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Chansons aus Goldstaub Stephan Eicher rührt Licht in jede seiner Melodien

Sein neues Album heisst «Poussière d'Or». Comme toujours, wenn Stephan Eicher ein Interview gibt, landet man nicht, wo man denkt. Zum Glück. Ein Austausch über Tagebücher, lichtdurchflutete Lieder und die Pläne von Grauzone.

«Ich hab noch nicht begriffen, was ich da gemacht habe», sagt Stephan Eicher und meint damit sein neues Album. Stimmt natürlich nicht. Klar weiss er, was er mit seinem 18. Werk «Poussière d'Or» (Goldstaub) geschaffen hat: eine Ode an die Einfachheit – aber der Zweifel bleibt spannender als die allzu konkrete Aussage. Bei Stephan Eicher werden eben auch die Interviews zur Performance.

Wo lagern Stephan Eichers Erinnerungen?

Zum Beispiel wenn er sich plötzlich selbst eine Frage stellt: «Wie isst man eine Giraffe?». Und die Antwort gleich nachreicht: «Biss für Biss» – kein Zweifel, der 65-Jährige mag überraschende Themenbrüche.

Na dann, von der Giraffe zum Schreiben: «Seit ich 17 bin, fülle ich vier Tagebücher pro Jahr», erzählt Eicher. Darin notiere er unter anderem «hochintelligente Gedanken, die niemand entziffern kann». Dafür müssten Eichers Journale auch erstmals gefunden werden. Im Gespräch verrät er, dass sie in einem Überseekoffer in einer Fabrikhalle nahe Montreux lagern, wo auch all seine Bühnenkulissen und sein Floss verstaut seien.

Welches Floss? Ein vergangenes «Abenteuer», wie der Musikpreisträger seine Projekte gerne nennt: Ein Konzerterlebnis, 2021 unter dem hingebungsvollen Titel «Das Floss der Unnötigen» mehrfach auf schwimmender Bühne aufgeführt.

Wie viel Goldstaub bietet das neue Album?

Es ist Zeit, einen Anker zu werfen, Herr Eicher. Was hören wir auf dem neuen Album? «Ich hab versucht Lieder zu schreiben, die Licht drin haben», so der Musiker. Und das tun sie: Alle 12 Songs auf «Poussière d'Or» glühen mit zurückhaltender Eleganz, als ginge Eicher auf Zehenspitzen, um mit seinen Liedern unsere Träume zu durchwandern.

Die Liedtexte stammen erneut aus der Feder von Komplize und Schriftsteller Philippe Djian. Deshalb allesamt Französisch, bis auf die funkelnde Ausnahme «Bliib No Chli». Dieses eine Kleinod mit Text von Martin Suter, das sich mit nichts als Andeutungen zum Höhepunkt des Albums auftürmt.

Seine Motivation war es, Lieder gegen den Lärm der Welt zu schreiben: «Ich wollte ein Album machen, zu dem man Kochen, aus dem Fenster schauen und sich sicher fühlen kann.» Mal klingt das nach Noir Désir («Je Plains Celui»), dann nach entschlackten U2 («Fontaine») – letztlich aber nach Stephan Eicher, der es einmal mehr schafft, unaufdringlich zu berühren.

Gibt's bald was Neues von Grauzone?

Apropos Gefühle: Die Musik unterscheide sich für ihn in einem Punkt ganz besonders von anderen Kunstformen, so Eicher: «Musik macht immer direkt etwas mit uns». Ihre Wirkung sei unberechenbar, «wie ein Parfum, das da ist und wieder verschwindet.»

Eine Sache wäre da noch vor dem Verschwinden. Wieviel Stephan Eicher steckt eigentlich im Grauzone-Hit «Eisbär»? Eicher holt Luft und macht: «Bibibip bibibip» und imitiert den Polarwind «Schuuuiiiihhhhuuu». Mehr nicht.

Grauzone ist bekanntlich ein Projekt seines Bruders Martin Eicher. Im Januar 2026 hätten sie jedoch eine Verabredung und eine Reunion sei nicht auszuschliessen. «Mein Bruder schreibt seit 40 Jahren an dem zweiten Grauzone-Album und was ich bisher gehört habe, klingt vielversprechend, aber nicht nach gewohnter Grauzone. Eher nach Walt Disney Filmmusik auf LSD.»

Radio SRF 3, 28.11.2025, 10:40 Uhr

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