Der Buchhandel hat die Abschaffung der Buchpreisbindung überlebt

Vor bald zehn Jahren wurde die Buchpreisbindung in der Deutschschweiz abgeschafft. Das bedeutet im Unterschied zu Deutschland, dass die Händler in der Schweiz selbst entscheiden, für wie viel sie ein Buch verkaufen. Das ist eine Herausforderung aus Sicht der Händler.

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Bildlegende: Blick in eine Buchhandlung. Die Preise sind seit zehn Jahren nicht mehr gegeben. Keystone/Archiv

Als 2007 die Buchpreisbindung in der Deutschschweiz abgeschafft wurde, waren die Ängste gross. Es gebe kein Überleben für kleine Buchläden oder Verlage mit anspruchsvollem Programm. Und es werde nur noch wenige Kassenschlager in den Regalen grosser Ladenketten geben, befürchtete man.

Tatsächlich habe die Buchbranche gelitten. «Das waren schwierige Jahre», sagt Dani Landolf, Geschäftsführer vom Schweizer Buchhändler- und Verlegerverband. «Es gab häufiger Geschäftsschliessungen als in früheren Jahren und wir hatten massive Umsatzeinbussen.» Dazu kam die zusätzliche Konkurrenz durch den wachsenden Online-Handel durch ausländische Konzerne wie Amazon.

Umsatzeinbussen von rund 20 Prozent

Das hat Spuren hinterlassen: Der Umsatz im Buchhandel schrumpfte um 20 Prozent seit 2007. Die Preise sanken ebenfalls um rund 20 Prozent. Im Schnitt kostet heute ein Buch weniger als 20 Franken, egal, ob als Taschenbuch, gebunden oder als E-Book.

Doch schuld an diesem Sinkflug ist nicht primär die fehlende Buchpreisbindung, sondern der schwache Euro. Denn die allermeisten Bücher in den hiesigen Läden sind importiert. Und vor der Finanzkrise von 2008 kostete der Euro noch über 1,50 Franken. Heute liegt der Wechselkurs unter 1,10 Franken.

Die Buchhändler kämpften damals noch an vorderster Front für die Buchpreisbindung. Doch mittlerweile hätten sie entdeckt, dass es auch Vorteile habe, die Preise selber bestimmen zu können, sagt Landolf. «Die aufgehobene Buchpreisbindung bietet auch die Möglichkeit, die Preise für den Handel zu erhöhen.»

Genau dies hätten verschiedene Buchhändler in der Schweiz getan – und dadurch die Umsatzeinbussen wenigstens teilweise abgefedert. Denn diese Händler setzen auf treue Kunden: Diese schauen offenbar nicht nur auf den Preis beim Bücherkauf, sondern auch auf gute Beratung.

«Eine zähe Branche»

Der Geschäftsführer des Buchhändler- und Verlegerverbands ist unter diesen Umständen selbst erstaunt, wie gut sich die Branche gehalten hat; trotz der enormen Schwierigkeiten. Zwar müssten jährlich 10 bis 15 Buchläden schliessen; der Druck auf das anspruchsvolle Buch bei den Verlagen sei gross.

«Aber», sagt Landolf: «Ich bin immer wieder erstaunt, wie viel die Kollegen trotzdem noch investieren und wie viele Bücher es immer noch gibt und wie viele Leute noch neue Verlage gründen.» Es sei eine zähe Branche, die sich nicht unterkriegen lasse.