Der Bass wummert zünftig, als das Ostschweizer Hip-Hop-Duo Bloodmoonclique auf der Bühne performt. Es ist Finale des Wettbewerbs BandXOst, bei dem die besten Nachwuchsbands der Region auserkoren werden.
Dieses Jahr mit einer europaweiten Premiere.
Eine spezielle Vibrationsbühne macht die Musik auch für Menschen mit Hörbeeinträchtigung erlebbar. Die leicht erhöhte Spezialbühne steht am Rande des Konzertraums. Parallel dazu werden die Lieder von zwei Dolmetscherinnen in Gebärdensprache übersetzt.
Eine kleine Gruppe gehörloser Personen lässt sich das spezielle Konzerterlebnis nicht entgehen. Sie stehen auf der Vibrationsbühne und wippen im Takt der Musik mit.
Teilnehmende sind begeistert
Eine von ihnen ist Nadine Imhof. Ihr macht das Konzert sichtlich Spass. Bei basslastigem Rap spüre sie sehr viel im Körper. «Bei ruhigeren Stücken achte ich mehr auf die Gebärdendolmetscherin», beschreibt Nadine Imhof ihr Konzerterlebnis.
Sie steht bereits das zweite Mal auf der Vibrationsbühne. Ihre erste Erfahrung damit hat sie vergangenen Frühling am Eurovision Song Contest ESC in Basel gemacht.
Damals kam die Bühne in einer ESC-Disco erstmalig zum Einsatz. Die Musik kam aus der Konserve. Nun wurde sie in St. Gallen erstmals unter Livebedingungen getestet. Ihr Entwickler Roman Wegner sagt deshalb: «Hier ist die Vibrationsbühne genau am richtigen Ort.»
Auch Marinus Spinnler, Präsident des Schweizerischen Gehörlosenbundes, ist begeistert. «Es ist eindrücklich. Man merkt einen grossen Unterschied. Bei einer normalen Party spürt man einfach die Bässe aus den Boxen, hier sind es sehr viele Nuancen.»
Auch die gehörlose Veronika Schneider ist an jenem Abend in St. Gallen mit von der Partie: «Hier bin ich gleichgestellt. Ich kann tanzen und mitmachen wie die anderen Konzertbesucherinnen und -besucher auch.»
Nachfolgeprojekte erwünscht
Hinter der inklusiven Veranstaltung steht der Verein BandXOst. Dessen Präsidentin Céline Fuchs ist mit dem Abend sehr zufrieden. Auch wenn es ein finanzieller Lupf gewesen sei.
Das diesjährige Bandfinale habe einige Tausend Franken mehr gekostet als sonst. «Ein Aufwand, der sich gelohnt hat», so Fuchs. Und es soll keine einmalige Sache bleiben.
«Ich hoffe, dass das Beispiel aus der Ostschweiz Schule macht», sagt auch Erfinder Roland Wegner. Er habe bereits weitere Anfragen erhalten.