Die GLP gründet als erste Partei eine eigene Denkfabrik

Wenig Zeit und wenig Lust auf gängige Partei-Strukturen hält oft selbst politinteressierte Junge davon ab, Politik zu machen. Die GLP versucht diesem Trend mit einem Think-Tank entgegenzuwirken. Hippe PR für eine Partei auf Profilsuche oder steckt wirklich etwas hinter diesem Polit-Labor?

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GLP gründet eigene Denkfabrik

2:04 min, aus Tagesschau am Mittag vom 21.8.2016
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Das «GLP-Lab»

Das «GLP-Lab»

Die Denkfabrik wird an der Delegiertenversammlung der Partei am 27. August in Biel offiziell vorgestellt. Ende Oktober wird der Think-Tank seine Arbeit aufnehmen. Das GLP-Lab hat ein Budget von 30'000 Franken und arbeitet vor allem durch ehrenamtlichen Einsatz von GLP-Mitgliedern. Ziel des Labors ist es, liberal progressive Ideen zu fördern.

Ein neuer Gesellschaftsvertrag, ein Generationenvertrag, Landwirtschaft, Weiterentwicklung des Milizsystems oder die Transparenz bei der Parteienfinanzierung – Kathrin Bertschy zählt eine Vielfalt an Themen auf, zu welchen die Jungen Grünliberalen künftig im parteieigenen Denklabor Lösungen finden möchten.

«Es gelingt in klassischen Strukturen häufig nicht, kreative Lösungsansätze einzubringen. Ich denke in einem Raum, wo man kreativ Politik erleben mitgestalten kann, ist das eher möglich», begründet die Vizepräsidentin den Mehrwert der GLP-Denkfabrik in Zürich.

In Deutschland und den USA «völlig normal»

Abgekupfert haben die Grünliberalen die Idee eines parteieigenen Think-Tanks in Wien: Dort betreibt die neue liberale Partei «Neos» bereits seit zwei Jahren ihr «Neo Lab».

Das Labor in Wien kann bereits eine erfolgreiche Lösung vorweisen: «Ein Wunsch der immer wieder kam, war die Einbindung von Lehrer- und Elternvertretern in der Bildungsreform. Diesen Antrag haben wir im Parlament im Bildungsausschuss eingebracht und dieser ist dann auch tatsächlich angenommen worden», erklärt Direktor Josef Lentsch.

Max Stern vom Schweizer Think-Tank für Aussenpolitik «foraus» hat die GLP beraten. Das «GLP-Lab» könnte eine Marktlücke sein, glaubt Stern.

In Deutschland hätten alle politischen Parteien solche Labors – in Form von parteinahen Stiftungen, die als interne Denkfabriken und Talentförderungen funktionieren. Aber auch in den USA und anderen europäischen Ländern seien parteiinterne Think-Tanks «völlig normal».