Skandal in Brasilien Gammelfleisch auch auf unseren Tellern?

Video «Gammelfleisch auch auf unseren Tellern?» abspielen

Gammelfleisch auch auf unseren Tellern?

1:41 min, aus Tagesschau vom 20.3.2017
  • Knapp 20 Prozent des Fleisches, das die Schweiz importiert, kommt aus Brasilien.
  • Es werden vor allem Poulet und Edelstücke vom Rind, aber kein Schweinefleisch eingeführt.
  • Migros und Coop schliessen zum jetzigen Zeitpunkt aus, dass sie Gammelfleisch importiert haben.
  • Der Bund habe bei Kontrollen bisher keine Auffälligkeiten entdeckt, gehe dem aber nach.

Micarna beispielsweise, der Fleischverarbeitungskonzern der Migros, importiere nur ganze Teile vom Rind und Geflügel aus Brasilien, betont Kommunikationschef Roland Pfister. Er schliesst deshalb zum jetzigen Zeitpunkt aus, dass sein Unternehmen Gammelfleisch importiert hat: «Laut Medienberichten wurden insbesondere in Wurstwaren gewisse Produkte eingemischt. Da wir nur ganze Teile importieren, schliessen wir aktuell aus, dass wir davon betroffen sind.»

«  Wir warten noch auf die Stellungnahme der brasilianischen Lieferanten. Dann werden wir weiterschauen. »

Roland Pfister
Micarna-Sprecher

Micarna wolle aber auf Nummer sicher gehen und habe daher alle brasilianischen Lieferanten um schriftliche Erklärungen gebeten, dass die Migros keine Gammelprodukte erhalten habe, so Pfister weiter. «Aktuell warten wir noch auf die Stellungnahme. Dann werden wir weiterschauen.»

Der führende Schweizer Fleischimporteur GVFI in Basel, der unter anderem mit Coop zusammenarbeitet, teilt mit, dass auch Rind- und Geflügelfleisch aus Brasilien für die Kunden importiert werde. «Nach unseren Abklärungen sind die Betriebe, von denen GVFI Fleisch bezieht, nicht von den Ereignissen betroffen», so das Unternehmen.

Ein Mann mit Schutzbrille und blauen Handschuhen schaut in eine Flasche mit in Flüssigkeit eingelegtem, halb zersetztem Rindfleisch. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der grenztierärztliche Dienst prüft alle Zeugnisse des eingeführten Fleisches und nimmt auch Stichproben. Keystone

Auch Bundesbehörden klären ab

Das zuständige Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV glaubt auch, dass die Schweiz nicht betroffen ist, doch auch dort will man es genauer wissen.

«Wir klären den Sachverhalt mit den brasilianischen Behörden natürlich detailliert ab. Das tun wir mit den EU-Behörden zusammen, weil wir dieselben Kontroll-Vorgaben haben», sagt der stellvertretende BLV-Direktor, Thomas Jemmi.

Der Gammelfleisch-Skandal in Brasilien

Abgelaufenes und vergammeltes Fleisch wurde umetikettiert, altes und neues Fleisch vermischt, abgelaufene Waren hat man auch mit chemischen Substanzen behandelt, damit sie frischer aussehen. Noch ist nicht bekannt, wie viel Gammelfleisch aus Brasilien in Umlauf gekommen und allenfalls auch exportiert worden ist.
Klar ist aber, dass einige der weltgrössten Fleischfirmen beteiligt sind. Im Zuge der Untersuchungen sind bisher drei Betriebe geschlossen worden, 21 stehen unter Beobachtung.
Die Regeln für die Etikettierung von Fleisch sind in Brasilien eigentlich strikt, wie ARD-Korrespondent Ivo Maruschik sagt. Zu so einem Skandal könne es also nur kommen, weil die brasilianischen Behörden bei diesen grossen Betrieben offensichtlich systematisch weggeschaut hätten

Bisher keine Auffälligkeiten bei Grenzkontrollen

Grundsätzlich gelange jede Fleischsendung aus dem Ausland mit einem Zeugnis in die Schweiz, das dann vom grenztierärztlichen Dienst kontrolliert werde. «Jede Sendung und jedes Zeugnis wird angeschaut. Und stichprobenweise wird dann auch noch die Ware kontrolliert und es werden eventuell auch Proben für weitere Untersuchungen genommen.»

Bisher habe man bei diesen Kontrollen keine Auffälligkeiten festgestellt. Sollte aber qualitativ schlechtes Fleisch entdeckt werden, könnten die Kontrollen verschärft oder gar Importverbote erlassen werden, sagt der Verantwortliche für Lebensmittelsicherheit. Zurzeit geht er aber nicht davon aus, dass dies nötig werde.

Erste Länder stoppen Einfuhren

Nach dem Fleischskandal stoppen erste Länder ihre Importe aus Brasilien. So sistierte China als zweitwichtigster Abnehmer von Rind- und Geflügelfleisch die Einfuhren aus Brasilien. Ähnlich reagierte Chile. Das südkoreanische Landwirtschaftsministerium kündigte an, vorübergehend den Import von Hühnerfleischprodukten zu verbieten. Die EU forderte von den brasilianischen Behörden eine Garantie, kein verdorbenes Fleisch zu erhalten.