AKW Beznau: Droht neben Sicherheitsrisiko finanzielles Fiasko?

Das AKW Beznau ist ein Sorgenkind: seit Längerem aus sicherheitstechnischer Sicht, weshalb es zurzeit abgestellt ist. Und nun auch noch aus finanzieller Sicht, wie eine Greenpeace-Studie vorrechnet. Überhaupt sei die Zeit der AKWs als Gewinnmaschinen vorbei. Die Betreiberin Axpo widerspricht.

Ein runder Betonturm. Davor ein gelbes Transparent mit "the end" darauf. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Wie weiter mit dem AKW Beznau? Betreiberin Axpo und Umweltorganisationen sind sich nicht einig. Keystone

Die Kernkraft ist neben der Wasserkraft einer der beiden Pfeiler der Stromproduktion von der Axpo. Der Preis, den die Axpo mit dem Verkauf von Atomstrom erzielt, deckt die Kosten jedoch seit Längerem nicht mehr. Und wenn Reaktoren länger still stehen, wie derzeit diejenigen in Beznau, fallen zusätzliche Kosten in Millionenhöhe an.

«  Man kann davon ausgehen, dass es sich finanziell gar nicht mehr lohnt, die Anlage weiter zu betreiben.  »

Florian Kasser
Atomexperte bei Greenpeace

Beznau, eines der ältesten AKWs der Welt, sei unterdessen nicht nur ein Sicherheits-, sondern auch ein ökonomisches Risiko für die Axpo, heisst es bei Greenpeace. «Die Perspektiven sind sehr düster», sagt Atomexperte Florian Kasser. Einerseits sollten die Marktpreise für den Strom weiter sinken. Andererseits verursache der aktuelle Stillstand der Anlage wegen Materialfehlern massive Kosten. «Deshalb kann man davon ausgehen, dass es sich finanziell gar nicht mehr lohnt, die Anlage weiter zu betreiben.»

«  Ich kann Ihnen versichern, dass wir diese Rechnung sehr detailliert gemacht haben. Aus der wirtschaftlichen Perspektive ist ein Weiterbetrieb sinnvoll. »

Andrew Walo
CEO Axpo

Kasser bezieht sich auf eine Studie, die Greenpeace in Auftrag gegeben hat. Axpo-Chef Andrew Walo kennt die Studie. Er betont zuerst, dass Sicherheit oberste Priorität habe und dass sich Beznau auf lange Sicht ökonomisch durchaus lohne. Die zukünftigen freien Mittel, die man erwirtschaften könne, seien die relevante Grösse, um beurteilen zu können, ob das betriebswirtschaftlich Sinn mache. «Ich kann Ihnen versichern, dass wir diese Rechnung sehr detailliert gemacht haben. Aus der wirtschaftlichen Perspektive ist ein Weiterbetrieb sinnvoll.»

Die Zeit der AKWs als Gewinnmaschinen ist vorbei

Aber genau das glauben die Autoren der Greenpeace-Studie nicht. Heute könne die Axpo mit Beznau zwar noch einen kleinen Teil der Fixkosten decken – also die Investitionen in den Bau und die Nachrüstungen zumindest teilweise amortisieren. Doch das sei spätestens in zwei Jahren vorbei, rechnet Kasser von Greenpeace vor. AKWs seien lange zuverlässige Gewinnmaschinen gewesen, doch das sei vorbei.

«  Man behauptet auch, die erneuerbare Energien seien viel teurer als Atomkraft. Das stimmt einfach nicht. »

Florian Kasser
Atomexperte bei Greenpeace

«Man behauptet auch, die erneuerbare Energien seien viel teurer als Atomkraft. Das stimmt so einfach nicht. Deshalb wollen wir aufzeigen, dass Atomkraft nur günstig ist, weil viele Kosten nicht einberechnet werden und es aus ökonomischen Überlegungen sinnvoll ist, Atomkraftwerke abzuschaffen.»

Künftige Kosten seien berechenbar

Greenpeace fordert deshalb die Eigentümer der Axpo, die Kantone, auf, sich für eine geordnete Stilllegung des AKW Beznau einzusetzen. Sonst könnten die Kantone dereinst gezwungen sein, mit Millionen an Steuergeldern unter die Arme zu greifen. Axpo-Chef Walo beruhigt, die Axpo verfüge über genügend finanzielle Mittel und die künftigen Kosten seien berechenbar: «Wir haben diese Abklärungen sehr seriös gemacht. Wir gehen nicht davon aus, dass es noch grosse Zusatzinvestitionen braucht.» Man sei guten Mutes, dass diese beiden Blöcke wirtschaftlich betreibbar seien.

Bei dieser Rechnung geht die Axpo davon aus, dass Beznau 2 noch in diesem Jahr und Beznau 1 Ende Juli 2016 wieder ans Netz kommt. Was wenn nicht, Herr Walo? «Dann muss selbstverständlich neu gerechnet werden.»