Weihnachtsbeleuchtung: Das grosse SRF 1-Städte-Rating

Traditionell oder modern, heimelig, pompös oder dezent – Radio SRF 1 nimmt die Weihnachtsbeleuchtung in sechs Schweizer Städten unter die Lupe. Baden holt die volle Punktzahl: Die Beleuchtung ist ökologisch, ästhetisch und beim Volk beliebt. Wie sieht es in den anderen Städten aus?

Liste mit dem Städterating: In drei Kategorien gab es ein bis drei Sterne für Ökobilanz, Akzeptanz beim Volk und Ästhetik. Baden ist der Sieger. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Das Städte-Rating Experten und Bevölkerung beurteilten sechs unterschiedliche Schweizer Weihnachtsbeleuchtungen. SRF

Appenzells Ökobilanz ist lausig, und die von Basel und Bern auch nicht viel besser. Das heimelige «Lichtkunstwerk» in Baden belegt beim Städte-Rating klar Platz 1: dreimal die volle Punktzahl. Auch St.Gallen ist vorne mit dabei. Allerdings ist das moderne «AllerStern» einigen zu kühl. Und an Zürichs «Lucy» bemängeln die Lichtexperten, sie harmoniere nicht mit dem anderen Licht in der Bahnhofstrasse.

Ökobilanz, Ästhetik und Akzeptanz – die Details

Fürs Radio SRF 1-Städte-Rating haben folgende Experten die sechs Städte beurteilt:

  • Ästhetik: Die Redaktion der Fachzeitschrift Luxlumina (Schweizer Magazin für Architektur & Lichtdesign)
  • Ökobilanz: Giuse Togni von der Schweizerischen Agentur für Energieeffizienz S.A.F.E.
  • Akzeptanz: Strassenumfragen der Regionalredaktionen von Radio SRF

Appenzell die Traditionelle

Blick in die Appenzeller Altstadt. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Appenzell setzt auf traditionelle Sterne mit herkömmlichen Glühbirnen. zvg

Ökobilanz: *
Ausschliesslich Glühbirnen, die viel Strom verbrauchen.

Akzeptanz: ***
Die Bevölkerung liebt das warme Licht der Sterne aus Aluminium, die mit Glühbirnen bestückt sind. Seit über 50 Jahren hängen sie. Von LED keine Spur. Strom sparen? Ach was. Ohne die alten, stromfressenden Sterne wäre Weihnachten nicht mehr dasselbe, so der Tenor in Appenzell.

Ästhetik: *
Die Sterne in der Mitte sind etwas simpel gestaltet, sieht nach einfachen Glühbirnen aus. Ausserdem ist die gesamte Beleuchtung etwas nüchtern und altmodisch.

Baden die Heimelige

Altstadt von Baden. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Badens Engel sind die glücklichen Gewinner. zvg

Ökobilanz: ***
Flächendeckendes Konzept mit ausschliesslich LED-Lampen, Strassenbeleuchtung wird in der Nacht ausgeschaltet.

Akzeptanz: ***
Die Beleuchtung kommt überall gut an. Sie ist erst wenige Jahre alt, hat aber die Idee der alten Beleuchtung aufgenommen: warmes, farbiges Licht. Dass die an verschiedenen Orten über den Köpfen der Menschen platzierten Barock-Engel auch zur Beleuchtung gehören, merken viele erst auf den zweiten Blick – oder gar nicht.

Ästhetik: ***
Die kleinen LED-Illuminationen wirken hübsch, ebenso die Engel dazwischen. Positiv fällt auf, dass die Häuser nicht noch zusätzlich beleuchtet wurden. So kommt die Weihnachtsbeleuchtung gut zur Geltung.

Basel der Mischling

Die beleuchtete Freie Strasse Basel. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Freie Strasse in Basel. zvg/www.basel.ch

Ökobilanz: *
In der Freie Strasse sind Glühbirnen angebracht, eine Umstellung auf LED ist geplant. Die Beleuchtung ist sehr hell.

Akzeptanz: **
Die Weihnachtsbeleuchtung ist immer mal wieder ein Thema, aber in Basel längst nicht so umstritten wie etwa in Zürich. Kritisiert wird am meisten, dass die Beleuchtung ein «Flickenteppich» und nicht einheitlich ist. Für Diskussionen sorgte vor einigen Jahren auch, dass die Geschäfte in Kleinbasel kein Geld für die Beleuchtung aufwerfen wollten. Das ist aber längst Geschichte.

