Warum die «Street Parade» ab sofort cool ist

Die «Street Parade» möchte weg von ihrem Image als Volksfest und zurück zu ihren Wurzeln. Warum im Organisationsteam ein musikalisches Umdenken stattgefunden hat und wie die Parade den Weg zurück zum Techno finden soll, erklärt Booker Robin Brühlmann im Interview.

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Bildlegende: Können in Zukunft zu noch mehr Techno knutschen: die «Street Parade»-Besucher. Keystone

Wie sieht der Gemütszustand eines «Street Parade»-Bookers knapp eine Woche vor der 26. Ausgabe «seiner» Parade aus? Durchgeschwitztes T-Shirt und pausenlose Energy-Drink-Konsumation? Fehlanzeige! Wir begegnen einem Robin Brühlmann, der laut eigener Aussage zurzeit viel «positiven Groove» verspürt.

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Bildlegende: Haben extra für die «Street Parade» lustige Brillen gekauft. Ha, so kreativ! Keystone

Wahrscheinlich hängt die Zufriedenheit von Brühlmann auch mit dem musikalischen Programm der diesjährigen Parade zusammen. Jenes entspricht nämlich voll und ganz den Vorstellungen, welche das Organisationsteam vor ein paar Jahren neu ausformulierte.

«Vor drei Jahren habe ich nach der Parade in einem internen Debriefing das Thema Musik angesprochen und davor gewarnt, dass wir unsere Werte verlieren können, wenn wir unser Programm noch ‹radiolastiger› ausrichten», erzählt Brühlmann.

Das Resultat: eine konzeptuelle Neuausrichtung, «back to the roots». Im Klartext heisst das: die «Street Parade» verzichtet auf hyperkommerziellen EDM und David Guetta – stattdessen gibt's auf den offiziellen Bühnen fadengerade Technomusik von international gefeierten Grössen wie Luciano, Dubfire oder Monika Kruse.

Eine Neuausrichtung mit dem einen oder anderen Verlust

Dass diese Neuausrichtung nicht von heute auf morgen funktionieren würde, war Brühlmann immer klar: «Dass wir uns sofort alle nur noch schwarz kleiden, die Technofahne hochhalten und behaupten, dass wir jetzt voll ‹underground› sind – das geht natürlich nicht. Es ist ein langsames Herantasten und ein vorsichtiger Prozess, der nur durch die sorgfältige Beobachtung der lokalen und internationalen Clubkultur funktionieren kann.»

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Bildlegende: 1992: die erste «Street Parade» – noch vor der Erfindung von Farbe. Keystone

Die Umorientierung bedeutet gleichzeitig auch, dass ein paar alteingesessene Acts, die zuvor «Street Parade»-Stammgäste waren, ab sofort keinen Platz mehr im Programm finden. Ein schlechtes Gewissen hat Brühlmann deswegen allerdings nicht: «Dadurch, dass es bei uns ‹null› Gage gibt und mit dem Wissen, dass diese Künstler an einem anderen Ort zur gleichen Zeit 50'000 Euro Gage für einen Auftritt erhalten, ist unser ‹Nein!› wahrscheinlich nicht so schlimm.»

«  Es soll auch weiterhin die ganze Bandbreite der elektronischen Musik präsentiert werden. »

Und nur weil Brühlmann und sein Team auf den kommerziellen Sound der Vorjahre verzichtet, heisst das noch lange nicht, dass diese Musik an der «Street Parade» gar nicht mehr stattfindet: «Auf den Wagen, die von externen Veranstaltern gestellt werden, soll auch weiterhin die ganze Bandbreite der elektronischen Musik präsentiert werden», so Brühlmann.

Ein Tête-à-Tête mit der Clubkultur

Robin Brühlmann kümmert sich seit 17 Jahren um das musikalische Gewissen der Parade. Langweilig scheint ihm dabei noch lange nicht zu werden: «Wir würden gerne noch das eine oder andere musikalische Abenteuer wagen. Aber die ‹Faszination Streetparade› bleibt auch weiterhin unser höchstes Ziel.»

Einen konkreten Wunsch für die Zukunft hat er trotzdem: «Noch mehr Gäste aus dem Ausland anlocken, die aber vielleicht schon ein paar Tage früher anreisen und zuerst auch unsere Clubkultur kennen lernen, das wäre wünschenswert.»

Das Interview führte Philippe Gerber für SRF 3.