Inlandbanken sind fein raus

Die Schweizer Banken haben ihre goldenen Jahre hinter sich – so der allgemeine Eindruck. Umso mehr erstaunt, wie gut es den Regional- und Kantonalbanken geht, die sich auf das Schweizer Kreditgeschäft konzentrieren. Jüngstes Beispiel: die Raiffeisen-Gruppe.

Die Banker am Zürcher Paradeplatz – bei UBS und Credit Suisse – dürften neidisch sein: Ein Glanzresultat hat Raiffeisen heute vermeldet. Erneut ist die Genossenschaftsbank auch in ihrem Kerngeschäft kräftig gewachsen, der Hypothekarkreditvergabe.

«Es ist richtig, dass wir schön wachsen. Wir sind auch stolz darauf», sagt Raiffeisen-Chef Patrik Gisel selbstbewusst. Seine Banken konnten die Hypothekar-Ausleihungen um fünf Prozent ausweiten, während der Gesamtmarkt nur moderat um drei Prozent wuchs.

Inlandbanken. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Fels in der Brandung: Die Regional- und Kantonalbanken wachsen stetig. Keystone

Aber nicht nur Raiffeisen hat brilliert. Auch für viele andere Inlandbanken liefen die Geschäfte letztes Jahr gut. Die Zürcher und die Waadtländer Kantonalbank zum Beispiel, oder die Regionalbankengruppe Valiant legten ebenfalls solide Resultate vor.

Bankenprofessor Andreas Dietrich von der Hochschule Luzern beurteilt das Gesamtbild insgesamt positiv, trotz gewisser Unterschiede zwischen den einzelnen Banken.

Klassisches Kreditgeschäft – ein solider Wert

Trotz rekordtiefer Zinsen lässt sich offenbar im klassischen Kreditgeschäft in der Schweiz immer noch Geld verdienen. Das gilt übrigens auch für die Grossbanken UBS und CS. Diese haben ihre Probleme nämlich nicht in der Schweiz, sondern anderswo – etwa im internationalen Handel mit Wertschriften.

Der negative Gesamteindruck, den man teilweise von den Grossbanken hat, stammt laut Dietrich vor allem vom Investment-Banking und teilweise noch vom Private Banking, wo die Entwicklungen einfach volatiler verlaufen als im klassischen Retail Banking.

«  Die Volumenausweitung hat geholfen, die tieferen Margen zumindest teilweise zu kompensieren. »

Andreas Venditti
Branchenanalyst, Bank Vontobel

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Jan Baumann

Porträt Jan Baumann.

Jan Baumann ist seit 2013 Wirtschaftsredaktor bei SRF. Davor arbeitete er während rund zehn Jahren als Redaktor für die Zeitung «Finanz und Wirtschaft», unter anderem als USA-Korrespondent.

Die reinen Inlandbanken erscheinen dagegen als Fels in der Brandung. Das liegt hauptsächlich daran, dass sie in einem Geschäftsfeld zuhause sind, das sich stetig entwickelt: Die Kunden halten ihr Erspartes auf dem Konto oder zahlen zusätzliche Gelder ein, egal wie die Börse läuft.

Und für die Finanzierung des Eigenheims brauchen sie nach wie vor Kredit, auch wenn sich der Immobilienmarkt derzeit abkühlt. Mit Blick auf die tiefen Zinsen nutzen manche auch noch rasch die Gelegenheit, günstig eine Hypothek abzuschliessen.

«Solange der Markt insgesamt wächst, profitieren die Banken», sagt Branchenanalyst Andreas Venditti von der Bank Vontobel. Trotz generellem Margendruck wegen der niedrigen Zinsen. Die Volumenausweitung habe geholfen, die tieferen Margen zumindest teilweise zu kompensieren.

«  Solange die Konjunktur einigermassen hält, dürfte sich auch bezüglich Kreditqualität nichts wesentlich verschlechtern. »

Andreas Venditti
Branchenanalyst, Bank Vontobel

Damit die Rechnung auch langfristig aufgeht, müssen die Banken nun aber mit Argusaugen darauf achten, dass die Schuldner ihre Kredite auch bedienen und die fälligen Zinsen zahlen.

Das Erfolgsgeheimnis der Inlandbanken

4:05 min, aus Echo der Zeit vom 26.02.2016

Noch gibt es in diesem Punkt nach den Worten von Venditti kaum Probleme: «Die Kreditqualität ist immer noch sehr gut. Dabei ist das ganze Umfeld natürlich ein wichtiger Faktor. Solange die Konjunktur einigermassen hält, dürfte sich auch bezüglich Kreditqualität nichts wesentlich verschlechtern.

Tatsächlich hat zum Beispiel Raiffeisen kaum Ausfälle auf den Ausleihungen zu beklagen. Im vergangenen Jahr gingen die Verluste aus faulen Krediten sogar zurück. «Die Wertberichtigungen und Verluste sind rekordtief, noch tiefer geworden als im letzten Jahr», freut sich Konzernchef Gisel.

Und er fügt an: «So glauben wir eigentlich, dass unser Portefeuille sehr sicher und gut aufgestellt ist.»