Trend «Homemade Tattoo»: Tätowieren ohne es gelernt zu haben

Alex hat schon überall tätowiert: an schäbigen Orten, an einem Lagerfeuer oder bei sich zuhause. Eine Ausbildung in einem Tattoostudio hat er ausgelassen. Ob das hygienisch ist, wer seine Kunden sind und was sein Ziel ist, erzählt er im «Inked»-Video:

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Sind Homemade Tattoos hygienisch?

2:30 min, aus Inked vom 20.11.2016
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«Inked» mit Bettina Bestgen

«Inked» mit Bettina Bestgen

Die erste Tattoo-Sendung der Schweiz: «Inked» portraitiert Menschen mit Geschichten, welche unter die Haut gehen.

Hier gibt es die bisherigen Folgen der ersten Staffel.

«Homemade Tattoos» sind zu einem Trend geworden. Leute, welche das Tätowieren nie in einem Studio gelernt haben und bei sich zuhause tätowieren. Es ist ein Hobby und nicht der Beruf. Alex Ganz (23) ist ein solcher Homemade-Tätowierer, er sticht da, wo er gerade ist, und habe auch schon in schäbigen Häusern eine schöne Ecke zum Tätowieren eingerichtet.

Wie er überhaupt auf diese Idee gekommen ist und es dann gelernt habe, will ich von ihm wissen. «Ich wusste gar nicht, dass ich tätowieren kann. Ich probierte es auf Früchten aus, danach tätowierte ich mich selber. Die Leute sahen das und fragten mich, ob sie auch ein Tattoo von mir haben können», erzählt Alex.

Der Reiz am Homemade Tätowieren

Die Tattoo Session finde nebenbei statt. Die Leute können bei ihm zuhause Playstation oder Ping Pong spielen, kochen, Sound hören und sich halt eben noch tätowieren lassen. Zudem hätten seine Freunde sowieso kein Geld, um sich in einem «richtigen» Studio tätowieren zu lassen.

Die «gelernten Tätowierer» finden es einen Schmarren

Es gibt in der Schweiz keine offiziell anerkannte Ausbildung, um Tätowierer zu werden. Es passiert «unter der Hand», d.h. erfahrene Tätowierer nehmen einen Neuling, den sie fein säuberlich auswählen, und bilden den aus. Sie geben ihr Wissen, ihr Können, die Geschichte hinter dem Tätowierhandwerk 1:1 ihrem Schützling weiter. Es kann viele Jahre dauern, bis der Lehrling das erste Mal tätowieren darf. Infos zur Ausbildung vom Verband Schweizerischer Berufstätowierer gibt es hier.

Alex hat dieses Prozedere ausgelassen respektive anders gelöst. Damit löst er bei den «Studio-Tätowierern» weder Jubelrufe noch Anerkennung aus. Im Gegenteil, das Homemade-Tätowieren ist da verpönt.

«  Ich habe schon gehört, dass es nicht okay sei, dass ich einen Job ausübte, den andere gelernt hätten. Aber ich tätowiere, weil ich einfach gerne tätowiere und nicht weil ich Tätowierer in einem Studio sein möchte. »

Ich habe Alex auf dieses Thema angesprochen. «Ich habe grosse Angst vor Infektionen, darum habe ich mir Hygiene-Tipps bei einem erfahrenen Tätowierer geholt: Er hat mir den Ablauf gezeigt und wie ich meine Instrumente sauber halte. Ich habe schon gehört, dass es nicht okay sei, dass ich einen Job ausübe, den andere gelernt hätten. Aber ich tätowiere, weil ich einfach gerne tätowiere und nicht weil ich Tätowierer in einem Studio sein möchte. Es tut gut zu wissen, dass meine Kunden mir vertrauen.»

Keine Werbung für Homemade Tattoos

«Aber gäll, Bettina, es soll keinen Werbespot für Homemade Tattoos geben», hat es geheissen. Nöö. Mein Ziel ist es, zu zeigen, was es in der Welt des Tätowierens alles gibt. Homemade Tattoos gehören dazu, das ist nun mal die Realität. Meine Tätowiererin des Vertrauens hat eine Ausbildung gemacht und arbeitet in einem Studio, aber ich habe nicht die Befugnis zu sagen, was gut oder schlecht, richtig oder falsch ist (jesses nei, zum Glück nicht).

Keiner wird gegen seinen Willen von Alex tätowiert. Jeder entscheidet selber, ob und in welches Studio er geht, wo und von wem er sich ein Tattoo stechen lässt und wieviel Geld er dafür ausgeben möchte. Die Geschmäcker sind verschieden und das ist ganz gut so. Amen.