Ein Lebenszeichen von Polo: «Ich könnte schon fast wieder singen»

Seit dem letzten Sommer hat Polo Hofer sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen; er ist in Behandlung wegen Lungenkrebs. Noch im Herbst war er sehr schwach, aber zur Zeit fühlt er sich besser und mag wieder reden – übers Singen, den Spagat von Prince und die verrückteste Bestattungsart der Welt.

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Bildlegende: Die Bühne vermisst er nicht: Polo Hofer am Gurtenfestival 2015. Keystone

Wie gehts der Stimme, Polo? Ist Reden anstrengend?

«Als ihr mich zum letzten Mal um ein Interview gefragt habt, hatte ich fast keine Stimme mehr, ich flüsterte nur noch. Jetzt bin ich noch etwas kurzatmig, aber ich könnte schon bald wieder singen - ich würde dann mehr so auf Rod Stewart oder Tom Waits machen!»

Und wie geht es dir sonst?

«Durch die Chemotherapie hat man den Tumor aufhalten können und beobachtet ihn jetzt ohne Chemie. Ich muss dann in drei Monaten in die Röhre zur Kontrolle, aber bis dahin muss ich nichts Chemisches mehr nehmen. Ich habe auch keine Schmerzen, schlafe durch, bin noch zu leicht, aber ich nehme zu, seit ich mit der Chemo vor drei Monaten aufhören konnte. Ich habe immer noch einen Rollator zum Gehen.»

Könntest du dir vorstellen, wieder live Musik zu machen?

«Mein ältester Musikerkollege ist Hanery Amman [mit ihm zusammen schrieb Polo den Überhit 'Alperose']. Er hatte auch Lungenkrebs. Er ist acht Jahre jünger als ich und ihm ging es viel dreckiger als mir. Er kämpfte ein Jahr lang und man musste ihm einen Lungenflügel entnehmen. Aber heute gibt er Konzerte und spielt Schnorregiige mit einem Lungenflügel! Er ist mein Vorbild.»

Und was rät dir Hanery Amman?

«Ich habe mit Hanery darüber gesprochen, und er sagt mir: Essen, essen essen! Das hat etwas, dünkt mich: Die Muskeln wachsen, das Gewicht nimmt wieder zu – gell, ich war noch 49 Kilo und sollte etwa 68 sein. Zur Zeit wiege ich 53.»

Wer von den grossen Musikern, die im letzten Jahr gestorben sind, berührte dich am meisten?

«Prince. Schwarze Musik ist ein starker Einfluss auch in meiner Musik. Er war ein Multiinstrumentalist, wahnsinnig kreativ, hatte den Zeitgeist eingebaut, und war - was ihn vielleicht zwar umbrachte - unheimlich athletisch. Ein Tanzgenie. Aber vielleicht sollte man mit 40 keinen Spagat mehr machen.»

Wenns dann doch mal so weit ist - wir hoffen noch lange nicht - was soll nach deinem Tod geschehen?

«Ich will mit einer Rakete in den Himmel geschossen werden. Eine gute chinesische Erst-August-Rakete befördert dich von einem Berg aus ins Weltall, zwei Kilo Asche, das ist keine Sache für Pyromanen. Meine Frau hat ja ein Bestattungsinstitut - wir fragten an beim Regierungsrat, ob man das machen dürfte, und da hiess es, ja, ab 1000 Meter über Meer. Wir wissen auch schon, welcher Berg es sein soll: Der, der vis-à-vis von mir ennet dem See steht: Der Niesen [2'362 m ü. M].»

Was würdest du auf der Welt verändern, wenn du könntest?

«Ich hätte da einen Trick, eine Methode, die alles verändern würde. Bei den Pygmäen in Afrika gilt als oberste Regel: Wer schläft, den darf man nicht wecken. Diese Regel würde ich einführen. Die Leute wären ausgeschlafen und darum produktiver. Ausserdem wären sie naturnäher. Die Besitzgier würde abnehmen, der Drogenkonsum auch. Kriege wären sehr uninteressant, ja gar nicht mehr möglich. Es würde alles verändern.»