiter Jugendanwaltschaft Basel.