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Gesuche aus Maghreb-Staaten Bund mit härterem Asylkurs: bislang kein Erfolg bei Algerien

Algerien ist eines der wichtigsten Herkunftsländer für Asylsuchende. Doch kaum ein Gesuch wird positiv beantwortet.

Algerien zu verstehen, ist nicht ganz einfach. Anders als etwa Tunesien oder Marokko ist das Land stark abgeschottet und nur relativ schwer zugänglich, auch für Journalisten und Wissenschaftlerinnen.

Isabelle Wehrenfels von der deutschen Stiftung Wissenschaft und Politik setzt sich intensiv mit Algerien auseinander. Sie war zuletzt vor anderthalb Jahren selbst vor Ort.

Die Zuversicht nach den Massenprotesten 2019 gegen den Langzeit-Machthaber Bouteflika sei verflogen. Damals habe die Gesellschaft vom Aufbruch im eigenen Land geträumt. «Sehr symbolisch dafür ist mit Blick auf Migration, dass einmal ein Boot durch eine Demonstration getragen wurde. Es hiess: Das ist das letzte Boot nach Europa. Das zeigt sehr schön die Korrelation zwischen Repression und Migrationswunsch und vielleicht sogar auch die Kausalität zwischen den beiden.»

Algerien ist nicht gleich Marokko oder Tunesien

In der Migrationsdiskussion wird Algerien bis heute oft in einem Atemzug mit Tunesien und Marokko genannt. Auch bei diesen beiden Ländern ist die Anerkennungsquote tief. Aber die Situation in Algerien unterscheide sich von den anderen Maghreb-Staaten, sagt Wehrenfels. «Das Land ist weniger auf Rücküberweisung angewiesen und es gibt eine Arbeitslosenhilfe für 19-40-Jährige seit 2022, das gibt es in Marokko und Tunesien nicht.»

Der Migrationswunsch in Algerien ist entsprechend weniger getrieben von persönlichen Gewalt- und Verfolgungserfahrungen. Und auch weniger von fehlenden wirtschaftlichen Perspektiven. Er lässt sich oft vielmehr auf nicht erlebte «bürgerliche Freiheiten» zurückführen.

Gesuche aus Algerien bleiben auf hohem Niveau stabil

Und: «Wenn es um Anstellung und Beförderung geht, ist es oftmals immer noch so, dass Beziehungen und Vetternwirtschaft mehr honoriert werden als Leistungen», sagt Wehrenfels. Das schlägt sich auch in den europäischen Migrationsstatistiken nieder.

Die Zusammenarbeit mit Algerien ist derweil anspruchsvoll. Mit Tunesien hat die Schweiz eine Migrationspartnerschaft. Mit Marokko hat sie am Freitag eine neue Vereinbarung erzielt, die Rückübernahmen beschleunigen soll.

Im letzten Jahr konnte die Rückkehr von über 500 Personen durchgeführt werden, knapp 200 davon mussten zwangsweise zurückgeführt werden
Autor: Magdalena Rast Staatssekretariat für Migration SEM

Und während die Asylgesuche aus Tunesien und Marokko rückläufig sind, bleiben jene aus Algerien auf hohem Niveau stabil. Im laufenden Jahr ist Algerien das dritthäufigste Herkunftsland.

Die Schweiz hat die Zügel für Asylsuchende aus dem Maghreb angezogen. Sogenannte 24-Stunden-Verfahren sollten dazu führen, dass niemand lange auf den negativen Entscheid warten kann. Das funktioniere, heisst es beim Staatssekretariat für Migration SEM.

Überfülltes Boot auf offenem Meer.
Legende: Kein Flüchtlingsboot soll mehr nach Europa gehen, hiess es bei Massenprotesten in Algerien 2019. IMAGO / Rene Traut

Was aber passiert mit den vielen abgelehnten Asylsuchenden? Die Frage sei schwierig, sagt Magdalena Rast. «Sie müssen zurück nach Algerien.» Das könnten die Personen freiwillig tun. «Wenn sie das nicht tun, gibt es die Möglichkeit einer zwangsweisen Rückführung.» Die Zusammenarbeit mit Algerien im Rückführungungsbereich könne als sehr gut bezeichnet werden. «Im letzten Jahr konnte die Rückkehr von über 500 Personen durchgeführt werden, knapp 200 davon mussten zwangsweise zurückgeführt werden», sagt Rast.

Was das SEM nicht offen kommuniziert: Algerien akzeptiert fast ausschliesslich Rückführungen in Linienflügen. Wehren sich die Betroffenen, ist das nicht möglich. 2023 hat die Schweiz zwar erste Sonderflüge nach Algerien durchgeführt. Wie viele Sonderflüge seither nach Algerien durchgeführt wurden, beantwortet das SEM aber nicht.

Echo der Zeit, 23.05.2026, 18:30 Uhr

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