Mehr Malariafälle in der Schweiz

Die registrierten Malariafälle in der Schweiz haben deutlich zugenommen. Neben Touristen, die sich in tropischen Ländern anstecken, gehören insbesondere Migranten zu den Risikogruppen. Aufklärung und Prophylaxe müssten verstärkt werden, meinen Experten.

Anopheles-Müche sticht in die Haut Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Fälle von Malaria, die von der Anopheles-Mücke übertragen wird, haben hierzulande in diesem Jahr deutlich zugenommen. Keystone

Mit Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Muskelschmerzen – manchmal auch mit Durchfall und Erbrechen – kündigt sich die Malaria an. Übertragen von der Anopheles-Mücke ist sie die häufigste Tropenkrankheit. Laut dem Bundesamt für Gesundheit BAG wird sie jährlich im Schnitt rund 200 Mal ins Land gebracht.

Deutlicher Anstieg in diesem Jahr

Seit Anfang Jahr schnellt diese Zahl aber deutlich nach oben, nämlich auf bislang über 300 registrierte Malaria-Fälle. Eine deutliche Steigerung gegenüber den Vorjahren: 2014 waren es zur gleichen Zeit 230 Fälle, im Jahr davor 125 Erkrankungen.

Als ungeliebtes Feriensouvenir wird Malaria aber weit weniger heimgetragen als noch vor zehn oder zwanzig Jahren. Heute sind es zunehmend Migranten oder Ausländer, die von einem Besuch in ihre Heimat zurückkehren.

Ansteckungsgefahr wird unterschätzt

Die jüngste Statistik zeigt genau 312 Krankheitsfälle seit Jahresbeginn. Die meisten Ansteckungen seien in Eritrea und Kamerun erfolgt, sagt Daniel Koch vom BAG. Einige auch in Kenia.

Unter den Infizierten gebe es natürlich auch Touristen, fügt er hinzu. Aber «ein grosser Teil sind Leute, die aus diesen Ländern stammen und in die Schweiz immigrieren, nicht nur Asylsuchende. Und ein Teil sind Leute, die Familienangehörige dort haben, diese besuchen und sich beim Besuch anstecken.»

Gerade diese Gruppe würde die Ansteckungsgefahr unterschätzen, fügt Koch hinzu. Auch diese Personen müssten sich vor den Mücken schützen und je nach Reiseland die Prophylaxe einnehmen.

«Wir haben noch einiges zu tun»

Hier brauche es eine zusätzliche Sensibilisierung, meint auch Christoph Hatz vom Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut: «Wir haben noch einiges zu tun bei den Migranten. Und es ist nicht ganz einfach, diese Gruppen zu erreichen.» Eben weil sie ja in ihr Herkunftsland reisen, das sie zu kennen glauben. Doch niemand ist gegen Malaria immun. Ohne Schutzvorkehrungen droht eine Infektion mit dem Erreger.

Malaria ist nicht ansteckend: Eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch ist ausser über Blutkontakt nicht möglich.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Medizin für Arme gewinnt Nobelpreis

    Aus Tagesschau vom 5.10.2015

    Krankheiten, die von Mücken oder Würmern, also Parasiten verursacht werden treffen oft die Ärmsten. Genau in diesem Bereich haben drei Forscher wichtige Therapieansätze entwickelt und nun den Nobelpreis für Medizin erhalten. Der Preis ist auch ein politisches Zeichen.