Comeback von Peter Kurer: Sunrise wechselt die Führung aus

Der Telekommunikationskonzern setzt auf neue Köpfe: Der ehemalige Orange Europa-Chef Olaf Swantee wird neuer Firmenchef. An die Spitze des Verwaltungsrats soll der ehemalige UBS-Manager Peter Kurer kommen.

Peter Kurer an der UBS-Generlaversammlung im Jahr 2009 Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Comback für Peter Kurer: Er soll Sunrise-Präsident werden (Archivbild 2009) Keystone

An der Sunrise-Spitze kommt es überraschend zu Wechseln: Am 9. Mai übergibt der bisherige Chef Libor Voncina sein Amt an Olaf Swantee. Voncina erhalte keine Abgangsentschädigung, hiess es an der Sunrise-Medienkonferenz.

Der Niederländer Swantee hat in den vergangenen viereinhalb Jahren Orange Europa geleitet. Davor war er Chef der britischen EE, dem grössten britischen Mobilfunkbetreiber.

Kurer wird oberster Chef

Als neuer Verwaltungsratspräsident wird zudem der ehemalige UBS-Präsident Peter Kurer vorgeschlagen. Der 66-Jährige soll die Aufgabe von Interims-Präsident Lorne Sommerville übernehmen. Er führte das Gremium seit dem plötzlichen Tod von Dominik Koechlin im letzten Jahr.

Olaf Swantee Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der neue Sunrise-Chef Olaf Swantee hat früher schon in der Schweiz gearbeitet. PD

Im letzten Jahr erzielte Sunrise, die Nummer zwei auf dem Schweizer Telekommarkt, etwas weniger Umsatz. Dieser sank um 4,8 Prozent auf 1,98 Milliarden Franken. Als Gründe nennt das Unternehmen in seiner Mitteilung den starken Franken sowie den «anhaltenden strukturell bedingten Rückgangs der Prepaid- und Festnetztelefonie».

Im Mobilfunkbereich hat Sunrise dagegen laut eigenen Angaben neue Kunden hinzugewonnen und die Abonnentenzahl vergrössert.

Kosten für Gang an Börse belasten

Vor allem wegen des Börsengangs im letzten Jahr fuhr das Telekomunternehmen einen Verlust von 113 Millionen Franken ein nach einem Verlust von 115 Millionen im Vorjahr. Ohne die Kosten für den Börsengang hätte Sunrise einen Gewinn von 45 Mio. Franken erzielt.

Im letzten Quartal 2015 schrieb das Unternehmen – wie schon in den beiden Vorquartalen – schwarze Zahlen.

Wie angekündigt sollen die Aktionäre eine Dividende von 3 Franken je Aktie bekommen.

Sunrise mit roten Zahlen und neuer Führung

0:29 min, aus Tagesschau am Mittag vom 10.3.2016

Umsatz bleibt belastet

Weil Sunrise an der Börse kotiert ist, gibt das Unternehmen nun auch detaillierte Ziele für das laufende Jahr bekannt: So soll der Umsatz zwischen 1,89 und 1,93 Mrd. Franken liegen. Die Faktoren, welche den Umsatz 2015 negativ beeinflussten, dürften in abgeschwächter Form anhalten, heisst es dazu.

Ausserdem plant das Unternehmen Investitionen zwischen 220 und 230 Mio. Werden die Ziele erreicht, soll den Aktionären eine höhere Dividende von 3.24 bis 3.36 CHF je Aktie vorgeschlagen werden.

Stationen im Leben von Peter Kurer

In den 1990er Jahren arbeitete Kurer bei den Homburger Rechtanwälten in Zürich, eine der renommiertesten Anwaltskanzleien der Schweiz. 1996 leitete er die Fusion der beiden ehemaligen Pharma- und Chemieunternehmen Ziba-Geigy und Sandoz hin zum Pharma-Riesen Novartis.

In der Folge war Kurer als Chefjurist bei der UBS tätig. Er war unter anderem an dem Entscheid beteiligt, der Swissair im Jahr 2001 kein Geld mehr zur Verfügung zu stellen.

Im April 2008 übernahm Kurer für ein Jahr das Amt des Verwaltungsratspräsidenten der UBS. Bund und Nationalbank mussten die Bank in dieser Zeit mit einer Milliardenspritze vor dem Untergang retten. Kurer wurde stark für die finanziellen Verlusten der UBS und für das verloren gegangene Vertrauen in die Bank kritisiert.


Nach seinem Abgang bei der UBS war Kurer als Finanzberater bei verschiedenen Firmen tätig.