Züri West auf dem Gurten: Ich hätte heulen können

Mit «Züri Best» hätte ich diesen Blog gerne betitelt und die Rückkehr der Berner Züri West gefeiert. Jetzt bin ich traurig. Ja. Nennt mich Drama-Queen. Aber es tut mir im Herzen weh, dass die Züris auf dem Gurten nicht das Konzert erleben durften, das sie meiner Ansicht nach verdient gehabt hätten.

Das Comeback, welches Züri West in diesem Frühjahr mit ihrem Album «Love» feiern durften, ist schlicht und einfach grossartig. Züri West hat mit «Love» genau das Album abgeliefert, das textlich wie musikalisch gerade am besten zu ihnen passt.

Ganz so euphorisch war ihr Auftritt am Gurtenfestival dann aber leider nicht. Solid auf jedenfall. Sicher allemal. Ja. Sogar druckvoll und zügig nach vorne mit eindeutig gelöster Handbremse. Aber eben nicht magisch.

Die auti Maschine, wo louft u louft u louft

Ja. Sie läuft noch, die alte Maschine. Und zwar rund und gut. Sie ist geölt und fährt sicher, wie auf Schienen. Entgleisungsgefahr? Null. Trotzdem wollte man auf dem Gurtenfestival irgendwie nicht so recht einsteigen in diese Maschine. Zuschauen, wie sie fährt wollten alle. Aber der Funke sprang nur partiell.

Die Hits

Es brauchte Riesenhits wie «I schänke dir mis Härz» oder «I ha di gärn gha», um den proppenvollen Gurten so richtig aus der Reserve zu locken. Bei älteren Perlen wie «Drück ab», «Elvis» oder «Bhauts eifach für dich» reagierte das Publikum auf dem Gurten ähnlich verhalten wie bei den zahlreichen neuen Songs, die Züri West üppig in ihr Set streuten.

Satte neun Songs des neuen Albums spielten Züri West auf dem Gurten. Das ist cool, konsequent und mutig. Aber natürlich nicht der Zündstoff, der ein Festivalpublikum zum Kochen bringt. Das funktioniert an Konzerten, bei welchen man sich ein Ticket erstattet, auf welchem «Züri West» steht.

Zusatzinhalt überspringen

Autor: Gregi Sigrist

Autor: Gregi Sigrist

Gregi Sigrist ist Musikjournalist der Fachredaktion Musik Pop/Rock von Schweizer Radio und Fernsehen. Im Musik-Blog schaut er auf, unter und hinter aktuelle Musikthemen und ihre Nebengeräusche.

Und dann ein bisschen Weinen mit Dylan

Zum Abschluss spielten Züri West ihre wunderbare Dylan-Adaption «Mir wei nid grüble» (Original: «Don’t Think Twice, It’s Alright»). Auch das ein Song des neuen Albums. Für viele Leute war da das Konzert aber schon vorbei. Nicht nur im Kopf. Sie liefen der Band davon. Zum Schnitzel- Bier-Was-weiss-ich-Stand wohl.

Das ist bitter. Nicht nur für Züri West. Ich hätte heulen können in diesem Moment. Ganz ehrlich. Auch wenn grosse Bands auf grosse Bühnen gehören: In diesem Moment wünschte ich mir, Züri West hätten auf der Zeltbühne gestanden und so ihr eher auf Fans ausgerichtetes Set in einem intimeren Rahmen spielen können.

Aber so war es nicht. Züri West spielten auf der Hauptbühne. Da gehören sie eigentlich auch hin. Der Deal heisst aber wahrscheinlich: Mehr Hits, mehr Investition in die Publikumseroberung, mehr Entertainment. Ich weiss aber ehrlich gesagt nicht, ob ich mir diese Entwicklung bei einer Band wie Züri West wünsche.