Warum auch Horrorfilm-Skeptiker «Get Out» lieben werden

Der US-Horrorfilm «Get Out» ist einer der bislang besten Filme des Jahres. Der Überraschungshit verdient es, gesehen zu werden – auch wenn du normalerweise einen weiten Bogen um Horrorfilme machst. (Und hey, eigentlich ist der Film sowieso kein Horrorfilm.)

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Bildlegende: Symbolträchtig: Das schwarz-weisse Poster von «Get Out» Blumhouse

Horrorfilme sind wie Lakritze oder Koriander: entweder man liebt sie – und dann kann man nur schwer darauf verzichten – oder man lehnt sie kategorisch ab.

Jedes Mal wenn uns ein Horrorfilm mit dermassen viel Vorschusslorbeeren wie «Get Out» erreicht, stehen die Zartbesaiteten unter uns also vor einem Dilemma: Filmspass trotz potentiell grossem Gruselfaktor?

Im Falle von «Get Out» ist die Antwort ein gewaltiges «Ja, absolut!». Der Überraschungshit des Jahres (in den USA begeistert der Film sowohl Kinogänger als auch Kritiker ) verdient es, gesehen zu werden – auch von Horrorfilm-Skeptikern. Diese drei Gründe sprechen dafür:

1. Die Ausgangslage fesselt von der ersten Minute an

Die Hauptfigur von «Get Out» heisst Chris. Chris ist Afroamerikaner und wird von seiner weissen Freundin Rose auf ein Weekend zu ihrer Familie in der Provinz eingeladen.

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Bildlegende: Die Hauptdarsteller: Daniel Kaluuya und Allison Williams Blumhouse

Zwar macht sich Chris Sorgen darüber, dass Rose ihre – weisse – Familie nicht vorgewarnt hat, dass sie gleich einen dunkelhäutigen Freund nach Hause bringen wird, Rose gibt jedoch Entwarnung. Mit dem Satz «Mein Vater wird dir garantiert sagen, dass er Obama gerne ein drittes Mal gewählt hätte», möchte sie Chris beruhigen.

Als Chris bei Roses Familie ankommt, bietet sich ihm jedoch ein ganz anderes Bild. Die anscheinend total liberale Familie hat ausschliesslich afroamerikanische Angestellte, die sich ausserdem ihm gegenüber äusserst seltsam verhalten. Sofort wird klar: hier stimmt etwas nicht.

2. Eigentlich ist «Get Out» mehr Thriller als Horrorfilm

Die meisten Horrorfilme aus Hollywood laufen seit einigen Jahren nach dem immer gleichen Schema ab. Dunkle Aufnahmen, Stille... und dann... ROAAARR!!! SPRINGT PLÖTZLICH EIN UNHEIMLICH AUSSEHENDES MONSTER INS BILD – immer begleitet von einem ebenso überraschenden und schrillen Soundeffekt.

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Bildlegende: Roses Eltern, gespielt von Bradley Whitford und Catherine Keener (zugegeben: in diesem Licht sieht jeder böse aus) Blumhouse

Solche «Jumpscares» schaffen es zwar meistens, den Zuschauer vom Sofa springen zu lassen, verlieren jedoch schnell ihren Reiz und – wenn wir ehrlich sind – haben sie mit grosser Filmkunst nicht wirklich etwas zu tun.

Umso schöner also, dass «Get Out» den Grossteil seines Horrors von der psychologischen Seite her holt.

Zwar kommt der Film – gerade in der Schlussviertelstunde – nicht vollkommen ohne Schockmomente aus, Szenen, in denen man sich beide Hände vor die Augen halten muss, gibt es aber praktisch keine.

3. «Get Out» bringt eine neue Perspektive in die Rassismusdebatte

Der Titel «Get Out» («Hau ab») lässt auf einen Exorzismus schliessen. Mit einer Geisteraustreibung hat der Film jedoch nichts zu tun. Das Gespenst in «Get Out» heisst «liberaler Rassismus».

Comedian Jordan Peele legt mit «Get Out» sein Regiedebüt ab. Als eine Hälfte des Komikerduos «Key & Peele» setzt sich Peele bereits seit Jahren mit dem Verhältnis zwischen dem «schwarzen» und «weissen» Amerika auseinander.

Mit viel Feingefühl zeigt Peele in «Get Out», dass Rassimus nicht immer nur von Männern in weissen Kapuzengewänder kommt, sondern auch studierte Mittel- und Oberschichtler in diese Falle tappen.

Zur Vollständigkeit: Der Trailer von «Get Out» – allerdings verrät dieser ein bisschen zu viel. Lieber ohne Trailer ins Kino gehen!