Theologe Hans Küng: «Nicht lebensmüde, sondern lebenssatt»

Er ist der bekannteste und umstrittenste Schweizer Theologe. «Die Kirche ist ein schwerer Tanker. Da dauert wenden eine Weile», so Küng in einem emotionalen Exklusiv-Interview mit der «Tagesschau».

Als Hans Küng die Unfehlbarkeit des Papstes in Frage stellte, wurde ihm 1979 die Lehrerlaubnis entzogen. Jetzt steht eine Versöhnung mit dem Vatikan im Raum.

Küng hat den dritten und letzten Teil seiner Memoiren veröffentlicht. Darin zieht der 85-jährige Bilanz. Er leidet an Parkinson und sagt, er sei «nicht lebensmüde, aber lebenssatt».

Das komplette Interview mit Hans Kueng

18 min, vom 5.10.2013

Briefe von Papst Franziskus

«Papst Paul VI. hat die schützende Hand über mich gehalten. Als Johannes Paul II. kam, (welcher nun heiliggesprochen werden soll), war das vorbei.» Unter Johannes Paul II. herrschte Funkstille zwischen Küng und dem Vatikan. 27 Jahre lang.

Seit dem Amtsantritt von Papst Franziskus hat sich aber einiges geändert. Gleich zwei Briefe hat der Widerspenstige vom Papst erhalten. «Das habe ich nicht erwartet», so Küng. Franziskus wolle Kollegialität und Zusammenarbeit, und keine Machtdemonstrationen mehr.

Teuer erkaufte Freiheit

Küng hat mit seinem Leben abgeschlossen. Alles sei gesagt. Rückblickend habe er mehr positive als negative Erfahrungen gemacht. Aber: «Die Freiheit hat mich viel gekostet.» Jetzt, wo es auf das Ende zugeht, will er noch einmal seinen Willen durchsetzen: Wie er sein Leben bestimmt hat, so will er seinen Tod bestimmen. Und stellt sich damit ein letztes Mal gegen die Kirche.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • «Lebenssatt» – Theologe Hans Küng zieht Bilanz

    Aus Tagesschau vom 5.10.2013

    Als Hans Küng einst die Unfehlbarkeit des Papstes in Frage stellte, wurde ihm 1979 die Lehrerlaubnis entzogen. Erst jetzt, unter Papst Franziskus, scheint sich eine Versöhnung mit dem Vatikan anzubahnen. In seinen Memoiren zieht der umstrittene Theologe Küng Bilanz. Ein Porträt.