Für konsequente Veganer Vegane Erde: Weitere Händler planen Verkauf

Coop führt seit Kurzem vegane Balkonerde im Sortiment. Andere Detailhändler wollen nachziehen. Für Veganer ist herkömmliche Balkon- und Gartenerde problematisch, da sie häufig mit Hornspänen oder Horngries gedüngt ist – das unterstütze indirekt die Nutztier-Industrie, sagen sie.

«Das ist ein Witz», «Unsinn», «ein paar Bekloppte gibt’s immer». Die Meinungen auf der Strasse scheinen gemacht: Vegane Erde, ein Produkt für Spinner. Und es verwundert nicht, dass viele an einen Aprilscherz dachten, als Coop Ende März darüber informierte, vegane Erde ins Sortiment aufzunehmen. Aber der Detailhändler meint es ernst.

Erde ohne Schlachtabfälle

Was manch ein Hobbygärtner wohl nicht weiss: Tatsächlich ist Balkon- und Gartenerde oftmals alles andere als vegan. Denn insbesondere Bio-Erde wird häufig mit Hornspänen gedüngt. Diese liefern den für die Pflanzen wertvollen Stickstoff. Auch Coop bestätigt, die meisten herkömmlichen Erden im Sortiment seien mit Hornspänen gedüngt.

Die Düngung mit Hornspänen lässt sich jedoch mit der veganen Lebensweise kaum vereinbaren: Wenn Hersteller von Garten- und Balkonerde die Hornspäne zum Beispiel von Schlachtbetrieben abkaufen, unterstützt das indirekt die Nutztierindustrie.

«Man quersubventioniert damit quasi, dass es sich lohnt, Tiere zu nutzen», sagt Raphael Neuburger, Präsident der Veganen Gesellschaft Schweiz zum SRF-Konsumentenmagazin «Espresso».

Für Veganer sei es daher wichtig, auf Alternativen zurückgreifen zu können – und zwar nicht nur im Bereich von Lebensmitteln: «Unsere Absicht ist es, so zu konsumieren, dass wir möglichst wenig Schaden anrichten.»

Maisprotein aus Ungarn liefert Nährstoff

In der veganen Coop-Erde kommen nun also keine Hornspäne oder andere tierische Produkte als Dünger zum Einsatz, sondern Maisprotein. Es handelt sich dabei nach Angaben des Herstellers Ricoter um ein Nebenprodukt der Maisstärke-Herstellung. Gewonnen werde es vorwiegend aus Futtermais aus Ungarn.

Ricoter-Geschäftsführer Ulrich Zimmer sagt, man habe die Idee der veganen Erde schon länger gehabt: «Als kleiner Schweizer Hersteller können wir nur überleben, wenn wir spezielle Sachen bringen. Als wir die erste torffreie Erde produziert haben, sind wir auch ausgelacht worden.» Letztendlich habe das aber das Überleben gesichert.

Höherer Preis wegen «aufwändiger Produktion»

Ein 15-Liter-Sack der veganen Balkonerde kostet bei Coop 9.50 Franken. Zum Vergleich: Ein 15-Liter-Sack Oecoplan Universalerde kostet 6.95 Franken. Noch krasser ist der Unterschied bei der Oecoplan-Balkonerde: Einen 30-Liter-Sack gibt es für 9.95 Franken!

Coop begründet den höheren Preis der veganen Erde mit der Produktion. Diese sei «wesentlich aufwändiger». So dauere es beispielsweise länger, bis der Kompost reif sei. «Zudem müssen kleinere Produktionschargen verarbeitet werden», erklärt eine Sprecherin.

Bald auch in anderen Geschäften

Auch wenn noch nicht klar ist, ob sich das Geschäft mit veganer Erde lohnt: Andere Detailhändler dürften nachziehen. So sagt etwa Jumbo, man werde vegane Erde voraussichtlich auf die nächste Saison anbieten. Beziehungsweise werde man Erden, welche die Bedingungen veganer Erde bereits erfüllten, entsprechend deklarieren.

Auch das Gartenunternehmen Wyss mit mehreren Fachgeschäften in der Schweiz prüft nach eigenen Angaben, ab 2018 vegane Erde anzubieten. Kein Thema ist die Einführung veganer Erde derzeit bei der Migros. Auf Anfrage teilt eine Sprecherin mit: «Eine Lancierung eines solchen Artikels ist nicht geplant. Bis jetzt haben wir keine Anfragen von Kunden bekommen. Auch von den Filialen haben wir kein Feedback bekommen, dass Kunden danach fragen.»

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