Umweltsünderin Schweizer Armee

In der Schweiz sind Areale in der Grösse des Kantons Zug verunreinigt. Ein Zehntel der Standorte sind so gefährlich für Mensch und Umwelt, dass sie saniert werden müssen. Zu den grössten Verschmutzern zählt die Armee. Und sie sorgt Jahr für Jahr für neue Altlasten.

Schiessübungen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Schiessübungen verseuchen den Boden – mittlerweile auf einer Fläche der Stadt Biel. Keystone

Im Mittelland gibt es besonders viele verseuchte Areale. Bis in die 1980er-Jahre galt für Industrie, Gewerbe und Militär die Devise «Aus den Augen, aus dem Sinn». Abfall wurde vergraben und versenkt, möglichst schnell, oftmals direkt auf dem Firmenareal. Die Gefahr für Mensch und Umwelt war noch nicht ins Bewusstsein gerückt.

Animation: Vergraben, versenkt vergessen – die Altlasten der S...

1:14 min, aus ECO vom 29.2.2016

Doch Jahrzehnte später sind die giftigen Rückstände noch zu finden und verunreinigen die Gewässer. 1998 beschloss der Gesetzgeber, alle belasteten Standorte der Schweiz in einem Kataster zu erfassen. Seit Mai 2014 besteht dieses Kataster. Das Ergebnis: 38‘000 Standorte sind belastet. 4000 davon sind so stark verseucht, dass eine Sanierung angeordnet wurde. Laut des Bundesamts für Umwelt Bafu sind inzwischen 1000 bereinigt.

Bleiverseuchte Schiessanlagen

Als eine der grössten Verschmutzerinnen gilt die Armee – nach dem Auto- und Reparaturgewerbe ist sie die Branche mit dem grössten Anteil an Altlasten. Geradezu skandalös war das Verklappen von Munition in Schweizer Seen. Insgesamt hat die Armee bis in die 1960er-Jahre rund 8200 Tonnen Munition und Sprengstoff versenkt.

Gravierender allerdings sind rund 3900 Schiessanlagen, die den Boden mit Blei verseuchen. Die belastete Fläche der Schiessanlagen beziffert das Bafu auf 20 km2, das entspricht der Fläche der Stadt Biel.

In Düdingen im Kanton Freiburg etwa sind in den vergangenen 100 Jahren rund 8 Millionen Patronen abgefeuert worden: 58 Tonnen Blei. Seit Ende 2005 ist die Anlage stillgelegt. Da sie sich nahe eines Pumpwerks befindet, das die Stadt Düdingen mit Trinkwasser versorgt, war eine Sanierung dringend notwendig. Grosse Teile des Bodens wurden ausgehoben, aufbereitet und entsorgt – und das Areal anschliessend wieder aufgeforstet. Kosten: 1,8 Millionen Franken.

Sanierung als Milliarden-Geschäft

Das Bundesamt für Umwelt schätzt den Aufwand für die schweizweiten Sanierungen auf 5 Milliarden Franken. Bis zum Jahr 2040 sollen die Areale wieder unbedenklich sein. Unternehmen wie Eberhard Recycling haben sich auf die Aufbereitung kontaminierter Materialien spezialisiert.

In den meisten Fällen ist die Sanierung belasteter Flächen ein Geschäft mit absehbarem Ende. Anders im Falle der Schiessanlagen: Nach Schätzungen des Bafu gelangen weiterhin Jahr für Jahr 200 Tonnen zusätzliches Blei in die Kugelfänge – mehr als doppelt so viel wie aus Verkehr, Industrie und Gewerbe zusammen.

Die grössten Verschmutzer: Anteile der belasteten Betriebsstandorte nach Branchen

Sendung zu diesem Artikel

  • SRF 1 29.02.2016 22:25

    ECO
    Geld aus Müll

    29.02.2016 22:25

    Abfall klingt nach Problemen, Dreck und Gestank. Dabei macht die Wirtschaft gute Geschäfte mit dem, was Haushalte und Industrie hinterlassen. «ECO» zeigt in einer Spezialsendung, was es mit «Abfallberaubung» auf sich hat, wo Altlasten schlummern und wie ein Umweltskandal zur Geschäftsidee wurde.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Altlasten: Lukrative Sünden der Vergangenheit

    Aus ECO vom 29.2.2016

    Den Müll wahllos auf Deponien geworfen, Öl und chemische Gifte versickern lassen, Munition in den Seen versenkt – der Umgang mit Abfall war bis in die siebziger Jahre höchst fahrlässig. 38‘000 Orte mit so genannten Altlasten haben Bund und Kantone in der Schweiz erfasst. 4000 sind so gefährlich, dass sie saniert werden müssen. Bis 2040 soll es geschehen, und es wird 5 Milliarden Franken kosten. «ECO» porträtiert das Unternehmen Eberhard, das sich auf die Sanierung von Altlasten spezialisiert hat.