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Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch über Macht, Mieten und Märchen

Nach 17 Jahren tritt Zürichs Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) ab. Im Gespräch kritisiert sie die mangelnde Berücksichtigung der Städte in der nationalen Politik. Sie spricht offen über ihre Frau und bezeichnet die Vorstellung, mehr Wohnungsbau führe automatisch zu tieferen Mieten, als Märchen.

Corine Mauch

Zürcher Stadtpräsidentin

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Corine Mauch, geboren 1960 in Iowa (USA), studierte Agrarökonomie an der ETH Zürich und Chinawissenschaften an der Universität Zürich. Die SP-Politikerin ist seit 2009 Stadtpräsidentin von Zürich und tritt am 26. Mai, nach 17 Jahren im Amt, ab. Zuvor war sie Projektleiterin bei den Parlamentsdiensten der Bundesversammlung.

SRF News: Was lernt man in 17 Jahren an der Spitze der grössten Stadt der Schweiz?

Corine Mauch: Das Entscheidende ist, dass der Laden funktioniert. Die Exekutive, der Stadtrat, ist ja ein zusammengewürfelter Haufen; wir haben uns nicht gegenseitig ausgewählt. Trotz unterschiedlicher Positionen haben wir aber als Team eine Verantwortung. Die Bevölkerung hat ein Anrecht darauf, dass wir uns zusammenraufen.

Dass man mit mehr Bauen automatisch die Mieten senkt, ist ein Märchen.

Ein grosses Thema ist die Wohnungsnot. Die FDP sagt, Ihre Wohnpolitik sei gescheitert, weil Sie zu wenig bauen liessen. Was entgegnen Sie?

Dass man mit mehr Bauen automatisch die Mieten senkt, ist ein Märchen. Das Thema Wohnungsnot begleitet Zürich seit Jahrzehnten, das ist kein neues Phänomen. Allein in den letzten zehn Jahren haben wir als Stadt über zweitausend gemeinnützige Wohnungen geschaffen, die Bauten von Genossenschaften noch nicht mitgerechnet. Wir waren also keineswegs untätig.

In fast allen Märkten steigen Preise bei Knappheit. Warum soll ausgerechnet der Wohnungsmarkt dieser Logik nicht folgen?

Weil sie die grundlegende Knappheit nicht weg­bringen: Der Platz in der Stadt Zürich ist und bleibt begrenzt. Einfach wild draufloszubauen, würde das Problem nicht lösen. Es würden nur noch mehr teure Wohnungen entstehen.

Städte sind die Orte, an denen sich die He­raus­for­de­rungen der Zukunft zuerst zeigen und wo neue Lösungen gefunden werden.

Zürich macht oft Schlagzeilen mit For­de­rungen, die schweizweit belächelt werden: Laubbläser-Verbot, Gratis-Badis für alle. Was sagen Sie dazu?

Ich weiss, dass solche Ideen oft belächelt werden. Aber man darf nicht vergessen: Städte sind die Orte, an denen sich die He­raus­for­de­rungen der Zukunft zuerst zeigen und wo neue Lösungen gefunden werden. Viele dieser Vor­schläge kommen direkt aus der Bevölkerung. Zürich hat nicht umsonst eine so hohe Lebens­qualität. Das ist auch ein Resultat solcher Auseinandersetzungen.

Sie kritisieren, dass die Städte in Bundesbern zu wenig Gehör finden.

Absolut. 85 Prozent der Wirtschaftsleistung werden in städtischen Gebieten erarbeitet. Aber diese wirtschaftliche Bedeutung ist in Bundes­bern viel zu wenig präsent. Das hat man in der Pandemie oder bei der Migrations­thematik gesehen: Wir als Städte werden viel zu wenig in die Konzeption der nationalen Politik ein­ge­bun­den. Wenn man in Bern über die Schweiz redet, geht es um Kühe und Berge, nicht um die urbane Schweiz.

17 Jahre Stadtpräsidentin: Wie hat das die Ehe mit Ihrer Frau geprägt?

Wenn man den ganzen Tag Entscheidungen fällt, die Richtung vorgibt und sagen muss: «Und jetzt machen wir das, jetzt machen wir das.» Wenn ich diesen bestimmenden «Präsidentinnen-Tonfall» dann unbewusst mit nach Hause bringe, kommt die Korrektur sofort. Dann sagt meine Frau klar: «Hör auf damit!»

Das Gespräch führte David Karasek.

Tagesgespräch, 19.5.2026, 13 Uhr ; 

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