- Das in Basel als «Erdbeben-Drämmli» bekannte Stadler-Tram vom Typ Tina soll in Zukunft weniger rumpeln.
- Der Hersteller Stadler und das Baselbieter Transportunternehmen BLT testen neue Massnahmen.
- Dennoch verzichtet das Stadtbasler Transportunternehmen BVB auf eine Bestellung von Tina-Trams.
Als die ersten Tina-Trams der Baselland Transport AG (BLT) im Herbst 2024 auf die Schienen kamen, standen sie für Fortschritt: mehr Platz, barrierefreier Einstieg, moderne Technik. Die neuen Fahrzeuge ersetzten damals die über 40 Jahre alten vom Typ Schindler.
Doch die Begeisterung hielt nicht lange. Als die ersten Tina-Trams auf den Basler Strassen unterwegs waren, folgte Kritik – und ein wenig schmeichelhafter Spitzname: «Rumpel-Drämmli» oder «Erdbeben-Drämmli». Grund: Es mehrten sich Beschwerden: Die Trams seien laut – und würden vor allem stark vibrieren.
Besonders spürbar war das an sensiblen Stellen im Netz, etwa bei Weichen und Kreuzungen, beispielsweise auf dem Platz vor dem Bahnhof SBB oder beim Bankenplatz.
Die Probleme blieben indes nicht nur auf Basel beschränkt. Auch aus deutschen Städten wie Darmstadt oder Halle gab es ähnliche Rückmeldungen zu Lärm und Erschütterungen.
BLT und Stadler haben, nachdem die Probleme bekannt wurden, reagiert und erste Fahrzeuge nachgebessert. Im Fokus stand zuerst der Lärm. Das Fahrwerk wurde angepasst, Komponenten anders aufgehängt, Verkleidungen und Bremsen optimiert.
Wir haben eine Halbierung des Lärmpegels erreicht.
Das Resultat: Der Lärm konnte unterdessen deutlich reduziert werden. «Wir haben eine Halbierung des Lärmpegels erreicht», sagt der Technik-Chef der BLT, Philipp Glogg. Somit seien die neuen Tina-Trams in etwa so laut wie die älteren Modelle der Tango-Flotte.
Nächster Versuch ab Juli
Doch trotz dieser Fortschritte ist das zentrale Problem geblieben: das Rumpeln. Deshalb folgt nun der nächste Versuch. Ein BLT-Tram wird ab Juli mit neuen, gummigefederten Rädern ausgerüstet. «Diese Räder federn mehr als die bisherigen und sollen uns helfen, die Vibrationen zu reduzieren», sagt Glogg.
Ganz neu ist die Idee nicht: Auch die bisherigen Räder enthalten Gummielemente. Doch bei der neuen Konstruktion werden diese anders eingesetzt, sodass sie stärker dämpfen sollen. Die technische Hoffnung dahinter: Weniger Schwingungen zwischen Rad und Schiene – und damit weniger Erschütterungen in der Umgebung.
Die Tests beginnen im Juli dieses Jahres. Zunächst ohne Fahrgäste, später im regulären Betrieb. Nach einer einmonatigen Testphase soll dann entschieden werden, ob die Massnahme breit eingeführt wird. «Wir sind sehr zuversichtlich, dass diese Massnahme eine Verbesserung bringt», hofft Glogg.
BVB wollen «Tina» nicht anschaffen
Während die Baselbieter BLT ihre Tina-Trams weiter optimiert, geht die Entwicklung in der Stadt Basel in eine andere Richtung: Die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) gaben diese Woche bekannt, dass sie auf eine Beschaffung dieses Tram-Typs verzichten. Die Erschütterungsmesswerte beim eingereichten Tramtyp seien «deutlich zu hoch gewesen», heisst es in einer Mitteilung der BVB.
Über Typ und Hersteller will die BVB aus submissionsrechtlichen Gründen zwar keine Auskunft geben. SRF weiss jedoch aus sicherer Quelle, dass es sich um das Tina-Tram handelt. Auch die Zeitung «bz Basel» berichtet darüber.
Die BVB starten nun eine neue Ausschreibung. Besonders heikel: Andere Anbieter haben sich bisher gar nicht erst beworben. Damit bleibt offen, mit welchen Fahrzeugen Basel-Stadt seine Tramflotte künftig erneuern wird.