Stadtbotschafter-Kampagne So will Biel sein Schmuddel-Image loswerden

Biel gilt als kriminell und arm. Dieses Image sollen Stadtbotschafter jetzt wegpolieren.

Audio «Stadtbotschafter sollen nach Biel locken» abspielen.

Stadtbotschafter sollen nach Biel locken

Wenn jemand unsicher sein sollte, ob Biel ein lebenswertes Pflaster ist, soll er den Gastronomen und Kulturveranstalter Daniel Schneider fragen. Er beschreibt seine Stadt so: «Wenn mich jemand fragte, woher ich komme, habe ich immer gesagt, ich komme aus der kleinsten Weltstadt der Welt – ich komme aus Biel.»

Schneider ist einer von gut 20 prominenten Bielern, die in der Imagekampagne der Stadt mitwirken. Sie sollen möglichst viele Menschen dazu motivieren, nach Biel zu ziehen und hier eine Stelle anzunehmen. Angesprochen sind Leuten, die skeptisch sind. Ihnen soll die Angst vor der Stadt genommen werden.

«  Für Leute, die eher Sicherheit, Klarheit, Einfachheit und klare Optionen suchen, ist Biel nicht erste Wahl. »

Thomas Gfeller
Wirtschaftsdelegierter von Biel

Denn Biel hat ein Imageproblem. «Es hat nur noch Ausländer und Sozialhilfebezüger. Es ist kriminell, es werden am meisten Velos geklaut und so weiter. Das höre ich überall», sagt Schneider.

Unternehmen haben zu wenig Bewerber

Dies und andere Zustände führen offenbar dazu, dass einige Bieler Arbeitgeber Mühe bekunden, ihre Stellen zu besetzen, sagt der städtische Wirtschaftsdelegierte Thomas Gfeller: «Wir hören von den Firmen, dass Leute, die eigentlich an einer Stelle interessiert wären, sich zurückhalten, eine Bewerbung weiterzuverfolgen, weil sie sich fragen: Fühle ich mich hier mit meiner Familie wohl.»

«  Wir hören von den Firmen, dass Leute, die eigentlich an einer Stelle interessiert wären, sich zurückhalten, eine Bewerbung weiterzuverfolgen, weil sie sich fragen: Fühle ich mich hier mit meiner Familie wohl. »

Thomas Gfeller
Wirtschaftsdelegierter von Biel

Biel ist unfertig, gilt als wild und etwas versponnen. Die Stadt ist daher beliebt bei den Kreativen – etwa IT-Tüftlern, Werbern oder Architekten. Andere Berufsgruppen würden mit der Stadt mehr hadern, sagt Gfeller. «Für Leute, die eher Sicherheit, Klarheit, Einfachheit und klare Optionen suchen, ist Biel nicht erste Wahl.»

Aber Biel möchte für alle interessant sein. So beispielsweise auch für die Ingenieure der hier stark verankerten Industrie. Mit ihnen möchte man die Wirtschaft voranzubringen und gute Steuerzahler gewinnen.

Überzeugungsarbeit leisten sollen jetzt also sogenannten Stadtbotschafter. Darunter sind Personen wie Rapper Nemo, Gartenautorin Sabine Reber oder eben Kulturveranstalter Daniel Schneider. «Vielleicht kommt jemand und sagt, ich will wissen, wo die Kultur spielt und das Leben in der Stadt abgeht. Da bin ich wohl die richtige Person», sagt Schneider.

160 Bieler wollen mitmachen

Die Idee für die Kampagne stammt von Sybille Erdmann von der Bieler Werbeagentur ErdmannPeisker. Sie hat die Technik auch selber erprobt: «Der Hintergrund war, dass ich vor 20 Jahren genau so nach Biel gekommen bin. Ich habe jemanden gekannt, der mich an die Hand genommen hat und mir Biel gezeigt hat», sagt sie. Das habe dazu geführt, das sie nach einem Monat schon einen Freundeskreis in der Stadt gehabt hätte.

Ziel der Übung sei es nicht, Biel-Zweifler zu überreden, sagt Sybille Erdmann. Man wolle sie überzeugen. «Wir reichen eher die Hand und sagen, du bist in Biel willkommen. Das kann eine Imagekampagne nicht, aber ein Kollege kann es», sagt Erdmann.

Mittlerweile hätten sich schon über 170 Bielerinnen und Bieler gemeldet. Alles Bürger, die auch das Positive sehen und für Biel gerade stehen wollen.