Rücktritt von Bischof Huonder Ein Amerikaner spielt die Schlüsselrolle bei Huonders Nachfolge

Im Bistum Chur beginnt die Suche nach einem Nachfolger für Bischof Huonder. Wer jetzt mitredet, entscheidet – und hofft.

Darum geht es es: Der Churer Bischof Vitus Huonder hat pünktlich zum 75. Geburtstag Papst Franziskus seinen Amtsverzicht angeboten – ein Schritt, den das römisch-katholische Kirchenrecht so vorsieht. Wer sein Nachfolger wird, ist derzeit unklar. Kritiker des konservativen Bischofs hoffen auf einen Neuanfang im Bistum Chur.

Der Churer Bischof Vitus Huonder bei einem Gebet vor der Kathedrale auf dem Hof in Chur. (Archiv) Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Wer folgt ihm nach? Der Churer Bischof Vitus Huonder bei einem Gebet vor der Kathedrale auf dem Hof in Chur. (Archiv) Keystone

Wer bestimmt über die Nachfolge von Huonder? Eine Schlüsselrolle kommt dem Nuntius Thomas Gullickson zu. Der US-Amerikaner ist eine Art Botschafter des Vatikans in der Schweiz. Gullickson stellt für die Wahl zunächst eine Liste von Kandidaten zusammen. «Er ist frei darin, wie er diese Auswahl trifft», sagt Antonia Moser, Religionsredaktorin bei Radio SRF. Gullickson könnte dafür theoretisch auch römisch-katholische Laien konsultieren. Es ist aber unklar, inwieweit das seine Auswahl beeinflussen würde. «Gullickson ist als konservativer Kirchenvertreter bekannt», sagt Antonia Moser. «Er hat jedoch versprochen, dass auf seiner Liste wählbare Kandidaten stehen werden – also beispielsweise nicht solche, die in der Schweiz völlig unbekannt sind.» Gullicksons Liste mit den Kandidatennamen wird sodann der Bischofskongregation im Vatikan vorgelegt – aber auch hier fällt noch kein abschliessender Entscheid. «Die endgültige Wahl trifft das Domkapitel – ein Gremium des Klerus‘ im Bistum Chur», erklärt Moser. «Bei der engeren Wahl ist Gullickson nicht mehr vertreten, aber die erste Auswahl – die trifft er.»

Welche Rolle spielt der Papst? Papst Franziskus sei über die Situation im Bistum Chur informiert, sagt die Religionsexpertin. Aber: «Er bestimmt in dieser Frage nicht, er bestätigt die Wahl am Schluss lediglich.» Entscheidungen fallen durch die Vorauswahl des Nuntius' und später durch die Voten der Bischofskongregation und des Domkapitels. «Trotzdem hoffen natürlich gerade die liberaleren Katholiken, dass sich die Linie von Papst Franziskus auch bei der Bischofswahl durchsetzt. Ob sich Bischofskongregation und Domkapitel aber davon beeinflussen lassen, kann ich nicht sagen», so Antonia Moser.

«  Vitus Huonder vertritt die kirchliche Lehre sehr stur und exklusiv.  »

Antonia Moser
Religionsredaktorin Radio SRF

Warum ist der scheidende Bischof Huonder so eine Reizfigur? Huonder polarisiert seit seinem Amtsantritt 2007. Dabei vertritt er eigentlich die herrschende Kirchenmeinung. «Es geht hier wohl um die Art und Weise, wie er die kirchliche Lehre vertritt», erklärt Antonia Moser. «Vitus Huonder vertritt die kirchliche Lehre sehr stur und exklusiv und er verhängt Sanktionen, wenn jemand dagegen verstösst.» Wo andere Bischöfe den Dialog suchten, um Konflikte im kleinen Kreis zu lösen, suche Huonder den Konflikt.

Wie stehen die Chancen für einen gemässigteren Nachfolger? Schwer zu sagen. «Sogenannte liberale Katholiken haben kein Mitspracherecht. Sie können sich aber beim Nuntius stark machen für einen gemässigten Kandidaten – und sie hoffen auf Kardinal Kurt Koch, der im Vatikan als Mitglied der Bischofskongregation ebenfalls mitreden kann.» Es komme darauf an, wer sich am Ende durchsetze, sagt Antonia Moser.

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Rücktritt einer Reizfigur

Rücktritt einer Reizfigur

Der Churer Bischof Vitus Huonder hat pünktlich zum 75. Geburtstag Papst Franziskus seinen Amtsverzicht angeboten. Wer sein Nachfolger wird, ist unklar. Kritiker des konservativen Bischofs hoffen auf einen Neuanfang im Bistum Chur. Mehr.

Warum ist Chur so ein «Problem»-Bistum? Bischofswahlen im Bistum Chur schlagen seit Jahrzehnten grosse Wellen. Und tatsächlich gab es hier immer wieder Bischöfe, die die römisch-katholische Linie sehr strikt ausgelegt haben. «Das begann schon mit Johannes Vorderach, der von 1962 bis 1990 Bischof in Chur war und zum Ende seiner Amtszeit immer restriktiver wurde», erklärt Moser. Ihm folgte mit Wolfgang Haas ein Bischof, der für ein sehr konservatives Verständnis der Glaubenslehre stand und die innerkirchlichen Proteste immer neu befeuerte. «Unter Haas kam es zur Eskalation», so Moser. Sein Nachfolger Amédée Grab vermochte die Wogen hingegen für einige Zeit zu glätten. «Von ihm hörte man viel weniger», so Moser. «Allerdings unterliess er es, sich für einen Kandidaten auf seiner gemässigteren Linie stark zu machen.» Und so folgte ihm 2007 Vitus Huonder ins Amt. «Dass im Bistum Chur also immer polarisierende Bischöfe an der Macht waren, stimmt so also nicht», sagt Antonia Moser. «Das zeigt: Es ginge auch anders.»