Ein Rapper reimt mit Zuger und Waadtländer Primarschülerinnen und -schülern einen zweisprachigen Song. Sekundarschülerinnen und -schüler aus Genf kochen mit einer Klasse im Kanton Uri Älplermagronen. Solche Austausche über die Sprachgrenzen hinweg gibt es in der Schweiz oft, ganz besonders viele in dieser Novemberwoche, der nationalen Austauschwoche.
Es geht nicht darum, dass die Kinder nach einem Tag besser Französisch sprechen. Sie sollen verstehen, warum sie die Sprache lernen.
«Das Hauptziel bei solchen Austauschen ist, dass die Kinder verstehen, wieso sie Deutsch oder Französisch lernen», sagt Sylvia Nadig, die Austauschverantwortliche des Kantons Zug. «Es geht nicht darum, dass die Kinder nach einem Tag besser Französisch sprechen. Sie sollen verstehen, warum sie die Sprache lernen.»
Austausch gegen das Französischtrauma
Fabienne Mottet organisiert Schüleraustausche für den Kanton Waadt: «Man muss früh mit solchen Austauschen beginnen, schon in der Primarschule. Sonst gibt es keine Saat, die später aufgehen kann.» In der Deutschschweiz gehe es zusätzlich darum, Vorurteile gegen das Französische abzubauen, sagt ihre Zuger Kollegin Nadig: «Viele Eltern haben ein Französischtrauma – und geben es an ihre Kinder weiter.»
Mehr Austausche und weniger Frühfranzösisch?
Wie unbeliebt die Sprache in Teilen der Deutschschweiz ist, zeigt die Diskussion um das Frühfranzösisch. Mehrere Kantone wollen die zweite Landessprache erst in der Oberstufe einführen, obwohl sich die kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren auf einen früheren Beginn geeinigt haben.
Ein zentrales Argument derer, die gegen das Frühfranzösisch sind: Die Kenntnisse der zweiten Landessprache am Ende der obligatorischen Schulzeit sind – das bestätigen Studien – unzureichend. Ob die Kinder Frühfranzösisch hatten oder nicht, spielt dabei keine grosse Rolle.
Neu wird nun überlegt, ob man Frühfranzösisch- und Frühdeutschlektionen streichen und stattdessen mehr Austausche organisieren sollte. «Man könnte sicher mehr Austausche machen und so vielleicht Lektionen sparen», sagt Nadig. Aber es sei fraglich, wie praktikabel das sei. Nur schon deshalb, weil es mehr deutsch- als französischsprachige Schulkinder gebe.
Der frühe Unterricht in einer zweiten Landessprache und die Sprachaustausche gehen Hand in Hand.
Mottet, die Austauschverantwortliche aus der Waadt, ist dieser Idee gegenüber grundsätzlich skeptisch: «Der frühe Unterricht in einer zweiten Landessprache und die Sprachaustausche gehen Hand in Hand.»
Sprachaustausche nicht bedroht
Sorgen, dass die Sprachaustausche künftig reduziert werden könnten, hat weder die Austauschverantwortliche der Waadt noch ihre Kollegin aus Zug. Beide verweisen auf die Erziehungsdirektorenkonferenz, die den Sprachaustausch als ein Mittel gegen das ungenügende Fremdsprachenniveau der Schweizer Schulabgängerinnen und -abgänger sieht.
Die Waadtländer Lehrerin Maryse Frey hat für ihre Sekundarklassen aus Echallens in der Waadt immer wieder Sprachaustausche organisiert. Sie ist von ihrem Nutzen überzeugt, sagt aber auch: «Die Planung ist aufwändig.» Damit Lehrpersonen weniger Hürden nehmen müssen, entwickeln Nadig und Mottet unter anderem konkrete Anleitungen, wie man so einen Austausch am besten organisiert.
Ihr Ziel sind mehr Rückmeldungen wie die eines Zuger Schülers, der über die Westschweizerinnen und Westschweizer sagte: «Sie beissen nicht.»