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Fremdsprachenunterricht Im bilinguen Kanton Bern ist Frühfranzösisch ein zu heisses Eisen

Der Versuch, Frühfranzösisch im Kanton Bern später einzuführen, scheitert schon vor der Diskussion. Die Gründe.

Frühfranzösisch abschaffen? Im zweisprachigen Kanton Bern scheint diese Frage ein besonders heisses Eisen zu sein, das niemand anfassen will. Zuletzt versucht haben es die Grünliberalen. Mit einem Vorstoss im Berner Kantonsparlament wollten sie das Frühfranzösisch verschieben – von der dritten in die fünfte Klasse.

Wir merkten, dass die Unzufriedenheit in Bezug auf das Frühfranzösisch verbreitet ist.
Autor: Michael Ritter Grossrat, GLP

«Wir wollten eine bildungspolitische Diskussion führen, weil wir merkten, dass die Unzufriedenheit in Bezug auf das Frühfranzösisch verbreitet ist», sagt der GLP-Grossrat Michael Ritter. Aber seine Partei machte einen Rückzieher, noch bevor der Vorstoss im Kantonsparlament diskutiert wurde.

Blumenstrauss und Bastelmaterial auf einem Tisch.
Legende: Was bringt Frühfranzösisch ab der dritten Klasse? Darüber wollte die GLP im Berner Kantonsparlament diskutieren. KEYSTONE/Til Buergy

«Im Vorfeld haben wir heftigen Widerstand erlebt», sagt Ritter. Einerseits von der welschen Minderheit, was er gut nachvollziehen könne. Andererseits habe er gemerkt, dass sich die Diskussion wandelt: weg von der bildungspolitischen Diskussion, hin zu einer Debatte, bei der es um den Status von frankophonen Minderheiten geht.

Es ist die Aufgabe des zweisprachigen Kantons Bern, dass er zu seinen Minderheiten Sorge trägt und eine Brücke zur Romandie schlägt.
Autor: Moussia von Wattenwyl Grossrätin. Grüne, Mitglied der Deputation

«Diese Forderung war ein schlechtes Zeichen, gerade auch zum aktuellen Zeitpunkt, da der Wechsel von Moutier zum Kanton Jura noch frisch ist», sagt die Grünen-Grossrätin Moussia von Wattenwyl. Sie ist Mitglied der sogenannten Deputation, die im Berner Kantonsparlament die Anliegen der bernjurassischen Bevölkerung vertritt.

«Es ist die Aufgabe des zweisprachigen Kantons Bern, dass er zu seinen Minderheiten Sorge trägt und eine Brücke zur Romandie schlägt», sagt von Wattenwyl. Deshalb sei sie erleichtert, dass der Vorstoss zurückgezogen wurde.

In anderen Kantonen – insbesondere jenen gegen Osten – wurde die Abschaffung von Frühfranzösisch in letzter Zeit beschlossen. Im zweisprachigen Kanton Bern hingegen wird politisch gar nicht darüber diskutiert.

Dass man sich im Kanton Bern offenbar gar nicht traut, über die Abschaffung von Frühfranzösisch zu debattieren, erstaunt Sandra Grizelj nicht. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften schreibt ihre Doktorarbeit zur Einführung von Frühfranzösisch und sagt: «Die Zweisprachigkeit gehört zur DNA des Kantons Bern, das wird auch nicht hinterfragt.»

Im Tessin ein «notwendiges Übel»

Die ganze Diskussion rund um die Notwendigkeit von Frühfranzösisch sei generell von der Deutschschweiz dominiert: Der Kanton Tessin beispielsweise kenne den Unterricht von einer Fremdsprache in der Primarschule schon länger. «Dort war es ein notwendiges Übel, dass man als Minderheitskanton die Sprache der Mehrheitsbevölkerung lernt», so Grizelj.

Das Hinterfragen von Frühfranzösisch in Deutschschweizer Kantonen komme wahrscheinlich aus der Warte der Mehrheit heraus, sagt Sandra Grizelj. Und sie glaubt, dass die politischen Diskussionen diesbezüglich weitergeführt werden. «Es ist ein praktisches und emotionales Thema, beispielsweise um die teilweise Überforderung von Schülerinnen und Schülern anzusprechen und zu diskutieren.»

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 9.6.2026, 17:30 Uhr ; 

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