Das zweitgrösste Schweizer Unternehmen in der Krise

Glencore hat für 2015 einen erheblichen Verlust ausgewiesen. Finanzexperten rechneten noch vor Bekanntgabe der Zahlen mit einem schlechten Resultat. Die tiefen Weltmarktpreise für Kupfer, Kohle und andere Rohstoffe machen dem zweitgrössten Schweizer Unternehmen zu schaffen.

Ein Schild vor dem Hauptsitz von Glencore in Baar. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Hauptsitz von Glencore in Baar/ZG: Das Unternehmen leidet stärker unter den tiefen Rohstoffpreisen als die Konkurrenz. Keystone

Glencore: Ein Gigant wankt

1:45 min, aus HeuteMorgen vom 01.03.2016

Den Rohstoffhändler Glencore mit Sitz im Kanton Zug belasten nicht nur die derzeit tiefen Rohstoffpreise. Ein weiteres Problem sind Schulden von rund 30 Milliarden Dollar. Diese seien vor allem durch die Fusion mit dem Schweizer Bergbauunternehmen Xstrata entstanden, sagt Daniel Benz, Finanzanalyst bei der Zürcher Kantonalbank. Damals, im Jahr 2012, habe in der Rohstoffwelt noch ein Boom geherrscht. «In dieser Situation war die Fusion strategisch sehr sinnvoll.»

Doch inzwischen sind die Rohstoffpreise gefallen. «In der Rohstoffbaisse wurde die Verschuldung zunehmend zu einem Problem», sagt Benz. Unter den tiefen Rohstoffpreisen leidet zwar die ganze Branche. Glencore ist aber stärker betroffen als die Konkurrenten, weil das Unternehmen mehr mit Kohle und Kupfer handelt, deren Preise in den letzten Jahren überdurchschnittlich stark gesunken sind.

Glencore-Chef Ivan Glasenberg spricht und gestikuliert. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Will die Schulden von rund 30 auf unter 20 Milliarden Dollar senken: Glencore-Chef Ivan Glasenberg. Reuters

Aktie auf Talfahrt

Grund für die tiefen Rohstoffpreise ist vor allem das nachlassende Wirtschaftswachstum in China. Weil dort die Nachfrage sinkt, gibt es bei den Rohstoffen derzeit eine Überproduktion. Das hat sich auch auf den Kurs der Glencore-Aktie ausgewirkt. Seit dem Börsengang im Jahr 2011 hat sie 80 Prozent an Wert verloren.

Um Gegensteuer zu geben, hat Glencore letztes Jahr ein Programm eingeleitet, das die Kosten senken soll. Der Konzern will einzelne Unternehmensteile verkaufen. Zudem fördert und produziert er weniger Kupfer, Kohle und Nickel. Und Glencore zahlt den Aktionären bis auf Weiteres keine Dividende. Glencore-Chef Ivan Glasenberg will mit diesen Massnahmen die Schulden bis Ende Jahr auf unter 20 Milliarden Dollar drücken, wie er im letzten Dezember angekündigt hat. Umsatz und Gewinn im letzten Jahr will Glencore heute bekannt geben. Finanzexperten rechnen mit keinen guten Zahlen.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Rohstoff-Monopoly

    Aus Rundschau vom 10.2.2016

    Glencore wankt. Parallel zum Kupferpreis ist im letzten Jahr die Glencore-Aktie gefallen. Um den Wertverlust zu stoppen, hat der Schweizer Rohstoffkonzern unter anderem kurzerhand ihre Kupferminen in Sambia stillgelegt und Tausende von Minenarbeiter von einem Tag auf den anderen entlassen. Besuch in Sambia bei den Verlierern im Rohstoff-Monopoly.

  • Norwegische Pensionskasse stösst Glencore-Aktien ab

    Aus Echo der Zeit vom 11.12.2015

    Die grösste norwegische Pensionskasse, die KLP, verkauft sämtliche Wertpapiere des Schweizer Rohstoffkonzerns Glencore. Glencore suche vor der Küste der West-Sahara nach Erdöl. Das verstosse gegen internationales Recht.

    Mit diesem Entscheid gehört die Pensionskasse zu jenen Investoren, die Firmen aus ihrem Portfolio streichen, wenn diese das Klima übermässig schädigen oder gegen internationales Recht verstossen.

    Massimo Agostinis