Ästhetik: *
Die Lichtbogen erinnern an einen Kircheneingang. Schade ist, dass jede Hauswand zusätzlich noch anders leuchtet. Das wirkt wie an einer «Chilbi», und die Weihnachtsbeleuchtung geht unter. Ausserdem ist sie aus den 1960er Jahren.

Bern die Bäumige

Blick in die Kramgasse in Richtung Zytglogge in der Abenddämmerung. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Bern die Bäumige Einfach und dezent – das passt zu Bern. flickr/Melansilence

Ökobilanz: *
Nur ein Teil sind LED-Lampen. Ein Grossteil der Beleuchtung besteht noch aus Glühbirnen.

Akzeptanz: ***
Berns Weihnachts-Tännchen passen perfekt an die grünlichen Sandstein-Fassaden in der unteren Altstadt. Sie fallen gar nicht gross auf. Das wiederum passt zu Bern: Die Stadt «ist einfach». Sie schreit nicht nach Aufmerksamkeit und Coolness (wie Zürich). Gleichzeitig hat sie Stil. Da hängen keine überdimensionierten gelben Leuchtsterne aus den 1970er Jahren (wie etwa in Thun). Die schlichten Tännchen haben zeitlosen Charme.

Ästhetik: *
Kein leichter Entscheid: Die Idee ist gut, die Beleuchtung wirkt dezent. Allerdings wird die Weihnachtsbeleuchtung von der Umgebung praktisch «aufgefressen». Wir fänden es besser, wenn die Stadt Bern die Lauben in den Mittelpunkt stellen und diese beleuchten würde.

St.Gallen die Moderne

Blick in die St.Galler Altstadt. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Rund 700 Sterne schmücken St.Gallen. Jeder der 14 Strahlen eines Sterns steht für ein Quartier der Stadt. zvg

Ökobilanz: ***
Flächendeckendes Konzept mit ausschliesslich LED-Lampen. Die Beleuchtung wird in der Nacht ausgeschaltet.

Akzeptanz: **
Vor vier Jahren wurde «AllerStern» eingeweiht: 700 moderne 3D-Sterne verströmen stromsparendes LED-Licht. In einer Online-Umfrage wurde sie damals zur schönsten Schweizer Weihnachtsbeleuchtung gewählt. Unter den Einheimischen ist man aber geteilter Meinung. Viele finden keinen Gefallen am hellen und kalten Licht und blicken neidisch auf die Appenzeller.

Ästhetik: ***
Wirkt sehr nüchtern, aber gerade deshalb sehr gut. Der Stern ist ein Symbol für Weihnachten und er passt hier hervorragend zu den Strassenlaternen.

Zürich die Grosse

Blick in die Zürcher Bahnhofstrasse bei Nacht. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: «Lucy» – 23'000 LED-Leuchten leuchten in der Zürcher Bahnhofstrasse. Keystone

Ökobilanz: **
Die Bahnhofstrasse ist Spitze, was den Energieverbrauch angeht. In den übrigen Strassen finden wir jedoch ein Gemisch aus LED und Glühbirnen.

Akzeptanz: ***
Die farbigen Glitzerlichter verzaubern die Bahnhofstrasse. «Lucy» ist modern, wie es sich für Zürich gehört, und doch klassisch – denn an Weihnachten will man ja auch etwas Tradition. Vor allem aber lieben die Zürcherinnen und Zürcher «Lucy», weil sie sie von der unbeliebten Stab-Beleuchtung erlöst hat, die von 2005 bis 2009 in der Bahnhofstrasse hing.

Ästhetik: **
Die Weihnachtsbeleuchtung ist in Ordnung. Leider überdecken die beleuchteten Fassaden der Nachbarn ihren Effekt. Auch die Kugelleuchten der Strasse entlang harmonieren nicht mit «Lucy».

Baden ist auch Publikums-Liebling

Nüchterne Experten-Meinungen sind das Eine. Aber gerade beim Advents-Schmuck zählt doch auch: Was gefällt Ihnen am besten? Sie Stimmten in unserem Weihnachtsbeleuchtungs-Voting für Ihren Favoriten. Baden hat auch hier die Nase vorn. St.Gallen folgt dicht dahinter, die anderen vier Städte liegen weit zurück.

Abstimmung: Weihnachtsbeleuchtung in Schweizer Städten.

  • Traditionell, klassisch oder modern, heimelig, pompös oder dezent – so unterschiedlich sind die Weihnachtsbeleuchtungen in Schweizer Städten. Wer hat die Schönste?

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