Nachwahlbefragung: Die drei Gründe für den Sieg der SVP

Die SVP hat nicht etwa gewonnen, weil sie den anderen Parteien Wähler abjagen konnte. Viel entscheidender für den Sieg war eines: Die Partei hat viele neue Wähler mobilisieren können, die 2011 nicht gewählt haben.

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Neuwähler sind Rechtswähler

7:22 min, aus Tagesschau vom 19.10.2015

40 Prozent jener Menschen, welche 2011 nicht gewählt haben und sich bei diesen Wahlen wieder mobilisieren liessen, stimmten für die SVP. «Letztes Jahr war die SP die Partei, die am meisten neue Wähler mobilisieren konnte. Bei diesen Wahlen war es die SVP», sagt Politikwissenschafter Claude Longchamp. Diese Mobilisierung der SVP sei viel wichtiger für den Ausgang der Wahlen gewesen, als die Wechselwähler.

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Die Befragung machte das Forschungsinstitut gfs.bern im Auftrag der SRF SSR. Es wurden 1017 Personen befragt, die an den Wahlen teilgenommen haben. Die Befragung fand am 18. Oktober von 12 bis 18 Uhr statt.

Es waren vor allem die Bürger mit wenig Vertrauen in die Staatsbeamten und die Protestwähler, die die SVP als neue Wähler erreichte. «Bürger, die eher aus den unteren Bildungsschichten kommen», so Longchamp.

Der Politologe sieht drei Gründe, warum die SVP diese Wähler zur Urne bringen konnte:

  • Die SVP hat über Jahre konsequent die Asylpolitik als Thema durchgezogen und konnte wohl am Schluss von den aktuellen Flüchtlingsströmen profitieren.
  • Die Partei hat einen Wahlkampf gemacht, der ankam. Das Video mit dem SVP-Song war Ausdruck dafür.
  • Die Partei vermochte Zielgruppen zu mobilisieren, die wenig politisch denken. Menschen also, die sonst eher nicht an die Urne gehen.

«Man konnte von den Kritikern der SVP oft hören, die Partei habe einen inhaltslosen Gaga-Wahlkampf betrieben», so Longchamp. Er halte den Vorwurf selber für Gaga. Die SVP habe es ausgezeichnet geschaft, gerade mit dem Video-Clip für Aufmerksamkeit zu sorgen.

Vertrauen in Bundesrat ist intakt

Das Parlament wird im Dezember den neuen Bundesrat wählen. Auf die Frage, wie der Bundesrat zusammengesetzt sein soll, wollen 38 Prozent den Status quo beibehalten. 26 Prozent finden, alle grossen Parteien, also SVP, SP und FDP sollen je zwei Sitze erhalten, die CVP einen Sitz.

Ganz im Gegensatz zum Ausland ist in der Schweiz das Vertrauen in die Arbeit des Bundesrates intakt. 72 Prozent bringen der Landesregierung ein mittelhohes bis sehr hohes Vertrauen entgegen. Ein Wert, der Longchamp überrascht hat.

Am glaubwürdigsten ist Aussenminister Didier Burkhalter (82 Prozent), gefolgt von Energie-und Umweltministerin Doris Leuthard (75 Prozent), Innenminister Alain Berset (74 Prozent) und Finanzministerin Widmer-Schlumpf (70 Prozent). Schlusslicht ist Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann (56 Prozent).

SVP-Wähler und Widmer-Schlumpf

Im Speziellen hat das Team von Longchamp die Glaubwürdigkeit von Eveline Widmer-Schlumpf evaluiert. «Widmer ist im linken Lager stark verankert, geniesst aber auch innerhalb der SVP-Wähler mit 44 Prozent eine überraschend hohe Glaubwürdigkeit.» 18 Prozent der SVP-Symphatisanten finden, Widmer-Schlumpf sei weder glaubwürdig, noch das Gegenteil davon.

«Das Bild, das sich SVP-Wähler über Widmer-Schlumpf machen, deckt sich somit nicht unbedingt mit dem Bild der SVP-Parlamentarier», so Longchamp.