Er hoffe sehr, dass es besser werde als letztes Jahr. Das sagt Matthias Zehnder, der Medienverantwortliche der evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt. Das Kirchenpersonal sei 2024 mit den vielen Besuchenden an seine Grenzen gekommen und die Kirche blieb darum an den Wochenenden im Advent geschlossen.
Basels Wahrzeichen ist selten so gut besucht, wie während des Weihnachtsmarkts – und der ist sehr beliebt. Auch dieses Jahr rechnet Basel Tourismus mit rund 1 Million Besucherinnen und Besuchern. An Spitzentagen wollen bis zu 1000 Menschen auch noch ins Münster. Diese seien im Vorjahr teilweise betrunken oder unanständig gewesen, erzählt Matthias Zehnder.
Jemand vom Personal musste notfallmässig verarztet werden.
Das Kirchenpersonal stehe dann mit einer Handvoll Mitarbeitenden plötzlich Hunderten Besuchern gegenüber. Die Leute davon abzuhalten, den Glühwein mit in die Kirche zu nehmen, sei so schwierig. Letztes Jahr sei sogar jemand von einem Besucher gebissen worden. «Die Person musste notfallmässig verarztet werden. Dieser Vorfall hat gezeigt, dass das Münster seine Angestellten schützen muss», sagt Zehnder.
Dieses Jahr kriegt das Münster Hilfe von Basel Tourismus. Zwei zusätzliche Angestellte stehen am Eingang, heissen die Gäste willkommen und kontrollieren, dass die Regeln eingehalten werden. Auch werden immer nur 150 Personen auf einmal in die Kirche gelassen. Damit habe man positive Erfahrungen gemacht, sagt Ann Müller, Geschäftsleiterin von Basel Tourismus.
Basel Tourismus habe die Zutrittsbegrenzung im Münster zum ersten Mal an Ostern getestet und danach an Auffahrt, Pfingsten und während des Eurovision Song Contests weitergeführt. Ihr Personal sei geschult und Ann Müller ist zuversichtlich, dass es auch im Advent das Kirchenpersonal erfolgreich entlasten kann. «Wir legen zusammen die Tage mit hohem Besucheraufkommen fest und planen diese dann auch zusammen mit dem Münster», erklärt Ann Müller.
Die zusätzlichen Aufpasser und Aufpasserinnen bezahlt Basel Tourismus normalerweise selber. Jetzt in der Vorweihnachtszeit übernimmt aber der Kanton die zusätzlichen Personalkosten.
Die Kirche hat immer weniger Mitglieder, aber immer mehr Menschen, die als Touristinnen und Touristen schöne alte Kirchen wie das Münster besuchen wollen. Das heisst: Immer weniger Kirchenmitglieder finanzieren das Personal, das in den Kirchen immer mehr Besuchende abwickeln soll. «Diese Schere geht auseinander und da wird man längerfristig ein Lösung finden müssen», sagt Matthias Zehnder.